Leichte Entspannung, aber neue Niederschläge

30. Juni 2009, 14:19
5 Postings

Grundwasserspiegel in St. Pölten mit historischem Höchststand - Entspannung im Burgenland und Oberösterreich - Steiermark wappnet sich für Regenfälle

Nach den verheerenden Überflutungen der vergangenen Tage gab es am Dienstag zumindest eine kurze Atempause: In der Steiermark, in Niederösterreich, Oberösterreich und im Burgenland entspannte sich die Lage teilweise, allerdings wappnete man sich bereits für neue Niederschläge. Verheerende Überschwemmungen gab es in der Nacht auf Dienstag in St. Pölten, wo Katastrophenalarm gegeben wurde.

Kritisch war die Lage vor allem in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. In Sankt Pölten fielen am Montagabend 164 Liter Regen pro Quadratmeter, ein Wert, der alle bisherigen Messungen übertraf. Besonders kritisch war die Lage um den Alpenbahnhof. Mehrere Straßensperren wurden angeordnet. Als problematisch galt die Lage auch entlang der Mariazeller Straße ins Traisental. In Wilhelmsburg kam es zu Überflutungen.

St. Pölten: Höchststand beim Grundwasserspiegel

Beim Messpunkt für den Grundwasserspiegel der Abteilung für Hydrologie der NÖ Landesregierung in St. Pölten-Völtendorf ist am Montag ein historischer Höchststand gemessen worden, der derzeit bei 286,99 Meter über Adria liegt. Das bedeutet, dass der Grundwasserspiegel seit 22. Juni - oder Montag vergangener Woche - um fast zwei Meter gestiegen ist, berichtete der Magistrat. Der St. Pöltner Grundwasserspiegel werde durch zwei Faktoren beeinflusst. Er könne in der Nähe der Traisen bei Hochwasser rasch ansteigen, werde aber auch direkt durch Niederschläge beeinflusst. "Derzeit kommen in St. Pölten beide Faktoren zusammen, woraus der historische Höchststand resultiert", so das Rathaus.

Der Messpunkt in Völtendorf ist von der Traisen weit entfernt und daher hauptsächlich von der Niederschlagsmenge beeinflusst. Auch diese habe in den vergangenen Tagen einen Rekordwert erreicht. Laut ZAMG sind von 22. Juni (8.00 Uhr) bis 25. Juni 2009 (8.00 Uhr) - oder binnen 72 Stunden - 179 Liter regen pro Quadratmeter gefallen. Es ist dies laut Magistrat "ein Wert, der noch nie vorher in St. Pölten gemessen wurde". Aktuell sei der Grundwasserspiegel - auch bei Abflauen der Regenfälle - immer noch steigend, "so dass davon auszugehen ist, dass der derzeitige Höchstwert noch übertroffen wird".

Ansonsten ist in Niederösterreich eine Entspannung eingetreten. Sowohl die Donau als auch ihre Zubringer wiesen fallende Tendenz auf, hieß es beim Hydrographischen Dienst. Aufgrund der labilen Wettersituation sei es "aus hydrologischer Sicht jedoch noch nicht möglich, endgültige Entwarnung zu geben". Lokale Überflutungen und Vermurungen durch Gewitter seien weiterhin nicht ausgeschlossen.

Aufräumarbeiten

In Oberösterreich waren die Bezirke Grieskirchen, Linz-Land, Eferding, Rohrbach, Steyr-Land und Ried im Innkreis die Einsatzschwerpunkte. Zahlreiche Gebäude und Straßen wurden durch überlaufende Kanäle und Bäche überflutet. In der Stadt Steyr, die vom Hochwasser der vergangenen Tage am stärksten betroffen war, kehrte allmählich wieder Normalität ein, dort liefen die Aufräumarbeiten.

Auch im Burgenland schien sich die Hochwasserlage langsam zu entspannen. Dort waren am Dienstag nur noch einzelne Pumparbeiten im Gang, außerdem wurden Dämme kontrolliert. Wegen eines Unwetters am frühen Montagabend in Mischendorf (Bezirk Oberwart) waren noch 200 Einsatzkräfte ausgerückt. Für Dienstag wurden allerdings weitere Unwetter befürchtet.

Steiermark wappnet sich für Regenfälle

Ein paar ruhige Stunden haben die Bewohner im oststeirischen Bezirk Feldbach in der vergangenen Nacht verbringen können, denn es ist zu keinen heftigen Niederschlägen oder Erdbewegungen gekommen, wie Feuerwehrsprecher Thomas Meier am Dienstag erklärte. Dennoch könne noch nicht aufgeatmet werden, denn schon für den Nachmittag wurde neuerlich Regen prognostiziert. Weitere Evakuierungen könnten dann wieder anstehen.

Der Katastrophenalarm im Bezirk Feldbach blieb aufrecht. Weil der Boden bereits aufgeweicht und vollgesogen ist, seien bei neuerlichen Regenfällen jederzeit wieder Räumungen möglich, so Meier. Mit Stand von Dienstag früh waren zehn Häuser und Wohnungen evakuiert, wovon 72 Personen betroffen waren. Im Laufe des Tages würden weitere Folien ausgelegt und die am Montag ausgelegten Panzerigel vom Bundesheer mit Sandsäcken verstärkt.

Nachdem am Montagnachmittag das obersteirische Radmer (Bezirk Leoben) wieder erreichbar war, konnte die Energie Steiermark eine alternative Stromzufuhr für die rund 200 Haushalte herstellen, die wegen umgestürzter Masten ohne Elektrizität waren. Punktuell sei es zu Ausfällen im ganzen Land gekommen, erklärte Sprecher Urs Harnik-Lauris. Insgesamt seien am Montag Hunderte Haushalte zumindest kurzzeitig ohne Strom gewesen.

Straßen-Behinderungen

Auf den steirischen Straßen kam es auch am Dienstag noch wegen drohender Muren und Hochwasser zu Behinderungen: Neben der seit Montag gesperrten L367 zwischen Edelsgrub und Krumegg (Bezirk Graz-Umgebung) und der L372 bei Heiligenkreuz am Waasen (Bezirk Leibnitz) ist seit den Nachtstunden auch der Sölkpass wegen einer Erdbewegung zwischen Stein und Baierdorf nicht passierbar. Ebenfalls gesperrt ist die B115 zwischen Steyr und Hieflau.

Bundespräsident Heinz Fischer hat heute anlässlich des aktuellen Hochwassereinsatzes des Bundesheeres einen Tagesbefehl erlassen, in dem er den Soldaten des Bundesheeres seinen Dank für die gewissenhafte und professionelle Leistung aussprach. Das Bundesheer stelle in bewährter Weise seine hohe Leistungsbereitschaft eindrucksvoll unter Beweis. Die Soldaten würden sich dabei höchsten Respekt für ihre gewissenhafte und professionelle Leistung erwerben. (APA)

  • St. Pöltner Alpenbahnhof unter Wasser.
    foto: mss/vorlaufer

    St. Pöltner Alpenbahnhof unter Wasser.

  • Artikelbild
    foto: mss/vorlaufer
Share if you care.