Mindestens 16 Tote nach Zugunglück

30. Juni 2009, 16:02
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Flüssiggas-Waggon in Viareggio entgleist und explodiert - Häuser eingestürzt - Achse des ersten Wagens gebrochen - Vier Personen vermisst - Tausend Menschen evakuiert

Bei der Explosion eines mit Flüssiggas gefüllten Tankwaggons in der toskanischen Küstenstadt Viareggio sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten waren auch drei Kinder. 37 Menschen wurden schwer verletzt, 15 von ihnen schweben in Lebensgefahr, darunter auch ein zweijähriges Kleinkind, das mit schwersten Verbrennungen in eine Spezialklinik nach Florenz gebracht wurde.

"Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Das ganze Gebiet ist abgesperrt, Such- und Rettungsarbeiten dauern an", sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Guido Bertolaso. Vier mit Flüssiggas beladene Waggons seien noch nicht in Sicherheit gebracht worden, und das Feuer schwele weiter.

Zwei Häuser eingestürzt

Die Wucht der Detonation hatte zwei Häuser zum Einsturz gebracht. Die Zahl der Todesopfer werde sehr wahrscheinlich steigen, da viele Menschen noch in Lebensgefahr schweben, so Bertolasi. Bei den Opfern handelt es sich um Bewohner der beiden eingestürzten Häuser sowie um Passanten. Aus Furcht vor weiteren Detonationen wurden etwa tausend Menschen in Sicherheit gebracht.

Nach Angaben Bertolasos war der Güterzug in der Nacht auf Dienstag kurz vor dem zentral gelegenen Bahnhof entgleist, dabei explodierte einer der Waggons. "Ich befürchte, dass es einige nicht schaffen werden, da sie Brandwunden auf 100 Prozent des Körpers haben", sagte Bertolaso. 300 Personen mussten ihre Wohnungen verlassen. Bertolaso konnte nicht sagen, ob sich die Vermissten unter den Trümmern befinden. "Wir werden so lange graben, bis wir sicher sind, dass niemand mehr unter den Trümmern liegt", betonte der Zivilschutzchef. Er dementierte, dass weiterhin Explosionsgefahr bestehe. Die Feuerwehrmannschaften seien dabei, die Schienen von den Waggons zu befreien. Dies sollte noch 24 Stunden in Anspruch nehmen. Erst in zwei Tagen sollte die Bahnlinie wieder frei sein.

Die Bahnbediensteten in der Toskana legen am morgigen Mittwoch eine Stunde lang die Arbeit nieder, sie verlangen mehr Sicherheitsvorkehrungen. Es war das schwerste Bahnunglück in Italien seit Jänner 2005. Damals waren beim Zusammenstoß von zwei Zügen in der Nähe von Bologna 17 Menschen getötet und etwa 60 weitere verletzt worden.

Häuser eingestürzt

Gegen Mitternacht war der Zug nach Behördenangaben mit 14 Waggons entgleist. Aus einem Tankwaggon sei Flüssiggas in die angrenzende Häuser ausgelaufen und dann explodiert. Der Bürgermeister von Viareggio, Luca Lunardini, berichtete von drei Detonationen, einer starken und zwei leichteren kurz danach. Zwei kleinere Gebäude stürzten ein, vier weitere wurden beschädigt. Bei den Todesopfern handelt es sich um Bewohner der beiden eingestürzten Häuser sowie um Passanten. Aus Furcht vor weiteren Detonationen wurden etwa tausend Menschen in Sicherheit gebracht.

Die beiden Lokführer haben das Unglück überlebt und standen so wie mehrere Augenzeugen unter Schock. "Ich habe die Explosion gehört und bin raus auf die Straße. Da stand ich direkt in den Flammen, und vor mir auf dem Boden lag eine verkohlte Leiche", sagte ein Mitarbeiter einer Pharmafirma in der Nähe des Unglücksorts der Nachrichtenagentur ANSA.

Mehr als 300 Feuerwehrleute kamen aus verschiedenen Regionen nach Viareggio, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Ein achtjähriger Bub wurde nach Angaben der Feuerwehr lebend aus einem zerstörten Haus geborgen. Die Rettungskräfte befürchteten jedoch weitere Verschüttete unter den Trümmern. Spezialkräfte sicherten die umgekippten Tankwagen, um weitere Explosionen zu verhindern.

Achse des ersten Waggons gebrochen

Ein Achsenbruch eines Flüssiggas-Güterwagens direkt hinter der Lokomotive hat möglicherweise das Flammeninferno verursacht. Der Kesselwagen, in dem es zur Explosion kam, stand nach nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA im Besitz des internationalen Unternehmens Gatx Rail, dessen europäisches Hauptquartier sich in Wien befindet. Das Unternehmen hat dies gegenüber der APA bestätigt, zu dem Unglück konnte ein Sprecher keine näheren Angaben machen, man habe selbst aus Medienberichten davon erfahren. Bei Gatx Rail handelt es sich laut ANSA sich um einen der größten Eigentümer privater Kesselwagen Europas. Der Konzern steht im Besitz der Multinationale Gatx Corporation mit Sitz in Chicago. In Europa besitzt das Unternehmen 20.000 Kesselwagen. (APA/AFP)

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    Fünf Güterwagen aus noch ungeklärter Ursache entgleist, ein Waggon mit Flüssiggas "wie eine Bombe" explodiert.

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    Häuser sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Rund tausend Personen mussten ihre Wohnungen verlassen.

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