Einfach, aber nicht selbstverständlich

29. Juni 2009, 20:32
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Ein Event als Würdigung sozialen Engagements – und zur Imagepflege

Bukarest/Wien - Das Ambiente wäre stimmig gewesen: üppig mit Grafitti besprüht, leicht abgefuckt. Auf "La Motoare", der Dachterrasse des rumänischen Nationaltheaters, trifft sich die Jugend von Bukarest. Dort hätten die Gewinner des Erste Foundation Award for Social Integration 2009, des Preises für soziale Integration der Erste Stiftung, am vergangenen Freitag ausgezeichnet werden sollen. Die ständige Gewitterdrohung erzwang eine Verlegung. Und so lieferte statt des sozialen Realismus der Kontrast den Verstärkereffekt: mit dem prächtigen Rahmen des ehemaligen Königspalastes, des heutigen Nationalmuseums für Kunst.

Mit dem Preis, der heuer zum zweiten Mal vergeben wurde, würdigt die Erste Stiftung insgesamt 23 Projekte aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien und Slowenien, die sich für soziale Integration einsetzen. Mehr als 1300 Projekte waren eingereicht worden. Das gesamte Preisgeld wurde von 85.000 Euro im Vorjahr auf 295.000 Euro erhöht. "Was die Siegerorganisationen tun, ist einfach, aber nicht selbstverständlich: Sie helfen anderen" , sagte Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender der Erste Stiftung und Chef der Erste Group, bei der Verleihung.

Den ersten Preis (40.000 Euro) gewann diesmal eine mazedonische Präventionskampagne gegen Kinderhandel. Die 21-köpfige Gruppe "Frauenlobby und Aktion gegen Gewalt und Frauenhandel, Mazedonien - Open Gate" hat sich zu einer führenden NGO gegen Menschenhandel in ihrem Land entwickelt. Der Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Kindern aus Roma-Gemeinden. Mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 18 Jahren wurden informiert, wie sie sich vor Menschenhandel schützen können, 62 Lehrer aus elf Grundschulen speziell zu diesem Thema ausgebildet.

Der zweite Preis (30.000 Euro) ging an ein Projekt zur Diversifizierung des Lebensunterhalts von hinterbliebenen Frauen im westlichen Kosovo. Dort verhindern kulturelle Tabus, dass die tausenden Kriegswitwen erneut heiraten oder einer Arbeit nachgehen. Das Projekt des Transrural Trust in Prizren und Peje/Peć ermöglicht es den Teilfamilien, ihre Existenzgrundlagen zu verbessern: mit Anbau, Herstellung und Verkauf von frischem und verarbeitetem Gemüse und Obst. Folge: Die soziale Insolation ging zurück, die Lebensumstände verbesserten sich, Selbstvertrauen der Frauen und Gruppenzusammenhalt stiegen.

Den dritten Preis (20.000 Euro) erhielt ein serbisches Projekt für junge Menschen mit Entwicklungsstörungen. Es soll den Betroffenen helfen, ein unabhängiges Leben zu führen, ohne von Pflegeeinrichtungen abhängig sein zu müssen. Inzwischen arbeiten 65 von 100 Begünstigten des Projekts in etwa 50 lokalen Unternehmen, Organisationen und Institutionen.

Für die Vertreter der gewürdigten Projekte war das groß aufgezogene Bukarester Event, dem auch Staatspräsident Traian Basescu die Ehre gab, eine verdiente öffentliche Anerkennung. Der Erste Stiftung gab es Gelegenheit, ihr soziales Engagement zu demonstrieren - in Zeiten, in denen das Image der Banken nicht das allerbeste ist. (jk/DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2009)

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