Vor die U-Bahn gestoßen

29. Juni 2009, 19:12
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Psychisch kranker Täter wurde in Anstalt eingewiesen

Wien - Der 52-jährige Mann traut sich jetzt nur noch mit Begleitung in eine U-Bahnstation. Und er leidet an Schlafstörungen - seit dem 27. Oktober des Vorjahres. An jenem Tag war er seinem 46-jährigen Bekannten "auf die Nerven gegangen" und war in der Station Karlsplatz vor einen gerade einfahrenden Zug der U1 gestoßen worden.

Täter und Opfer kannten einander aus einem Wettbüro, wo der 46-jährige frühpensionierte Postangestellte gerade ein paar 100 Euro gewonnen hatte. Großzügig lud er den 52-Jährigen auf ein Cola ein - wollte dann aber nicht zahlen, sondern zum Südbahnhof weiterfahren. Es kam zum Streit, schließlich hatte der Ältere sein gesamtes Bares verspielt und konnte sich kein Getränk mehr leisten.

Wie sie auf die U1 in Richtung Reumannplatz warteten, gab der 46-Jährige seinem Kontrahenten einen Schubser, als der Zug einfuhr. "Mit drei, vier Fingern", erklärte er am Montag im Wiener Straflandesgericht. Er habe einfach "nicht nachgedacht".

"Es ist einer glücklichen Fügung zu verdanken, dass er überlebt hat", betonte der Staatsanwalt. Das Opfer kam mit Rippenbrüchen, Hautabschürfungen, Prellungen und einer amputierten Zehe noch vergleichsweise glimpflich davon.

Der Staatsanwalt berichtete, dass der Angeklagte wenige Wochen zuvor in der U-Bahn-Station einem siebenjährigen Buben einen heftigen Fußtritt versetzt und kurze Zeit später einen 13-Jährigen in einem Bus geohrfeigt hatte. Warum? Beide Kinder hätten ihn "blöd angeschaut", sagte der Angeklagte.

Laut dem psychiatrischen Gutachten war der Täter zu diesem Zeitpunkt nicht zurechnungsfähig - er leidet an einer schizoaffektiven Störung.

Wegen seiner Erkrankung musste sich der Angeklagte nicht wegen Mordversuchs verantworten - die Staatsanwaltschaft beantragte die unbefristete Unterbringung des Mannes in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Geschworenen stimmten dem einstimmig zu. (APA, frei, DER STANDARD Print-Ausgabe, 30.06.2009)

 

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