Gesundes Essen als Preistreiber im Gratiskindergarten

29. Juni 2009, 19:00
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125 Euro für Essen und Projekte? Eine Mutter wundert sich über die Preisgestaltung im Privatkindergarten. Nicht nur für sie wird die Kinderbetreuung in Wien ab Herbst nicht billiger, sondern teurer

Wien - Gratiskindergarten für alle Null- bis Sechsjährigen - das versprach die SP vor wenigen Monaten vollmundig den Wiener Eltern. "Ich hab den Brief, den Bürgermeister Häupl damals verschickt hat, noch zu Hause", erzählt eine verärgerte Mutter, die anonym bleiben möchte, dem Standard. Tatsächlich wird für sie die Kinderbetreuung ab Herbst nämlich nicht billiger und schon gar nicht kostenfrei - sondern teurer. "Mir war schon klar, dass ich weiterhin den Essensbeitrag zahlen muss", sagt die Mutter, deren Kind eine private Einrichtung der Kindercompany besucht. Aber die Summe, die sie jetzt laut Vorschreibung hinblättern soll, habe sie dann doch sehr verwundert.

Für 25 Wochenstunden Betreuung verrechnet die Kindercompany ab Herbst 125 Euro, erklärt wird das mit Essens- und "Projektkosten". Jede Stunde mehr, die das Kind betreut werden soll, kostet nochmal extra. Bisher lagen die Kosten inklusive Essensbeitrag bei 290 Euro; die betroffene Mutter erhielt 187 Euro einkommensabhängige Förderung, bezahlte daher 103 Euro pro Monat für den Betreuungsplatz. Ein "Härtefall" also - für diese, hatte der zuständige Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) angekündigt, werde man eigene Fördertöpfe einrichten.

90 statt 57 Euro für Essen

Virginia Franz, Geschäftsführerin der Kindercompany, rechtfertigt die Mehrkosten mit der gesunden Ernährung, auf die in den privaten Kindergärten ab Herbst verstärkt gesetzt werden soll. 90 Euro pro Monat würden dafür verrechnet, hinzu kommen eben die besagten Projektkosten, unter anderem für die Besuche von Ernährungsberatern in den Kindergärten.

Zum Vergleich: Im Gemeindekindergarten werden für einen 40-Stunden-Platz 57 Euro Essenskosten pro Monat verrechnet. "Wir nehmen auf jede Allergie Rücksicht, wir bekommen jeden Tag frisches Essen geliefert", betont Franz im Standard-Gespräch, "und bei kleineren Mengen ist das Essen eben teurer als beim Großabnehmer Gemeinde." Auch für Zusatzangebote wie Zweisprachigkeit müssten die Eltern eben Geld in die Hand nehmen; der Preis dafür werde heuer erstmals nach fünf Jahren erhöht.

Die Mutter hat freilich einen anderen Verdacht: "Es wurde verpasst, eine gesetzlich Grundlage dafür zu schaffen, dass Privatkindergärten nicht irgendwelche Beträge für irgendwelche Posten verlangen dürfen, die bisher im Preis inkludiert waren." Eine Nachfrage im Büro von Stadtrat Oxonitsch ergab: In diesem Fall sind der Stadt rechtlich tatsächlich die Hände gebunden. Man wisse aber von betroffenen Eltern um die Preisgestaltung der Kindercompany und habe diese bereits zur Stellungnahme aufgefordert. "Akkordiert" habe man die Preise jedenfalls, sagt Geschäftsführerin Franz.

Für die privaten Betreiber bedeute die Umstellung des Fördersystems - bisher richtete sich der Betrag nach den Gruppen-, ab Herbst nach der Kinderzahl - einen "wahnsinnigen Aufwand", sagt Franz. Zudem würden bisher die offiziellen Dokumente dazu fehlen. Diese seien sofort nach dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss am vergangenen Mittwoch verschickt worden, heißt es wiederum bei der zuständigen Magistratsabteilung 10, und müssten auch bei der Kindercompany in diesen Tagen eintrudeln. Die nötigen Informationen für die neue Kalkulation der Beiträge habe man den Kindergartenbetreibern aber schon längst zukommen lassen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print, 30.6.2009)

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