"Amazonas Europas" statt Kanal

29. Juni 2009, 18:54
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WWF fordert internationales Biosphären-Reservat

Osijek - Jahrzehntelang verhinderte der Eiserne Vorhang die Verbauung der kroatischen Drau-Unterläufe. 2008 wurde aber eine 56 Kilometer lange Kanalisierung der Drau geplant. 20 Millionen Euro sollen in das Projekt fließen. Naturschutzorganisationen haben bei der EU Protest gegen das Vorhaben eingelegt: Es verstoße gegen kroatische und EU-Richtlinien. Der WWF setzt sich nun unter dem Titel "Der Amazonas Europas" für ein Biosphären-Reservat der Unesco auf 4000 Quadratkilometern entlang der freien Fließstrecken von Mur, Drau und Donau ein. Von Spielfeld ausgehend soll bis spätestens 2010 eine Schutzzone bis nach Serbien entstehen, die sich wie ein Mantel über die derzeit 41 in fünf Ländern gelegenen Schutzgebiete spannen würde.
Kommission prüft Kanalpläne

Im Jänner wurde Helmut Habersack vom Institut für Wasserwirtschaft der Boku Wien gemeinsam mit einem ungarischen Kollegen von der Europäischen Kommission ins kroatische Osijek geschickt, um die Auswirkungen des Kanal-Projektes für die Drau prüfen - von ihrer Beurteilung ist die Zukunft eines Flussabschnitts abhängig. Der Bericht der unabhängigen Expertenkommission wird laut österreichischem WWF in Kürze erwartet.

Die Regierung plane, den Fluss "in ein Korsett zu zwängen", sagt Arno Mohl vom WWF. Die Argumente seitens der Kroaten kann er nicht nachvollziehen: "Zum einen hat die Drau bei der Bevölkerung an Bedeutung verloren. Es gibt auf dieser Strecke keinen Tourismus, keine Schifffahrt - trotzdem wird die Kanalisierung der Drau damit gerechtfertigt."

Die ersten Regulierungen, etwa entlang der Drau, wurden bereits vor mehr als 100 Jahren in der Habsburgermonarchie durchgeführt. 80 Prozent der Flussauen gingen verloren. Seitdem konnte sich die Landschaft zurückentwickeln. Derzeit finden in den freien Fließstrecken und Auwäldern von Mur, Drau und Donau Fischotter, Seeadler, Weiß- und Schwarzstörche, Zwergseeschwalben und Kormorane einen Lebensraum. (APA, DER STANDARD Print-Ausgabe, 30.06.2009)

 

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