Saisonarbeiter bisher ohne Tarifvertrag
Hamburg/Bayreuth - Wenige Wochen vor Beginn der Bayreuther Festspiele droht die Gewerkschaft
ver.di mit Streik auf dem Grünen Hügel. Die fest und saisonal Beschäftigten
müssten bisher ohne Tarifvertrag und teils unter miserablen Bedingungen
arbeiten, berichtete ver.di am Mittwoch. Die Tarifverhandlungen seien von der
Arbeitgeberseite verzögert worden; daraufhin habe ver.di das Scheitern der
Gespräche erklärt.
"Wir werden nicht davor zurückschrecken, die Festspiele zu bestreiken", sagte
Hans Kraft von ver.di Bayern. Festspielsprecher Peter Emmerich rief die
Gewerkschaft dagegen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Festspiele sollen am 25. Juli mit der Oper "Tristan und Isolde" eröffnet
werden. Dazu hat sich viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur
angekündigt, an der Spitze Bundeskanzlerin Merkel. "Es ist nicht unsere Absicht,
die Festspiele zu gefährden", sagte Kraft. Aber die Beschäftigten hätten keine
andere Möglichkeit, sich zu wehren, als die Aufführungen zu bestreiken.
Träger der Bayreuther Festspiele GmbH sind der Bund, der Freistaat Bayern,
die Stadt Bayreuth und die Mäzene "Freunde von Bayreuth". Es sei nicht einfach,
alle vier Gesellschafter in kurzer Zeit unter einen Hut zu bringen, sagte
Emmerich: "Die Festspielleitung ist keineswegs der Gegner der
Beschäftigten, sondern sieht die Notwendigkeit, dass sich ihre Situation
verbessert. Doch dazu brauchen wir Geld, und letztlich müssen
es die Gesellschafter bezahlen."
Es ist das erste Mal überhaupt, dass es Tarifverhandlungen bei den Bayreuther
Festspielen gibt. Dabei geht es vor allem um Bezahlung und Arbeitsbedingungen
von etwa 150 bis 200 Bühnenarbeitern und Beschäftigten in den Werkstätten.
Orchester oder Chor sind nicht betroffen. Für die Mitarbeiter seien wöchentliche
Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden während der Festspielzeit die Regel, klagt
ver.di.
"Verbesserungsbedarf"
Die neuen Leiterinnen, Katharina Wagner (31) und Eva Wagner-Pasquier (64), sehen jedenfalls "Verbesserungsbedarf" für das renommierte Festival. "Es war nicht alles falsch, was hier gemacht wurde, aber es war sicher auch einiges ungünstig", sagte Katharina Wagner der Fachzeitschrift "Das Opernglas". Halbschwester Eva Wagner-Pasquier fügte hinzu: "Wir haben in Bayreuth vielleicht in manchen Dingen einen ziemlich weiten Weg." Auf der anderen Seite seien in Bayreuth in der Vergangenheit Produktionen aber auch in einer Art und Weise kritisiert worden, die nicht gerechtfertigt gewesen sei.
Ihre Zusammenarbeit beurteilten die Schwestern, die am 1. September 2008 die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang Wagner angetreten hatten, positiv. "Wir haben in den ersten Monaten unserer Zusammenarbeit festgestellt, dass wir beide auf einem sehr guten gemeinsamen Weg sind", lautete ihr Fazit. Für die Neuproduktion des "Ring des Nibelungen" zum 200. Geburtstag Richard Wagners im Jahr 2013 sei noch kein Regisseur verpflichtet. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass Bayreuth 2013 ein Zeichen setzen und rezeptionsgeschichtlich etwas beitragen muss", sagte Katharina Wagner. Die Inszenierungsfrage sei schwierig, weil interpretatorisch schon so viel gemacht worden sei.
Ihrem Vater gehe es gut, sagten die Töchter. Zu seinem 90. Geburtstag am 30. August wolle er auf keinen Fall eine große Feier. "Er ist ja eh immer zu seinem Geburtstag weggefahren, damit er niemanden empfangen muss", sagte Katharina Wagner. Wolfgang Wagner hatte die Festspiele 57 Jahre lang geleitet und war im vergangenen Jahr von seinem Posten zurückgetreten. (APA/dpa)