Molden & Resetarits

Einfache Lieder für schwierige Zeiten

29. Juni 2009, 18:22
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    foto: andy urban

    Ernst Molden (links) und Willi Resetarits veröffentlichen am 10. Juli die CD "Ohne Di" . Resetarits im Interview: "Dann habe ich mich ein bisschen in ihn verliebt. Und er sich ein wenig in mich."

Der Wiener Songwriter Ernst Molden veröffentlicht gemeinsam mit Willi Resetarits nächste Woche das Album "Ohne Di"

Willi Resetarits im Gespräch über Wienerlieder von den Rändern der Stadt.

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Wien - Manchmal ist alles ganz einfach. Es dauert nur etwas länger, bis es dann passt. Willi Resetarits im Gespräch mit dem Standard: "Beobachtet und einander geschätzt haben wir uns ja schon länger. Aber eines Tages hat mich der Ernst Molden angerufen und gefragt, ob er für mich etwas tun könne. Dann habe ich mich ein bisschen in ihn verliebt. Und er sich ein wenig in mich. Entstanden ist daraus schließlich das Lied Hammerschmidgossn."

Molden, der 42-jährige Wiener Songwriter, und der 60-jährige Resetarits, the artist formerly known as Ostbahn-Kurti, haben sich nach dieser ersten, bereits heute als moderner Klassiker des Wienerlieds geltenden Zusammenarbeit aus dem Jahr 2008 nun auf dem am 10. Juli erscheinenden Album Ohne Di zwar nicht dringend gesucht. Dass sie sich gefunden haben, ist allerdings ein Glücksfall.

Immerhin gilt Ernst Molden mit Soloarbeiten wie Bubenlieder oder Haus Des Meeres und Wien seit Jahren als ebenso unbeirrbarer wie inniger Verfechter einer originär wienerischen Form des Songwritings. Diese beruht sehr wohl auch und oft auf althergebrachten Klischees bezüglich der Bundeshauptstadt. An Gitarren und mit sonorem Sprechgesang begnügt sich Ernst Molden trotzdem nicht mit längst abgelebten "Blue Notes" aus dem Gemeindebau.

Molden sucht, nach Anfängen im Journalismus und als literarischer Chronist von Wiens imaginären gesellschaftlichen und geografischen Randzonen, im Sinne älterer Kollegen wie Roland Neuwirth oder Karl Hodina längst nicht mehr nach Interaktion zwischen vorstädtischem Lokalkolorit und als international empfundenen Tönen. Dagegen spricht ja wohl auch eine mit gut 50 Jahren nicht mehr ganz taufrische Geschichte des Rock 'n' Roll.

"In de Beag is finsta"

Aktuelle Lieder wie Hansldeich, Bahnhof oder De Blia und vor allem der große Song De Beag erzählen neben typisch schattseitigen und morbiden kleinen Geschichten aus dem Leben einfacher Menschen in schwierigen Zeiten auch davon: Beiderseitiger Gesang und schrill bis hart geschlagene Gitarre im Verein mit dem Akkordeon von Walter Soyka und dem Bass von Hannes Wirth, der sonst bei den jungen Folkrockern A Life A Song A Cigarette beschäftigt ist, erden die ganze Sache in einem Bereich, der speziell junge Menschen interessieren könnte. Weit weg von den Austropop-Formalismen, die den Weg des Willi Resetarits über die Jahre begleiteten, fand der Volksheld eine zeitgenössische Plattform für seine Aneignung fremden Liedguts.

Resetarits: "Die Stücke stammen zwar von Ernst Molden, aber ich verleibe mir die Lieder ein. Wichtig dabei ist, dass diese ein Geheimnis bewahren. Damit sie funktionieren, müssen sie mehrdeutig bleiben. Das sieht man bei De Beag: "In de Beag is finsta / Auf de Beag stengan Baam / In de Beag wohnan d'Noan / Aus de Beag mecht i haam." Das kann man einerseits als Absage an die heimische Mentalität lesen. Andererseits geht es schlicht auch darum, dass das Leben auf den Wiener Hausbergen Bisamberg, Kahlenberg und Nussberg physisch gefährlich werden kann. Absturzgefahr!

Stilistisch geschult ist das Album Ohne Di an Heurigenmusik ebenso wie an Tom Waits oder Element of Crime - sowie am klassischen Rock der US-Schule der frühen 1970er-Jahre. Dokumentiert wird dies etwa in der an Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama angelehnten Paraphrase Bahnhof: "Aum Bahnhof um Mitternochd oda hoib aans / Mochd da Ali mia no an Iskenda / Dawäu i eam iss sogd ea a Eadbem vuraus / Wos es Zentrum drifft und a de Renda."

Subjektive Wahrheiten, gelassen erzählt. Und gelassen auf den Punkt gebracht.

Seit Willi Resetarits als Ostbahn-Kurti und zuletzt Dr. Kurt Ostbahn in Pension gegangen ist, wurde die Arbeit übrigens mehr. Vor wenigen Wochen veröffentlichte er mit seiner neuen Stammband Stubnblues im Eigenverlag mit No So Vü neben eigenen altersgelassenen Songs auch Bearbeitungen von Gedichten H. C. Artmanns. Und mit Tini Kainrath und dem Streichquartett Stringfizz liegen von ihm jetzt auch wienerische George-Gershwin-Bearbeitungen vor: I Got Rhythm - Wosbrauchimea?( Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe, 30.06.2009)

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Yaketi Yak
00
Kocksucker Blues

Hei, Robert Kock, Du hast schon lang nichts Mieselsüchtiges mehr gepostet... was'n los?

michael grasberger
00
30.6.2009, 19:38

der schmäh vom molden wirkt auf mich extrem aufg'setzt.

JazzPianist
00

So ist es.

hafer
00
30.6.2009, 22:32

der molden hat kan schmäh...das ist das problem...der nimmt sich selbst viel zu ernst...wenn ich nur dran denke...gepflegtes musizieren beim friseur erIch im 1. bezirk...wahhh...beutel beutel...molden ist peinlich...aber das müsste er eigentlich nicht sein!

robert kock
57
30.6.2009, 15:05

Liebe Moldenfangemeinde: Euer Hero ist vielleicht ein Authentizitätsschwindler, ein kriminaler Schlackaffe, ein erostischer Westentaschenkavalier, ein rauchbärtiges Schliotzohr, ein Musifantenstadler aber kein Genie!

Brücke
10

Ich glaube , sie verstehen das , was der Molden zu sagen hat , einfach nicht .

gastrosoph
00
Traumtänzer

Dann träumen Sie weiter, oder lassen Sie uns an Ihrem Glauben teilnehmen?

robert kock
00

Na geh, das ist ja auch so kompliziert und verschlüsselt wie Dr. Paranoiksi!

Yaketi Yak
00

André Heller, eifersüchtig?

geh sog amoi...
00
30.6.2009, 23:02
wow

ich bin bei gott auch kein molden-fan... aber bei so viel negativbeschreibung muss der ja wirklich irgendwas tolles haben...

robert kock
00

Ja, er kann toll an der Nase herumführen!

Mind |
00

na dann erzähl einmal....

oxizes
00
30.6.2009, 14:54
Ganz Wien hat den Blues.

inness robins
40
30.6.2009, 13:05
Es lebe der Zentralfriedhof

und alles seine Toten!

Duskson 81
 
00
30.6.2009, 13:59

des woar a ondara

robert kock
84
30.6.2009, 13:05

Der Molden: Eitle, geküstelte "Authentizität". DAS gefällt dem Schachinger!

Bluesy
00
30.6.2009, 13:27
DAS gefällt nicht nur dem schachinger

von knecht bis blumenau, von fluch bis gröbchen
alle überschlagen sich in der kritik von "bubenlieder".
http://www.monkeymusic.at/ernst-molden.php
aber das ruft natürlich die neider auf den plan.
war aber eh immer der verlässlichste erfolgs-indikator in der schenen weanastadt.

ichFrieder
00
30.6.2009, 16:03

Na wenn's alle sagen wird's schon stimmen, 1000e Fliegen können nicht irren...

robert kock
41
30.6.2009, 14:59

Ich beneide ihn nicht um sein "Talent"! Es ist trotzdem aufgesetzt und "möchtegernpoetisch". Kritiker hin, Kirtiker her!

Conny Woodquater
12
30.6.2009, 13:14

hat der schachinger auf sie etwa vergessen?
Dabei können sie auch so gut Musik machen?
So ganz und gar uneitel Musik machen?
Die Welt ist ungerecht.
Wahrscheinlich haben sich die beiden gegen sie verschworen.

FM4-Musik
00
30.6.2009, 12:17
falscher sender?

kannte ihn eigentlich hauptsächlich als autor, bis ich ihn einmal auf FM4 gehört habe, und zuerst nicht gecheckt habe dass das wirklich auf 103,8 läuft. dachte meine mitbewohnerin hat auf radio wien getuned ;_))

na aber dann, beim zweiten dritten mal hören wurde mir klar dass das nix mit dem austropop der großvätergeneration zu tun hat.


großartig moldens text über das 'alt-wien'
(stichwort: eine flasche so groß wie ein schwein)

http://www.youtube.com/watch?v=BAbRBsBwlrE

dort wünsche ich mir ein unpluged!!

bertl wyatt
00
30.6.2009, 11:56
versöhnliche worte ...

klingt nach versöhnung von schachinger mit resetarits. musste auch sein, denn jemand, der mit townes van zandt arbeitete, musssssss ein guter sein! (die angedeuteten "austropop formalismen" gehören noch ins alte fach, in das musiker wie karl ritter aber nie gepasst haben, sei's drum)

JazzPianist
00
Sanfte maschine

Toller Nickname, alle Achtung !

SingaSongWreita
00
30.6.2009, 11:28
Erdig

Bin schon gespannt, kommt sicher erdig ungebügelt und gerotzt daher.
Wohltuend endlich wieder Musik zu hören die nicht nur synthetisch erzeugt und geografisch vollens entwurzelt überall gespielt und aufgenommen werden kann.
Identitätsstiftend und traditionsbewusst ohne Mief des Ewiggestrigen.
Schon das Konzert letztes Jahr im Chelsea war ein absoluter Hammer, so kleine Clubs eignen sich mit ihrem intimen Rahmen eben am besten für so eine Musik.
Auch wenn ich Molden wünsche endlich einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Die Medien haben ihn ja lange links liegen gelassen, toll dass er endlich die Aufmersamkeit erhält die er und seine Musik sich verdient.

Bitte, Bitte viele Konzerte spielen, und auch die Bundeslände nicht vergessen.

FreeTibet
02
30.6.2009, 09:24
Wie geil ist DAS denn

Dreamteam mehr gibt's da nicht zu sagen.

Toll das Molden seine Talente unter einen Hut bekommt.Wäre schade wenn die Schriftstellerei unter der Musik leiden würde und umgekehrt.
Schade nur das Molden für das Boulevardblatt Kurier schreibt, wäre hier im Standard besser aufgehoben.

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