ÖGB-Bundeskongress: Die verlaufenen Mitglieder

29. Juni 2009, 18:58
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Die Krise als Chance für den ÖGB: Die Gewerkschafter müssen jetzt ihre Existenzberechtigung demonstrieren

Stark. Sozial. Gerecht. So wäre er gerne, der Gewerkschaftsbund. So lautet das Motto des 17. Bundeskongresses. So wollen sich auch die neuen starken Männer im ÖGB, Erich Foglar und Wolfgang Katzian, präsentieren, um der Gewerkschaftsbewegung Mut für die immer stärker spürbare Wirtschaftskrise zu machen. Dabei müssen sich die Gewerkschafter selbst Mut zusprechen: Denn ihre Bewegung hat selbst in den vergangenen beiden Jahrzehnten, in denen die Beschäftigtenzahl gestiegen ist, Mitglieder verloren. 1,65 Millionen organisierte Arbeitnehmer gab es noch 1990, heute sind es nur mehr 1,24 Millionen.

Wo sind all die Gewerkschafter geblieben? Sie haben sich verlaufen, weil die stets organisationsstarken Industriebetriebe zugunsten kleinerer, spezialisierter Unternehmen geschrumpft sind. Viele Arbeitnehmer haben gar nicht mehr den Weg in die Gewerkschaft gefunden. Gerade die, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen gewerkschaftlicher Hilfe am meisten bedürfen, sind mit den gewerkschaftlichen Strukturen am wenigsten zurechtgekommen. Dazu kommt eine allgemeine Entsolidarisierung. Wohlbestallte Angestellte profitieren gerne von Kollektivverträgen - ohne jene zu unterstützen, die sie erkämpfen. Das war der Normalfall.

Jetzt aber ist Ernstfall. Arbeitsmarkt und Betriebsalltag sind schwieriger geworden. Für den ÖGB ist das eine Gelegenheit, seine Existenzberechtigung zu demonstrieren. Denn es zeigt sich: Wo Gewerkschafter hart waren, etwa bei den Druckern und den Lehrern, waren sie auch erfolgreich. (Conrad Seidl, DER STANDARD-Printausgabe, 30.6.2009)

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