Unser Blick auf den Orient

29. Juni 2009, 17:56
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    foto: acfny

    "Domestic Life" , häusliches Leben, interpretiert von der in Teheran lebenden Künstlerin Shadi Ghadirian.

Eine Ausstellung künstlerischer Positionen zum Thema Schleier als Be- und Entdeckung erregt zurzeit Aufsehen in New York

Zu sehen ist sie bis 29. August im Österreichischen Kulturforum.

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New York - Asma Ahmed Shikoh trug in ihrer Heimat Pakistan nie einen Schleier. Erst Jahre nach ihrer Einbürgerung in die Vereinigten Staaten begann die Künstlerin, ihr Haar zu bedecken - und Bedeckungen in ihren Arbeiten zu verwenden.

Die in Sofia geborene und in Wien lebende Adriana Czernin war vom Schleier immer fasziniert, weil er "etwas versteckt, aber nie so dicht ist, dass die Verschleierte nicht nach außen sehen kann" . Gleichzeitig werde sie geschützt und gebe ihre Emotionalität nicht preis. Czernin thematisiert die Spannungen zwischen der Be- und Entdeckung des Körpers.

Der irakische Künstler Ayad Alkadhi wuchs im Mittleren Osten und in England auf, lebt in New York und stellt in seiner Kunst die sozialen und politischen Themen des Islams dar, eben auch das SichVerhüllen: "Ich will Menschen helfen, den Ursprung dieser Tradition besser zu verstehen" , etwa durch Collagen westlicher und arabischer Medien und kalligrafischer Techniken. "Das Urteil bleibt dem Betrachter überlassen."

Die Arbeiten dieser drei sowie von zwölf weiteren Kunstschaffenden sind zurzeit im Österreichischen Kulturforum New York ausgestellt.

Wer einem tradierten Kulturvermittlungsbegriff anhängt und nationale Leistungsschau erwartet, den mag The Seen and the Hidden: (Dis)Covering the Veil im Vorzeigebau österreichischer Identität mitten in der Metropole irritieren. Doch vor Ort weiß man, dass eine offensive Beschäftigung mit aktuellen Themen, unabhängig von deren "Herkunft", die beste Aussicht auf Beachtung hat. Dazu kommt, dass sich das Kulturforum mit dieser Ausstellung in den breiteren Reigen des New Yorker Muslim Voices Festival eingeklinkt. Seine renommierten Partner: Brooklyn Academy of Music, Asia Society und Center for Dialogues der NYU.

"Die Ausstellung wurde bereits vor einem Jahr konzipiert", sagt Forumsleiter Andreas Stadler, "aber schon damals war klar, dass es zu einem Dialog zwischen dem Westen und der arabischen Welt kommen muss, zu einem kulturellen Abrüstungsprozess der USA." Obamas Rede an der Universität Kairo habe der Schau zusätzliche Aktualität verliehen. Außerdem, so Stadler, gehe es ja nicht um die islamische Welt, sondern um unseren Blick auf den Orient. Es nehmen auch mehrheitlich im Westen lebende KünstlerInnen teil, sechs von ihnen kommen aus Wien.

Gezeigt werden Installationen und Skulpturen unter Verwendung von Schals und Tschadors; Drucke, Fotos und Videos, die sich, mitunter auch ironisch, mit dem Verhüllen auseinandersetzen. Die Österreicherin Marlene Haring etwa thematisiert die Doppelfunktion von Haaren, die verhüllen und Nacktheit assoziieren. Because every hair is different nennt sie ihr Foto einer ganzkörperbehaarten Frau; eine Chaiselongue ist durch eine haarige Matte fast zur Unkenntlichkeit verfremdet.

Keine Provokation, sondern "Celebration" wünschten sich die Muslim Voices als Schirmherren der Schau, bedauert Kokuratorin Karin Meisel. Deshalb durfte das Video Undressing der in Wien lebenden Künstlerin Nilbar Güres, in dem eine Frau ein Kopftuch nach dem anderen abnimmt, nicht auf einem großen Schirm am Times Square, sondern nur im Kulturforum gezeigt werden.

Aufsehen erregt die Ausstellung allemal. Sie trotze Stereotypen, schreibt die New York Times in einer Aufmachergeschichte und zitiert Kokurator David Harper, der sich über diese künstlerische Auseinandersetzung ausgerechnet in Amerika freut. (Martha Kirszenbaum, die dritte Kuratorin der unter muslimischem Vorzeichen stehenden Schau, ist übrigens jüdischer Abstammung - auch das ist New York ...)

City Arts, New Yorks monatliche Review of Culture, beurteilt die Schau in ihrer Titelgeschichte kritischer: Sie verstärke Stereotypen, sei zu soziologisch und zu wenig tiefgehend. Allerdings ist auch sie von Marjane Satrapis grafischem Roman Persepolis angetan.

Nun ist zwar nicht jede Publicity gleich gute Publicity. Doch das Kulturforum hat einen weiteren Schritt unternommen, mit beschränkten Mitteln Präsenz in den umkämpften Kulturquadratmeilen Manhattans zu signalisieren. (Michael Freund, DER STANDARD/Printausgabe, 30.06.2009)

Kommentar posten
11 Postings
Timagoras
 
12
30.6.2009, 15:41
wann werden eigentlich männer verhüllt, oder aufgefordert, sich zu verhüllen?


nicht dass ich das bräuchte oder wollte, aber irgendwie eigenartig, dass frauen "sich mit gewebe vor blicken schützen" sollen oder wollen, männer aber nie auf so eine idee kommen würden.

diese frauenverhüllung bezeugt nix anderes als ein tradiertes stereotypes weltbild, nach dem frauen offenbar weniger "triebhaft" seien, und daher männerkörper auch keiner verhüllung bedürfen ...

mikesh713
 
00
30.6.2009, 18:46

da schlag ich ganz einfach mal vor, allen maennern augenbinden zu verpassen. dann muss sich niemand mehr vor ihren blicken schuetzen.

el puño rojo
 
11
30.6.2009, 17:48
Ist nur mehr eine Frage der Zeit

bis irgendwo eine bisher verloren geglaubte Sure auftaucht die besagt das sich ungläubige Männer zu verhüllen hätten um keine Gefahr für die sexuellreligiösen Gefühle der islamischen Frau darzustellen.

Roter Baron
00
30.6.2009, 11:48
wenn ein euopäer so eine installation zsamstoppelt

geht das nicht gut aus.


roter baron

Il n'a pas voté.
01
29.6.2009, 22:52

Putzfrauen mit Kopftuch und Gummihandschuhen
als Kunst verkaufen zu wollen finde ich ein wenig
gewagt, aber wenn jemand dafür Geld
ausgeben will so soll er ruhig.

exit control
03
29.6.2009, 19:58
Nicht nur Mozartkugeln und Peitschenleuchten

Herzlich wünsche ich dieser Ausstellung auch in anderen Städten und Länderen gezeigt zu werden, auch wenn es nur auszugsweise geht sollte.

Motto: Frischer Wind in die Kulturforen der Ö Botschaften! Da kann man auf einen Ö Beitrag stolz sein. Wunderbar! Weiter so.

miss chicken
12
29.6.2009, 19:35
hätte bei uns einen schwierigen stand


so eine ausstellung würde strache und seine islamophobe gefolgschaft auf den plan rufen.
so nebenbei würde sich dieser rabauke dann wieder als streiter für die frauenrechte öffentlich darstellen.

Umerziehungs Resistent
 
02
29.6.2009, 19:05
Was ist das ? Das letzte Foto von Michael Jackson (beim Naseputzen) ?

max 1231
 
27
29.6.2009, 19:02
jetzt fangen die steinzeiter also an die

burka usw. zu mystifizieren. Haben die typen die unterdrückung nicht satt, die habens immer noch nicht begriffen das dies alles nur die unterdrückung der frau und stilisierung des macho wahns ist. leute die das gutfinden sind an sich masochisten -frauen- und sadisten -männer-. man muss diese leute stoppen, denn wenn einer auch nur ein funken denkvermögen hat kann er oder sie sich vorstellen was uns in 40 jahren per rapider reproduktion dieser leute blüht und das wird böse enden! bedauerlicherweise denken alle verantwortlichen usw. nur vom morgen zum abend, was dahinter ist ist schall und rauch, für diese menschen.

anders and
 
11
30.6.2009, 14:54
was die westliche Welt am besten kann:

fremde, auch feindliche Phänomene zu erkunden und langsam im eigenen Kultur- und Massenkulturbetrieb zu verdauen, bis nichts mehr davon übrig ist.
Das ist, by the way, eine wesentlich effektivere Bekämpfung antidemokratischer und frauenfeindlicher Phänomene als hysterische Hassausbrüche von Typen wie Ihnen.

Marie Sandoz
11
30.6.2009, 14:12
Ich glaube, dass diesbezüglich die Steinzeit

wesentlich fortschrittlicher war. Teilweise herrschte sogar das Matriarchat.

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