"Unsere Gewinne sind unser Eigenkapital"

29. Juni 2009, 17:49
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Gemeinnützige kontern Rechnungshof-Kritik

Wien - "Den Urreflex, Gemeinnützigkeit mit Ertragslosigkeit gleichzusetzen, gibt es noch immer, und der Rechnungshof hat diesen Urreflex mit seiner Kritik an den gemeinnützigen Bauträgern wieder gepflegt" , kontert der Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), Karl Wurm, am Montag den staatlichen Kontrollern. Wie berichtet, kritisierte der Rechnungshof (RH) jüngst den kumulierten Jahresüberschuss der GBV von 411 Mio. Euro im Jahr 2005. Laut Wurm seien darin aber Tilgungszahlungen für Kredite inkludiert. Tatsächlich habe der Gewinn etwa 220 Mio. Euro betragen. Davon werden etwa 170 Mio. Euro an Eigenkapital für den Neubau und weitere 40 Mio. Euro für die Sanierung pro Jahr eingesetzt, argumentierte Wurm. Sein Argument: "Wir können unser Eigenkapital nur aus den Gewinnen nehmen, wir haben keine Investoren, die uns Geld geben, und sind Gott sei Dank auch nicht an der Börse."

Hätten die GBV dieses Eigenkapital nicht, würden sich die Finanzierungskosten bei den Banken massiv verteuern und die Mieten steigen. Je nachdem, ob der Grund mit oder ohne Eigenkapital finanziert wird, berechneten sich die Zinsaufschläge der Banken.

Angesichts der Wirtschaftslage spüren die GBV vor allem in NÖ und der Steiermark zunehmend Mietrückstände. Mit den Betroffenen werden Stundungsvereinbarungen gemacht, oder der Einmalerlag wird in die Miete eingerechnet. Auch Sozialbau-Chef Herbert Ludl berichtet im Standard-Gespräch von zunehmenden Mahnungen, Ansuchen um Ratenzahlung und Wohnbeihilfen. Rückläufig sei derzeit auch die Zahl der Wohnungswechsler, "die Leute bleiben, wo sie sind" , so Ludl. Er bezeichnet sein Geschäftsmodell der geförderten Mietwohnungen als krisenfest: Die Sozialbau, einer der größten gemeinnützigen Bauträger Österreichs, stelle in Wien jährlich 400 bis 500 Wohnungen fertig, wofür es etwa 30.000 Bewerber gibt. Die Hälfte der von der Sozialbau (sie steht im Einflussbereich der Wiener SPÖ) errichteten Wohnungen muss sie der Gemeinde Wien zu Verfügung stellen. Alle anderen Gemeinnützigen müssen ein Drittel ihrer Neubauten für Gemeindemieter reservieren. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2009)

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