RZB: Umtausch von Anleihe wieder abgesagt

29. Juni 2009, 22:10
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Die Raiffeisen Zentralbank hat den geplanten Tausch von nachrangigen Anleihen zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis abgeblasen

Wien/Jersey - Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) hat den geplanten Tausch von nachrangigen Anleihen zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis abgeblasen. Die Schuldpapiere - mit einem Zins-Kupon von knapp 5,169 Prozent und einem Volumen von 500 Millionen Euro - notierten im Zuge der Finanzkrise bei einem Tiefststand von knapp 20 Cent pro Euro. Die RZB Finance (Jersey) IV, die für die Anleihe verantwortlich zeichnet, hatte Investoren hingegen 55 Cent angeboten (aktueller Kurs bei 45 Cent).

Dafür sollte die RZB-Jersey-Tochter die nachrangige Anleihe in ein Papier mit einem Kupon von 15 Prozent pro Jahr tauschen. Die hohe Verzinsung sollte Investoren locken, das Angebot bis Freitag anzunehmen. Doch am Montagabend wurde das Umtauschangebot per Ad-Hoc-Meldung wieder zurückgezogen - dem Vernehmen nach dürften sich nicht genug Interessenten gemeldet haben.

Das Kalkül hinter demDeal hätte so ausgesehen: Kauft die RZB ihre eigenen Schulden zu einem günstigeren Kurs zurück, kann sie den Abschlag zum Emissionspreis als Gewinn und damit als Stärkung der Eigenkapitaldecke verbuchen. Rund jeder vierte bis jeder zweite Investor soll dem Tausch zugestimmt haben, was einem Buchgewinn von bis zu 113 Millionen Euro entspricht. Auch andere europäische und amerikanische Institute haben ihre Kapitalquote mit Rückkäufen der nachrangigen Anleihen aufgebessert.

Nachrangige Anleihen wie die RZB-Anleihe zählen zu Hybridkapital, das zwischen Eigenkapital und Fremdkapital angesiedelt ist. Nachrangig sind sie, weil die Inhaber der Papiere im Falle einer Insolvenz erst nach anderen Anleihen Zugriff auf das Vermögen der Gesellschaft haben. Tendenziell handelt es sich also um riskantere Anlagen als klassische Unternehmensanleihen, weswegen die nachrangigen Papiere im Zuge der Krise viel stärker gelitten haben.

Die hochkomplexe Umtauschaktion des Raiffeisen-Papiers war mit einem 112 Seiten schweren Schreiben angekündigt worden. Das Wertpapier selbst firmiert unter dem klingenden Titel "Non-cumulative Subordinated Perpetual Callable Fixed to Floating Rate Capital Notes" . Das bedeutet, dass die RZB in der Lage ist, die nachrangige Anleihe frühzeitig zu tilgen (der "Call" ) und die Verzinsung des Papiers nach diesem Call-Termin nicht mehr fix, sondern abhängig von Kapitalmarktzinsen festgelegt wird.

Für die Käufer der Papiere hätten die Buchgewinne von Raiffeisen jedenfalls die Realisierung schmerzhafter Verluste bedeutet. (Lukas Sustala/DER STAANDARD, Printausgabe, 30.6.2009)

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