Träume auf dem Trampolin

29. Juni 2009, 17:21
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Das Projekt "Insides" ermöglicht in traumartigen Sequenzen Konfrontationen mit dem eigenen Innenleben - In der Wiener Lerchenfelder Straße

Das Mobiliar - Sessel, Lampe und Stereoanlage - ist nur an die Wand gemalt. Davor liegt eine Frau. Sie träumt? Szenenwechsel. Irgendwo anders in der Lerchenfelder Straße brennt noch Licht. Ein Mann wohnt hinter diesen Fenstern, spielt womöglich Klavier, schläft auf einer Matratze am Boden. Oben in der Mansarde springt ein Paar Trampolin. Erhitzte Körper. Sprungfedern quietschen rhythmisch. In einem Keller schürfen Frauen und Kinder Erde zwischen Steinen hervor.

Irreale, traumartige Momente haben die beiden Künstlerinnen Sissa Micheli und Friederike Schweizer in Filmbilder gegossen. Gecastet wurden die Darsteller für ihr Projekt Insides (im Rahmen von Lebendige Lerchenfelder Straße, Kuratorin:Angela Heide) auf dem Trottoir hier an der Grenze zwischen 7. und 8. Wiener Bezirk oder direkt an der Wohnungstüre.

Der Film Insides blickt hinter Fassaden, blinzelt voyeuristisch durch Gucklöcher, zeigt Dinge, die sich nicht entschlüsseln lassen, aber die Grenzen zwischen Innen und Außen verwischen. Als stumme Videoprojektion geistern die Filmbilder durch Schaufenster leer stehender Geschäfte. Mit der abgekoppelten Tonspur im Ohr können diese abgewandert werden und lassen einen mit eigenen Assoziationen gespickten Film, der Fragen nach dem Leben anonymer Mitmenschen, nach Beziehungen und Intimität aufwirft, entstehen. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 30.06.2009)

>> 30. 6., kompletter Film und Installation: Lerchenfelder Straße 69, Bim-Sonderfahrt mit Tonspur: Treffpunkt Strozzigasse. 21.30

  •  Konfrontationen mit dem eigenen Innenleben.
    still: micheli/ schweizer

    Konfrontationen mit dem eigenen Innenleben.

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