Banken müssen in der Krise schrumpfen

29. Juni 2009, 15:55
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Banken werden sich nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weniger auf Abenteuer im Ausland einlassen

Basel - Banken werden sich angesichts der weltweiten Finanzkrise nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weniger auf Abenteuer im Ausland einlassen. Diese Engagements taugten nicht mehr dazu, Einbußen im Inland auszugleichen. Die Risiken außerhalb des Heimatmarktes würden als höher wahrgenommen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der BIZ. Vor allem Banken in den USA und Deutschland vergäben weniger Kredite ins Ausland. Von 2000 bis 2007 waren die Auslandsforderungen der Banken, die an die BIZ berichten, auf 30 Billionen von elf Billionen Dollar (7.804 Mrd. Euro) angeschwollen.

"Das Ausmaß und die Tiefe der aktuellen Krise lassen erwarten, dass sie sich noch lange hinzieht", stellt die Baseler BIZ fest, die als Bank der Notenbanken fungiert. Sie erwartet einen Schrumpfungsprozess. Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der Branche sei ein Abbau der Kredit-Überkapazitäten, die im Boom vor der Krise aufgebaut wurden. "Auf kurze Sicht werden die Finanzinstitute ihre Aktivitäten einschränken müssen, weil sie weniger Kapital aufbringen können." Die gestiegenen Anforderungen an die Eigenkapitalquoten der Banken werden dazu führen, "dass die Ertragsziele der Finanzinstitute auf weniger ambitionierte Niveaus heruntergeschraubt werden müssen".

Abhängigkeit unterschätzt

Wie zuvor schon die Schweizerische Nationalbank (SNB) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht die BIZ die Größe und Verflechtung von Banken als eine Wurzel des Problems. Eine Bank, die so groß oder verwoben sei, dass sie aufgefangen werden müsse, sei zu groß. Die gegenseitige Abhängigkeit sei wohl auch von der Bankenaufsicht unterschätzt worden.

"Großbanken sowie Banken, die systemweiten Schocks stärker ausgesetzt sind, tragen überproportional stark zum Systemrisiko bei", heißt es in dem Bericht. Als Reaktion darauf müssten die Eigenkapitalanforderungen an die Banken und ihre Risikovorsorge an ihrer Gefahr für das Finanzsystem ausgerichtet werden. Dazu müsse auch das Schattenbanksystem aus Zweckgesellschaften und strukturierten Anlagevehikeln unter Aufsicht gestellt werden. Ehe sich die Kreditvergabe wieder normalisieren könne, müssten sich die Banken fauler Papiere entledigen und auf transparente Art und Weise rekapitalisiert werden. Die Bankenaufsicht sollte darauf dringen, dass Banken in guten Zeiten Eigenkapitalpolster aufbauten.

Die Großbanken in der Schweiz sind nach den Erkenntnissen der BIZ im vergangenen Jahr relativ am stärksten von der Krise getroffen worden. Sie verbuchten einen Verlust vor Steuern von 1,94 Prozent ihrer Bilanzsumme. Auch die deutschen (0,41), niederländischen (0,79) und US-Institute (0,10) schrieben rote Zahlen. Im vierten Quartal habe der Bankensektor in den USA insgesamt erstmals seit 1990 Verluste hinnehmen müssen. Der Wertberichtigungsbedarf der deutschen Banken schnellte 2008 auf 0,19 von 0,05 Prozent der Bilanzsumme, in den USA waren sie mit 1,11 (2007: 0,51) Prozent dramatisch höher. (APA/Reuters)

 

 

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