Gemeinnützige wollen eher noch mehr Gewinne

29. Juni 2009, 13:47
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Durchschnittliche Eigenkapitalquote nur zwölf Prozent - Verfassungsbestimmung soll Gemeinnützige in der Verfassung verankern

Wien - Die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen, die vergangene Woche vom Rechnungshof (RH) wegen zu hoher Gewinne kritisiert worden waren, haben am Montag die Kritik der Prüfer zurückgewiesen und betont, dass sie ihre Tätigkeit längerfristig nur auf Basis von Gewinnen ausüben könnten."Die Wohnbauförderung wird immer weniger, das müssen wir durch Eigenmittelfinanzierung teilweise kompensieren", sagte Karl Wurm, Obmann des Dachverbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen (gbv) am Montag.

Anders als börsenotierte Firmen könne der Sektor nicht mit Kapitalspritzen durch Aktionäre rechnen, und müsse sich auf das Ansammeln von Gewinnen beschränken. Wurm warf dem RH vor, trotz gegenteiliger Information in seinem Bericht die reale Gewinnsituation der Gemeinnützigen übertrieben darzustellen.

Gewinne müssen "verbaut" werden

Im letzten vom RH geprüften Jahr, 2005, haben die Gemeinnützigen einen kumulierten Jahresüberschuss von 411 Mio. Euro erzielt - nach Darstellung des gbv aber vor Tilgungszahlungen für Kredite. "Tatsächlich hat der Gewinn etwa 220 Mio. Euro betragen", so Wurm. "Wir setzen jährlich etwa 170 Mio. Euro an Eigenkapital für den Neubau und weitere 40 Mio. Euro für die Sanierung ein."

Der Sektor hat das Privileg, keine Körperschaftssteuer zahlen zu müssen, dafür aber auch die Verpflichtung, die Gewinne zu verbauen. Wird zu viel Reservekapital angesammelt, muss doch KöSt gezahlt werden.

Die 180 nicht gewinnorientierten Bauträger verfügen aktuell zusammen über 5,3 Mrd. Euro Eigenkapital, die liquiden Mittel belaufen sich auf zusätzlich 600 Mio. Euro. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der gbv-Unterneghmen liegt bei nur knapp 12 Prozent. Ein Viertel der Gemeinnützigen hat aber nicht mehr als sechs Prozent "Equity". Eine entsprechende Eigenkapitalausstattung sichere den Zugang zu Krediten, mache diese weniger teuer, sagte Wurm: "Die 'Eigenkapitalsituation ist ein Stabilisierungsfaktor für das gesamte System."

Verfassungs-Verankerung erwünscht

Wie hoch in etwa die stillen Reserven des Sektors liegen, will man im gbv gar nicht wissen - dies sei nur dann von Interesse, wenn man diese Reserven "heben" bzw. aus dem System abziehen wolle. In dem Zusammenhang fühlt sich Wurm durch kritische Bemerkungen des Rechungshofs über den Verkauf von Buwog und WAG an die Immofinanz 2004 bestätigt. "Das ist zwar fünf Jahre zu spät - aber besser spät als nie." Um künftig weitere Verkäufe zu verhindern, forderte der gbv die Verankerung der Gemeinnützigen in der Verfassung.

Der Sektor selbst hat in den vergangenen Jahren seine Neubauleistung verringert, in den vergangenen Monaten ist aber auch die Nachfrage zurückgegangen - "nicht in den Ballungszentren, aber in einigen Regionen ist die Neuvermietung schwieriger geworden", sagte Wurm. Die Leerstandsquote ist im Ansteigen. In Industriegebieten in den Bundesländern kommt es vermehrt auch zu Mietrückständen. Genauere Daten über die Zahlungsausfälle der letzten Monate sind aber noch nicht verfügbar.

Auf Basis eines Gutachtens von WU-Professor Michael Holoubek forderten die Gemeinnützigen ferner, künftig begünstigte Baulandpreise durch eine teilweise Beschränkung von Umwidmungsgewinnen zu erhalten. Auch hier will man eine Verfassungsbestimmung, die dies ermöglichen soll. (APA)

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    Karl Wurm: "In einigen Regionen ist die Neuvermietung schwieriger geworden."

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