Überblick über den Theatersommer 2009

29. Juni 2009, 14:38
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Veranstalter kämpfen mit Regen und Hochwasser - Warten auf Sommernachtsträume und "Sonnenbrand"

Wien - Laut Kalender ist bereits Sommer, laut Theaterprogramm auch. Jetzt fehlen nur noch die sommerlichen Temperaturen, mit denen der Besuch der unzähligen Open-Air-Kulturveranstaltungen, die in den kommenden Wochen in Österreich angeboten werden, auch zum Genuss werden kann. Manche Premiere musste in den vergangenen Tagen witterungsbedingt verschoben werden, andere sind derzeit gefährdet. Im Folgenden ein unvollständiger Überblick über einige Höhepunkte des Sommerfestspielprogramms abseits von Salzburg und Bregenz.

Theaterfest Niederösterreich

Nachdem der Auftakt zum "Theaterfest NÖ", der am Mittwoch in der Donauarena Melk mit "Krieg und Frieden" über die Bühne gehen hätte sollen, ins Wasser gefallen ist (neuer Versuch am 3. Juli), sprang anderntags Berndorf mit "Pension Schöller" ein, ehe am Samstag neben den Nestroyspielen Schwechat (heuer mit "Heimliches Geld, heimliche Liebe") mit dem "Zigeunerbaron" auch die erste von drei Sommerpremieren in der Arena Baden absolviert wurde. Aber schon die nächste Premiere, "Orpherl in der Unterwelt" am gestrigen Sonntag in Laxenburg musste wieder abgesagt werden. Die Komödienspiele auf der Franzensburg sollen nun am 4. Juli starten. Auch ob der "Sommernachtstraum" tags zuvor auf der Rosenburg ein feuchter werden wird, hängt vom Wetter ab.

Gleich fünf der 29 Premieren des Theaterfests, das mit 23 Spielorten fast ganz Niederösterreich zur Bühne macht (http://www.theaterfest-noe.at), finden im Rahmen der Festspiele Reichenau statt. So ist das Südbahnhotel heuer Schauplatz für die "Strudlhofstiege" in der Bühnenbearbeitung von Nicolaus Hagg (Regie: Maria Happel; Premiere: 5. Juli). Im Theater Reichenau gibt es u.a. ab 4. Juli Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" (Regie: Alfred Kirchner), hier absolviert auch der künftige Salzburger "Jedermann" Nicholas Ofczarek mit Arthur Schnitzlers "Spiel im Morgengrauen" (11. Juli) sein Regiedebüt.

Weinviertel

Ehe am 4. August im Filmhof Wein4tel Asparn mit der Komödie "Barfuß im Park" die letzte Theaterfest-Premiere auf dem Programm steht, gibt es hoffentlich nicht nur längst echtes Sommerwetter, sondern neben Theater, Operette und Oper auch Musical: In Gutenstein bringt man ein Gustav Klimt-Musical zur Uraufführung (2. Juli), in Stockerau nimmt man den "Käfig voller Narren" wieder auf (6. Juli), in Altenburg setzt man auf "Godspell" (18. Juli), in Amstetten auf "Rockville" (22. Juli) und in Staatz auf "Evita" (24. Juli).

Mörbisch

Auf Musical setzt heuer auch das Operetten-Mekka Mörbisch, das gemeinsam mit den nahen Opernfestspielen St. Margarethen jährlich rund 400.000 Besucher in die Region lockt. Helmuth Lohner inszeniert "My Fair Lady", Intendant Harald Serafin schlüpft in die Rolle des Oberst Pickering, Burgstar Michael Maertens gibt Professor Higgins (Premiere: 9. Juli; http://www.seefestspiele-moerbisch.at). Im Steinbruch St. Margarethen steht ab 8. Juli "Rigoletto" auf dem Spielplan (http://www.ofs.at). In Kobersdorf sucht Intendant Wolfgang Böck mit dem Auftragswerk "Der Kopf des Joseph Haydn" ab 6. Juli Synergien mit dem Haydn-Jahr (http://www.kobersdorf.at). Schwer getroffen von den Unwettern wurde dagegen in den vergangenen Tagen der Güssinger Kultursommer: Die für 26. und 27. Juni geplanten ersten Vorstellungen von Frank Hoffmanns Inszenierung des "Brandner Kaspar" fielen buchstäblich ins Wasser, zudem sind viele Mitarbeiter und Darsteller derzeit als Katastrophenhelfer im Einsatz. Nun hofft man, die Premiere am Freitag (3. Juli) über die Bühne bringen zu können (http://www.kultursommer.net).

Bucklige Welt

In der Waldbühne Bucklige Welt in Bromberg ist man dagegen zuversichtlich, dass die für 3. Juli geplante Premiere von Hanspeter Horners Inszenierung der "Geierwally" wie geplant stattfinden kann. Bei einer Hangrutschung hatte Erdreich in der vergangenen Woche auch Teile der Bühne unter sich begraben. (http://www.waldbuehne.at). Auch im Waldviertler Hoftheater in Pürbach herrscht im Sommer Hochbetrieb. Die nächsten Premieren gelten Slawomir Mrozeks "Emigranten" (8. Juli) und Felix Mitterers Bergdrama "Munde", das als Freilufttheater auf über 1.000 Meter Seehöhe auf einem der höchsten Berge des Waldviertels aufgeführt und daher in "Nebelstein" umbenannt wurde (8. Juli; http://www.w4hoftheater.co.at)

Im Thalhof Reichenau sorgt Helga David u.a. für ein "Spiel der Sommerlüfte" von Arthur Schnitzler (ab 23. Juli) und zeigt "Virginia und Orlando", ein Theaterstück nach dem Briefwechsel zwischen Virginia Woolf und Vita Sackville-West (ab 6. August). Piero Bordins international ausgerichtetes Festival Art Carnuntum bringt heuer ab 2. August mit "Out of Chaos" und "A Midsummer Nights's Dream" zwei englische Gastspiele. Das Mitsommerliche Shakespeare-Treiben soll am 8. und 9. August als Open Air im Festschloss Hof stattfinden, bei Schlechtwetter wird in die große Reithalle übersiedelt. (http://www.artcarnuntum.at). In der Arena Lindabrunn gibt es ab 6. August mit Tony Kushners Aids-Drama "Engel in Amerika" ungewohnt zeitgenössische Sommertheater-Kost.

Theaterlust: Linz 09

"Sonnenbrand" verspricht das zweite Theaterlust"-Festival von Linz09 (28. Juli bis 2. September), und auch dazu ist wohl eine gründliche Änderung der Großwetterlage vonnöten. Im Theater im Hausruck findet am 29. Juli in diesem Rahmen die Uraufführung von Franzobels Auseinandersetzung mit dem Fall Zogaj und dem Thema Migration: "A Hetz oder die letzten Tage der Menschlichkeit" ist als in fünf Reisebussen unternommene Theaterreise angekündigt (http://www.ahetz.at). Ebenfalls im Hausruck findet sich das Theater im Bauernhof in Meggenhofen. Dort feiert man heuer das 40-Jahr-Jubiläum, auf dem Spielplan steht noch u.a. "Karrieregeil und Liebestoll", ein von Reinhardt-Seminaristen gespieltes Stück nach Martin Suter und Constance de Salm. (http://theatermeggenhofen.at)

15-Jahr-Jubiläum feiert dagegen das k.l.a.s.-Festival auf der Heunburg in Haimburg bei Völkermarkt. Ab 16. Juli wird hier "Macbeth" gegeben. (http://www.klas.at). Die Komödienspiele Porcia zeigen von 16. Juli bis 31. August u.a. Shakespeares "Viel Lärm um nichts" und die "Sonny Boys" von Neil Simon (http://www.komoedienspiele-porcia.at), die Tiroler Volksschauspiele in Telfs bieten von 25. Juli bis 30. August u.a. Ferdinand Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (Premiere: 30. Juli). Felix Mitterers Uraufführung "1809 - Mein bestes Jahr" als vazierendes Wirtshaustheater (Premiere: 25. Juli) sowie sein Stück über Franz Fuchs, "Der Patriot" (Premiere: 8. August, http://www.volksschauspiele.at).

Ein außergewöhnliches Ereignis bereitet wieder einmal Hubert Lepka vor: Am 30. Juli bringt er am Salzburgring eine multimediale Oper über Rennfahrerlegende Jochen Rindt zur Uraufführung. (http://www.torren.at)

styriarte

"Der Menschheit Würde" lautet das Motto der heurigen "styriarte" (bis 26. Juli), in deren Zentrum eine Hommage an Nikolaus Harnoncourt steht, der heuer im Dezember seinen 80. Geburtstag feiert. Unter dem Titel "Being Nikolaus Harnoncourt" läuft im Stadtmuseum Graz bereits seit der Vorwoche eine Ausstellung rund um den Ururenkel von Erzherzog Johann. Heute, Montag, feiert der Dirigent in der Helmut-List-Halle mit der konzertanten Aufführung von "Porgy and Bess" von George Gershwin Premiere. Den zweiten Schwerpunkt der "styriarte" bilden vier Jahresregenten: Händel, Haydn und Mendelssohn wird jeweils ein Fest gewidmet. Den vierten Komponisten, Henry Purcell, ehrt man mit einer Aufführung des Antikriegsstücks "King Arthur", für das Dialoge neu übersetzt wurden. (http://styriarte.com)

Carinthischer Sommer

40-Jahr-Jubiläum feiert heuer der Carinthische Sommer (10. Juli bis 28. August), der mit der Kirchenoper "Passion & Auferstehung" des Briten Jonathan Harvey eröffnet. Harvey wird im Jahr seines 70. Geburtstags eine Woche als "composer in residence" nach Kärnten kommen. Fortgesetzt wird die Programmschiene "cs_alternativ" mit Künstlern wie Soap&Skin, Mnozil Brass oder Anne Bennent. Das Musikforum Viktring (11. bis 26. Juli) wird heuer mit dem einzigen Österreich-Konzert von Tim Ries & the Rolling Stones Project eröffnet. (http://www.carinthischersommer.at)

Innsbrucker Festwochen

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (7. Juli bis 29. August) haben sich ganz dem Jahresregenten Joseph Haydn verschrieben. Mit "L'Isola Disabitata" unter der Leitung des designierten Festwochen-Leiters Alessandro de Marchi und "Orlando Palladino" stehen gleich zwei Haydn-Opern auf dem Programm, zusätzlich finden zahlreiche Barock-Konzerte auf Schloss Ambras statt. (http://www.altemusik.at)

Gmunden

In Salzburg und Oberösterreich ist die musikalische Auswahl wie gewohnt groß: Die Gmundner Festwochen von 19. Juli bis 23. August haben heuer nebst Konzerten aller Art Friederike Mayröcker als Literaten-Schwerpunkt (http://www.festwochen-gmunden.at). Bei den Musiktagen Mondsee von 29. August bis 6. September serviert Heinrich Schiff seine Kostbarkeiten (http://www.musiktage-mondsee.at), bei der Attersee Klassik (18. Juli bis 22. August) steht neben Kammermusik, Lesungen und Operngalas etwa auch ein Auftritt von Soap&Skin auf dem Programm (http://www.atterseeklassik.at). Nördlich des Attersees wird von 17. Juli bis 14. August auch der Attergauer Kultursommer gefeiert, der sich ebenfalls den Jahresregenten Joseph Haydn als Herzstück gewählt hat. (http://www.attergauer-kultursommer.at)

Donauregion

Entlang der Donau erklingt eine ganze Fülle von Konzerten: Die "Donaufestwochen Strudengau" (31. Juli bis 16. August) bringen die Alte Musik, etwa mit der Händel-Oper "Almira", an historische Orte (http://www.donau-festwochen.at). "Allegro Vivo" heißt es etwa in den Stiften Altenburg, Geras, Göttweig oder Melk (9. August bis 20. September, http://www.allegro-vivo.at). In Tulln angekommen steht die Donaubühne im Zeichen von u.a. Dobrek Bistro (18.7.), Wolfgang Ambros (1.8.) oder Christina Stürmer (15.8.).

Grafenegg

Auf ein hochkarätiges Programm setzt auch heuer das Musikfestival Grafenegg, wo von 20. August bis 6. September Tan Dun als "Composer in Residence" zu Gast ist und neben den Tonkünstlern, die Residenz-Orchester sind, auch die Wiener Philharmoniker sowie das London Symphony Orchestra auftreten werden (http://www.grafenegg.at/festival). Mit speziellen Festivals etwa zu Chopin in der Kartause Gaming (13. bis 16. August, http://www.chopin.at) oder dem Schrammel.Klang.Festival in Litschau, bei dem heuer eine "Schrammeloperette" von Roland Neuwirth uraufgeführt wird (10. bis 12. Juli; http://www.schrammelklang.at), aber auch mit den "Wellenklängen" auf der Seebühne in Lunz am See (http://www.wellenklaenge.at) oder - österreichischer - Weltmusik unter dem Motto "Glatt und Verkehrt" (12. bis 26. Juli, http://www.glattundverkehrt.at) gibt es in Niederösterreich für alle Geschmäcker etwas zu entdecken.

Konzertausflüge lohnen auch ins Burgenland oder in die Steiermark. Bei den "Neuberger Kulturtagen" (11. bis 26. Juli) präsentiert Stefan Vladar eine Auswahl mit ebenso ausführlichem Haydn-Schwerpunkt (http://www.neuberger-kulturtage.org) wie das Kammermusikfest Lockenhaus (9. bis 19. Juli 2009), wo Gidon Kremers Festivalreigen sich Haydns bedeutendster "Erfindung", des Streichquartetts, annimmt (http://www.kammermusikfest.at). Jeden Samstag zwischen 11. Juli und 29. August lädt Robert Lehrbaumer zu den Schlosskonzerten nach Halbturn (http://www.musique.at/halbturn).

Pop-Festivals

Wer lieber Radiohead und Moby als Haydn und Händel hört, findet sich zum Frequency diesmal in St. Pölten ein (20. bis 22. August, http://www.frequency.at), oder zum Nuke in Wiesen (17. und 18. Juli, http://www.nuke.at). Jazzfreunde reisen von 9. Juli bis 1. August nach Graz (http://www.jazzsommergraz.at) und von 27. bis 30. August nach Saalfelden (http://www.jazzsaalfelden.com). Oder sie bleiben von 3. bis zum 16. August einfach in Feldkirch: Zum Poolbar Festival kommt nicht nur Keziah Jones, sondern auch Morcheeba sowie eine Auswahl an Österreichischen Kino-Höhepunkten (http://www.poolbar.at).

(APA)

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