Polizeichef Kandahars bei Schusswechsel getötet

29. Juni 2009, 20:08
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Von US-Armee ausgebildete Sicherheitskräfte in gewaltsame Häftlingsbefreiungverwickelt

Kabul - Der Polizeichef der afghanischen Unruheprovinz Kandahar und bis zu neun weitere Polizisten sind offenbar bei einer Schießerei mit von den USA ausgebildeten Sicherheitskräften getötet worden. Das teilte der Chef des Provinzrats, Ahmed Wali Karzai, ein Bruder von Staatschef Hamid Karzai, mit. Der Präsident, der sich im August der Wiederwahl stellt, forderte die Auslieferung der Täter und verurteilte den Übergriff als destabilisierend für Afghanistan. Die näheren Umstände des bewaffneten Zwischenfalls sind unklar.

Neben Polizeichef Mutaiullah Chan Kateh seien am Montag auch der Chef der Kriminalpolizei und acht weitere Polizisten ums Leben gekommen, sagte Ahmed Wali Karzai. Bei den Tätern handle es sich um von den US-Truppen ausgebildete afghanische Sicherheitskräfte. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, der Polizeichef habe sich persönlich an einem Einsatz gegen eine gewaltsame Häftlingsbefreiung am Sitz der Staatsanwaltschaft von Kandahar beteiligt. Die Polizisten seien aus dem Gebäude beschossen worden, als sie am Ort des Geschehens erschienen seien. Augenzeugen zufolge waren bei dem Schusswechsel auch US-Truppen anwesend. Laut einem Sprecher der NATO-Truppe ISAF waren diese aber nicht in den Schusswechsel verwickelt.

Auslieferung gefordert

Präsident Karzai forderte, die US-geführten Koalitionstruppen müssten die Täter umgehend ausliefern. Karzai mahnte weiter, dass sich solche Vorfälle negativ auf die Integrationsbemühungen der Regierung auswirkten. Die Koalitionstruppen müssten Aktionen vermeiden, welche die Regierung schwächen könnten. Bei der Wahl am 20. August werden in Afghanistan ein neuer Präsident und neue Provinzräte gewählt. Die Absicherung der Wahl gilt als Herausforderung für die nationalen und internationalen Sicherheitskräfte.

Für den Einsatz gegen die radikalislamischen Taliban will Russland den USA nach einem Pressebericht bald umfassende Militärtransporte durch russisches Gebiet ermöglichen. Ein entsprechendes Abkommen könnte beim Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew kommende Woche in Moskau unterschrieben werden, berichtete die russische Zeitung "Kommersant" unter Berufung auf NATO-Kreise. Bisher erlaubt Russland den USA nur, nicht-militärischen Nachschub über den Schienenweg durch russisches Gebiet nach Afghanistan zu transportieren.

Im Osten des Landes kam am nach ISAF-Angaben ein Soldat der Schutztruppe durch die Explosion eines Sprengsatzes ums Leben. Die Nationalität des Soldaten wurde nicht genannt. An der ISAF-Truppe beteiligen sich rund 40 Nationen. (APA/dpa)

 

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