Keine weitere Verzögerung wegen AUA

29. Juni 2009, 17:42
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Die EU-Bedenken betreffend die AUA-Übernahme durch die Lufthansa könnten den Deal noch scheitern lassen

Ein STANDARD-Bericht über gröbere Probleme im AUA-Beihilfeverfahren der EU hat am Montag Finanzminister Josef Pröll zu einer deutlichen Warnung in Richtung Brüssel veranlasst: "Die Lage ist zu angespannt, als dass wir uns eine weitere Verzögerung leisten könnten", erklärte der VP-Chef. Die Europäische Kommission prüft einerseits den 500 Millionen Euro hohen Staatszuschuss für die AUA und andererseits, ob die Übernahme durch die Lufthansa den Wettbewerb beeinträchtigt.

 

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Wien/Brüssel - Wien gegen Brüssel, Berlin gegen Brüssel und Brüssel gegen Brüssel: Rund um die Prüfung der AUA-Übernahme durch die EU-Kommission haben sich gleich mehrere Fronten aufgetan. Finanzminister Josef Pröll warnte die Wettbewerbshüter am Montag via APA vor "weiteren Verzögerungen" beim Verkauf der Fluglinie an die Lufthansa;die Deutschen wiederum machen gegen die von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ventilierten Auflagen mobil; und die Niederländerin hat ein Hühnchen mit Verkehrskommissar Antonio Tajani zu rupfen, der die Beihilfe für die AUAfreigeben wollte.

Unter dem Strich sind die Querelen dem Zustandekommen der Transaktion alles andere als dienlich. Wie der Standard berichtete, dürfte der gleichzeitige Abschluss des Fusionsverfahrens (für das Kroes zuständig ist) und der Beihilfeprüfung (liegt in Tajanis Händen) gestorben sein. Die Einwände der Wettbewerbskommissarin haben dazu geführt, dass der 500 Mio. Euro schwere Zuschuss der Republik an die AUAnur gegen Auflagen genehmigt werden kann. Die Feinabstimmung wird weitere zwei Wochen in Anspruch nehmen. Regierungskreise bestätigten am Montag, die Verzögerung sei von Brüssel bereits kommuniziert worden.

Des Weiteren erwägt Kroes für Mittwoch die Einleitung einer vertieften Fusionsprüfung, die bis zu 90 Tage in Anspruch nehmen könnte. Das Problem:Das Angebot gilt nur bis Ende Juli - Lufthansa könnte also in Ermangelung der EU-Freigabe vom Vertrag zurücktreten. Der AUAwürde in diesem Fall die Insolvenz oder ein neuerlicher Zuschuss (mit ähnlichen Schwierigkeiten aus Brüssel) drohen. Vor allem die von der Wettbewerbskommissarin dem Vernehmen nach geforderte Streckenkürzung des AUA-Lufthansa-Verbunds wäre für den Konzern schwer zu verdauen.

Fünf Jahre Verluste

Die Deutschen haben bereits deutlich gemacht, dass die österreichische Airline auch nach der Integration weitere fünf Jahre Verluste einfliegen werde. Das gelte nicht nur im pessimistischen, sondern auch im realistischen Szenario, heißt es im Entwurf für der Beihilfenentscheidung Tajanis. Sollten nun auch noch profitable Strecken zur Sicherung des Wettbewerbs der Konkurrenz überlassen werden müssen, würde sich das Geschäftsszenario deutlich verdüstern. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte erst kürzlich betont, man wolle eine AUA und "kein AUAlein" . Gestern bekräftigte der Kranich, dass man bis Ende Juli eine Entscheidung der EU-Kommission benötige.

An den Aktienmärkten werden die Querelen konträr aufgenommen: Der Lufthansa-Kurs erhielt Auftrieb, die AUA ging auf Tiefflug. Die Motive der Anleger sind einleuchtend: Für die Aktionäre der österreichischen Fluglinie wird bei einem Scheitern der Transaktion das Übernahmeangebot hinfällig, weshalb das Papier mit minus fünf Prozent in einem festen Umfeld größter Tagesverlierer in Wien war. Lufthansa war mit einem Plus von knapp drei Prozent im Spitzenfeld der Frankfurter Börse zu finden. Immerhin kostet die Restrukturierung laut Lufthansa-Angaben 1,57 Mrd. Euro, mehr als eine Milliarde trage der Konzern (500 Mio. Euro der Staat).

Sollte der ganze Deal noch scheitern, wird es für die AUA-Belegschaft ebenso hart wir für den Steuerzahler. Soll die Airline auf eigene Faust weiterfliegen, wären 840 Mio. an Liquidität notwendig (abzüglich der 500 Millionen schon in Aussicht gestellten Mittel). 1420 Mitarbeiter und 18 Flugzeuge würden wegfallen. Die Stilllegung der AUAschlüge nach Berechnungen der ÖIAGmit 850 Mio. Euro zu Buche. Eine Insolvenz würde 622 Mio. Euro kosten, da die Republik laut Staatsholding für die vollen Ansprüche der Mitarbeiter in die Bresche springen müsste. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2009)

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    Verkehrskommissar Antonio Tajani hat derzeit nichts zu lachen. Seine freundliche Bewertung des AUA Zuschusses fiel bei seiner Kollegin Neelie Kroes durch. Nun muss eine neue Entscheidung her, was den Zeitplan durcheinanderbringt.

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