Geschundene 250er-Yamaha

29. Juni 2009, 16:48
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Die Yamaha YBR 250 hat es nicht leicht, obwohl sie ja eigentlich ein Leichtmotorrad ist

Als das Telefon läutet, hört man aus der Garage ein erschrockenes Plumpsen. Der YBR rutscht das Herz in die Hose, als der Nigischer Gerhard anruft: "Du, glu, ich fahr morgen ins Driving Camp Pachfurth raus. Ich möcht ein paar Sachen für meine Fahrtechnik-Kurse probieren. Was ist, kommst mit?" Fahrtechnik-Training spielen mit einer 250er wäre einmal was anderes. Sicherheitshalber richt ich mir die alte Lederwäsch aus dem Kasten - könnt es doch leicht passieren, dass morgen die Kombi schmutzig wird.

Ich sitz schon beim launig-lustigen Pachfurth-Gastronomen und trinke meinen Cappuccino aus der Untertasse, als der Gerhard bei der Tür reinkommt, auf die YBR zeigt, schmunzelt und sagt: "Ich dachte eigentlich, dass du mit einem Motorrad kommst." Aber unterschätz mir mal keiner die YBR. Die Abkürzung steht nämlich für Yamaha Butzl Racing - also Nachwuchssport. Das Leichtmotorrad leistet mit seinem inzwischen eh schon berühmten 249 Kubikzentimeter-Einzylinder 21 PS bei 8000 Umdrehungen und dampft übers 17-Zoll-Hinterradl 21 Nm bei 6500 Umdrehungen in die pannonische Tiefebene. Also bin ich quasi eh gleich motorisiert wie der Gerhard mit seiner Hornet.

Wie von der Gelse gestochen, schießt die YBR aufs Testgelände in Pachfurth. Erste Übung: Bodenwellen in Schräglage. Und während der Gerhard die Bodenwellen aus dem Boden fährt, mach ich eine Vorübung und schau, wie weit sich die Butzl-Yamaha umlegen lässt und komme zum Ergebnis: auch wenn Knie und Rasten gleichzeitig schleifen, bleibt am Hinterradl ein Angstrand, für den man sich auch bei einem 180er-Reifen genieren würd - geschweige denn mit den montierten Asphaltschneidern. Aber ich muss ja eh niemandem etwas beweisen und schnupf gleich einmal die erste Bodenwelle, die mir der Gerhard liebevollerweise vorbereitet hat.

Jupperhui, da kommt das Fahrwerk an seine Grenzen, die recht zarte Gabel hat zu werken wie unsereins an einer zachen Schnitzelflaxen, aber sie erträgt ihr Schicksal und bugsiert mich mitsamt den 138 Kilogramm YBR über die Bodenwelle. Die Hornetten vom Gerhard ist straffer, klar, aber bei dem Rumpler fliegen dir dort und da die Plomben aus dem Gesicht, wenn du so gescheit warst, die Zunge zwischen den Beißern raus zu nehmen. Alles in allem eh souverän. Mir ist die Sitzhöhe von 805 Millimetern ein bisserl niedrig, aber darüber, wie die YBR die harten Bodenwellen wegsteckt, staune ich und freu mich auf die nächste Übung: Verzögern mit blockierendem Vorderrad aus hohen Geschwindigkeiten.

Das schaut dann so aus, dass man die Mopetten auf über einen Hunderter beschleunigt, bei der YBR vier der fünf Gänge durchschaltet, und dann so ins Vordereisen greift, dass es vorne blockiert. Man öffnet die Bremsen wieder, bevor einem der rote Saft aus dem Helm rinnt und blockiert neuerlich. Der erste Versuch schlägt furchtbar fehl. Nicht, weil mir der Reiß geht, wie der geneigte Leser vermuten würde, nein: die Yamaha bringst mit zwei Fingern nicht an die Blockiergrenze. Bevor das Radl blockiert, steht der Hebel an den Fingern an. Und da hört man schon zum Würgen auf, wenn es erst einmal richtig weh tut.

Hinten blockiert es dafür recht bald - mit Hilfe der Trommelbremse kann man klass schwarze Striche ziehen -, aber das ist jetzt nicht die Aufgabe. Es gibt nur eine Möglichkeit: Bremsen mit vier Fingern - wie es die Stammtisch-Racer machen. Und siehe da. Die Gabel schlägt durch, wenn sich die beiden Kolben in die Scheibe mit einem Durchmesser von 282 Millimetern beißen, es quietscht, und bald steigt weißer Rauch unter dem Vorderrad auf, und es riecht nach GTI-Treffen.

Das Vergleichsbremsen mit der Hornet gelingt natürlich besser - nur, dass der Gerhard gerne noch längere Blockierphasen gesehen hätte, so dass das Vorderrad wirklich gut sichtbar einknickt. Nach dem dritten Versucht geht aber gar nix mehr - der Vorderbock hat schon einen Grip aufgebaut, dass allein beim ans Bremsen Denken das Hinterradl aufsteigt, ohne dass vorne irgendwas blockiert.

Spannend ist dann der Speedtest. Wir nehmen uns ein Stückerl des Handling-Parcours vor und schauen, wie schnell man da durchkommt. Erst mit der YBR und dann mit der Hornet. Erst im Hang-off, dann mit Legen. Die YBR lässt sich auf dem kurzen und engen Abschnitt auch gar nicht viel Zeit abnehmen - man muss halt den Schwung brav mitnehmen - Kurvengeschwindigkeit vertragen beide fast dieselbe, nur dass die Butzl-Yamaha halt irgenwann nimmer mitkommt. Aber das macht nix - wer sich für die 250er entscheidet, will eh keine Rennen fahren, kriegt dafür aber ein ordentliches und vor allem günstiges Motorrad: ein paar 08er-Modelle gibt es noch um 4199 Euro, die 09er zum Aktionspreis von 4399 Euro. (Guido Gluschitsch, Foto: www.gluschitsch.com)

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