Google: "Wir sind doch eh harmlos"

29. Juni 2009, 11:33
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Mit dem Erfolg kommen die Probleme: Google hat verstärkt mit Kartellrechts-Untersuchungen zu kämpfen

Google als Suchmaschinenanbieter zu beizeichnen, trifft des Pudels Kern schon lange nicht mehr. Dem Unternehmen gehört nebenbei auch noch das größte Online-Video-Portal YouTube, es hat ein eigenes Handy-Betriebssystem und konkurriert mit Microsoft auch noch im Bereich Office-Software mit eigenen Web-Services. Zudem unterhält der Konzern gute Beziehungen zur US-Präsident Barack Obama. Vielen Leuten ist Google damit zu groß geworden. Doch eigentlich sei Google ja ein kleine Unternehmen und habe immer mit Konkurrenz zu kämpfen, wie Dana Wagner, Googles Wettbewerbsberater, laut New York Times beteuert - und das nicht zum ersten Mal.

Untersuchungen

Wagner versucht ein Bild von Google zu vermitteln, in dem der Konzern ein kleines Unternehmen sei, das in Marktbereichen agiere, in denen Konsumenten schnell zu einem anderen Anbieter wechseln können. Die PR-Offensive soll dazu dienen, die Regulatoren davon zu überzeugen, dass Google kein Monopolist ist. Ende 2008 haben die US-Wettbewerbshüter Einwände gegen eine Zusammenarbeit zwischen Google und Yahoo im Online-Werbemarkt erhoben. Der Konzern hat freiwillig zurückgezogen.

Mittlerweile führt die Regierung jedoch drei weitere kartellrechtliche Überprüfungen gegen das Unternehmen aus Mountain View durch. So sollen unter anderem die Beziehungen zwischen Apple und Google überprüft werden. Googles Online-Werbegeschäft ist indes nicht Gegenstand der Untersuchungen. Auch wurden dem Konzern keine wettbewerbswidrigen Taktiken vorgeworfen.

Imageschaden

Kritiker meinen jedenfalls, dass Google völlig falsche Vorstellungen von sich verbreite. "Google Suche ist ein absolutes Must-Have für jeden Händler weltweit", meint Jess Chester vom Center for Digital Democracy gegenüber der NYT. Aber anhaltende Nachrichten über Kartellrechts-Untersuchungen könnten Googles Image bei den Nutzern tatsächlich schaden. Unter den Usern werde der Konzern zwar generell noch immer positiv gesehen, aber die negativen Nachrichten könnten Google schaden. Experten meinen, dass der Konzern zu recht beunruhigt ist und die entsprechenden Maßnahmen dagegen setzen sollte. Erst vergangene Woche hatte Dow Jones-CEO Les Hinton Google als "digitalen Vampir" bezeichnet, der das Blut aus dem Zeitungsgeschäft sauge. Kritiker bezeichnen den Konzern auch regelmäßig als Datenkrake, der das Surfverhalten der User ausspioniere.

Beziehungen zum Weißen Haus

Auf die Beziehungen zum Weißen Haus kann Google offensichtlich nicht bauen. CEO Eric Schmidt sitzt in Obamas Beratungsteam für Wissenschaft und Technologie und hat im Wahlkampf eine Kampagne für Obama geführt. Vielmehr ist auch diese Verbindung Anlass für Kritik, da befürchtet wird, Google könnte damit Einfluss auf wichtige politische ausüben. Wagner behauptet indes, dass Google im Vergleich zu anderen Unternehmen wie Microsoft oder AT&T viel stärkeres Lobbying betreibe. (red)

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    Google startet eine PR-Offensive, um die Kartellbehörden von seiner Harmlosigkeit zu überzeugen

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