"Keiner Schuld bewusst"

29. Juni 2009, 11:09
24 Postings

Ex-Finanzminister war Aufsichtsrats-Vize der Bank Medici - "Auch andere Banken haben mit Madoff Geld verloren"

Wien - Die Wiener Bank Medici ist tief in den Skandal rund um den New Yorker Milliarden-Betrüger Bernard L. Madoff verstrickt (dessen Urteil für heute erwartet wird - siehe Artikel). Der ehemalige Finanzminister Ferdinand Lacina war Aufsichtsrats-Vize der österreichischen Privatbank. Lacina ist sich aber keiner Schuld bewusst, erklärte er dem "Wirtschaftsblatt" (Montag-Ausgabe): "Ich habe nichts von der Veranlagung in die Madoff-Fonds gewusst, ich habe nur von HSBC gewusst." Die renommierte Bank HSBC habe die Fonds verwaltet.

Gegen Lacina, seinen Aufsichtsratskollegen Johann Farnleitner und die Haupteigentümerin der ehemaligen Wiener Bank Medici, Sonja Kohn, hat Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer bereits Anfang April eine Klage eingebracht. 4 Milliarden Euro an Anlegergeldern sollen aus Wien an Madoff geflossen sein, 40 Millionen Euro Provisionen soll Kohn kassiert haben, heißt es im Bericht. Nach dem Entzug der Konzession firmiert das Institut seit Kurzem unter "20.20 Medici AG". Derzeit sei gegen die Klage von Böhmdorfer eine Gegendarstellung unterwegs, heißt es.

Unsichere Zukunft

Auf die Frage, warum ihm als Aufsichtsvize der Bank Medici nicht aufgefallen sei, dass 80 Prozent der Provisionen mit Madoff-Fonds verdient worden seien, meint Lacina: "Bei Durchsicht der Zahlen habe ich nicht so sehr auf die Fonds geschaut. Ich habe mir vielmehr mit Philip Göth (Partner bei Deloitte, Generalrat der OeNB und mittlerweile zurückgetretener Aufsichtsrat bei Medici) Sorgen gemacht, ob die Bank breit genug aufgestellt ist." Im Übrigen hätten auch andere Banken mit Madoff-Fonds Geld verloren.

Zur Zukunft der "20.20 Medici AG" meint Lacina: " Man muss sehen, ob es gelingt, noch eine Servicegesellschaft zu gründen. Das kann ich aber nicht beurteilen." (APA)

Share if you care.