Tsunami 2004

Österreicher wegen "Leichenschändung" ausgeschlossen

29. Juni 2009 10:20

Österreichische Gerichtsmediziner trennten Hände und Kiefer der Toten ab und wurden wegen ethisch fragwürdiger Methoden abgezogen

Wie das Montagsmagazin Datum in seiner akutellen Ausgabe berichtet, wurde nach dem Tsunami im Jahr 2004 ein Team von österreichischen Gerichtsmedizinern und Kriminologen von den thailändischen Behörden von der direkten Arbeit an Leichen abgezogen. Damals reisten Gerichtsmediziner aus aller Welt für die Identifizierung der Toten in die betroffenen Regionen. Darunter auch 25 Spezialisten aus Österreich, die in der Nähe von Phuket eingesetzt wurden. Nach nur drei Wochen wurde es den Österreichern verboten, an den dortigen Leichensammelstellen zu arbeiten. Der Norweger Raider Nilsen, damals der stellvertretende Leiter der internationalen Identifizierungsmission berichtet, dass im Jänner 2005 bei einer Inventur eine unbekannte Zahl an Leichensäcken aufgetaucht sei. Ihr Inhalt: abgetrennte Hände und Kiefer. Das österreichische Team habe sie laut Nilsen den Toten abgeschnitten.

Nilsen im Interview mit Datum: "Vielleicht, weil es so einfacher war, Fingerabdrücke zu nehmen und Zahndaten zu erfassen. Es war für mich unverständlich, wie man solche Methoden anwenden konnte. Für mich hat das primitiven Charakter und ist unethisch." Dass man den Leichen Hände und Kiefer abgenommen hat, wird vom damals ranghöchsten österreichischen Einsatzkoordinator Ernst Fischer (47), Brigadier im Innenministeriums, nicht bestritten. Er gibt an, dass sich die Österreicher "auf Grund der chaotischen Zustände freiwillig zurückgezogen haben" und dass auch "die Deutschen das so gemacht hätten." Nilsen widerspricht den Aussagen Fischers: "Es gibt keine Berichte, dass andere Teams auch so gearbeitet haben."

Zudem existiert laut Nilsen ein Protokoll über den Ausschluss der Österreicher. Damit nicht genug: die Österreicher wurden auch beschuldigt, dass sie Leichenteile (Muskelgewebe und Knochreste) nach Innsbruck zur DNA-Analyse ausgeflogen hätten, obwohl das nach thailändischen Recht verboten ist. Auch das wird von der österreichischen Einsatzleitung nicht in Abrede gestellt.

"Identifikationsteam wegen Leichenschändung ausgeschlossen"

Der norwegische öffentlich-rechtliche Fernsehsender NRK berichtet bereits 2006 in der Dokumentation "Tsunami: Der harte Job" über die Vorwürfe gegen die österreichischen Gerichtsmediziner. Auf der Website von NRK hatte später plakativ der Satz gestanden: "Identifikationsteam wegen Leichenschändung ausgeschlossen." Die österreichische Öffentlichkeit hat davon bis heute nichts mitbekommen. "Warum sollen wir so etwas denn nach außen tragen?", fragt Ernst Fischer. Noch im März 2006 wurden drei Mediziner, die vom Ausschluss in Thailand betroffen waren, von der damaligen ÖVP-Innenministerin Liese Prokop für ihren "besonderen und persönlichen" Einsatz geehrt. (red, derStandard.at, 29.6.2009)

Kommentar posten
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kaddidababubada
01.07.2009 21:15
was ungefähr bei einer autopsie passiert:

achtung, empfindlichen gemütern eher nicht zu empfehlen:

http://www.youtube.com/watch?v=VRAh3Qse-Us
(man muss registriert sein und alter über 18 bestätigen)

was ist daran weniger ethisch als das abtrennen des kiefers und der hände zur rel. einfachen identifizierung über zahnstatus oder fingerabdrücke?
die anzahl und der zustand der leichen rechtfertigen das vorgehen der österr. pathologen meiner meinung nach.
übrigens hat gunther von hagens mit seinen "körperwelten" millionen begeistert, obwohl er der seligen tante erna mehr als nur das kinn entfernt hat.

Boudicca
 
15.01.2010 21:22
...

hab mir das video angesehen und obwohl ich in meiner dienstlichen laufbahn (leider) schon mehrere leichen gesehen habe und auch schon menschen quasi in meinen armen "weggetreten" und nie mehr aufgewacht sind, ist das sehr "heftig".
es ist aber nun einmal so - auch wenn es den normalen bürger schockiert. diese vorgangsweise sieht sehr "brutal" aus für einen beobachter - aber jene mediziner MÜSSEN eine gewisse distanz zu jenem menschen entwickeln, sonst wären obduktionen wohl kaum möglich.
ich finde auch, wie mein vorposter, dass gewisse dinge eben nun einmal manchmal vl ein MUSS sind, um leichen zu identifizieren. auch, wenn es für die angehörigen schlimm ist, will man doch wissen: war das mein verwandter? tragisch, leider - aber real.

Le Triomphe
02.07.2009 09:04
"die anzahl und der zustand der leichen rechtfertigen das vorgehen der österr. pathologen meiner meinung nach."

Das hatten "reflexion", "voigt" und "Larifari" hier schon an die hundertmal gepostet.

Es lag eindeutig kein Obduktionsauftrag vor! Das Argument "Wettlauf mit der Zeit" ist doch nur ein nachträglicher Versuch, die spät aufgeflogene Schande offizieller Kommissionsvertreter Österreichs im Ausland abzuwehren.

kaddidababubada
02.07.2009 16:02
Das hatten "reflexion", "voigt" und "Larifari" hier schon an die hundertmal gepostet.

sie haben die postings wohl durch ein kaleidoskop gelesen.

Le Triomphe
03.07.2009 17:43
Ja, so kam es mir fast vor

Immer die fast identen Aussagen in leicht unterschiedlichen farbtönen. (o;

Cr Mx
01.07.2009 04:28
wieder einmal peinlich für österreich

friedrich wilhelm voigt
01.07.2009 19:42

peinlich ist hauptsächlich die aufregung darüber.

tramezzino
30.06.2009 14:54
die pathologen

hatten eine zusatzausbildung als fleischhauer.

friedrich wilhelm voigt
30.06.2009 20:07

ein fleischhauer ist ja nichts schlechtes.

re flexion
30.06.2009 13:41
Habe mich weiter

unten aufgeregt, dass in dem Interview das "warum" der Ärzte nicht hinterfragt wurde. Für Poster, die das nicht für notwendig erachten (weils eh' klar ist, dass die Ärzte falsch gehandelt haben) und die nur vertuschen wollen was die Lüge bzgl. der Deutschen beweist, hier einmal ein anderer Artikel

SNR:
http://www.salzburg.com/online/7m... xt=&mode=&



Le Triomphe
02.07.2009 09:08
"das "warum" der Ärzte"

Die Ärzte sollen sich einmal zu Wort melden.

albert einstein
30.06.2009 17:16

ja ja alle wieder einmal gegen österreich ...

böses ausland....

oder sollte man bei eu mitgliedern schon sagen böses inland?

Onwentsia
30.06.2009 16:25
Warum äußern sich

die direkt betroffenen Ärzte nicht, sondern nur BMI-Personal?

Es ist nicht behauptet worden, dass die österreichischen Ärzte ausgeschlossen wurden. Sie wurden von der direkten Arbeit an Leichen abgezogen. Es ist nicht klar, ob die Ärzte dann heimgefahren sind, und nur die BMI-Leute in Thailand blieben.

Die salzburger Gerichtsmedizinerin Edith Tutsch-Bauer und ihr Kollege aus Innsbruck, die in Sri Lanka im Einsatz waren, haben doch auch die Methoden der österreichischen Kollegen in Thailand aus ethischer UND sachlicher Sicht verurteilt! Das Thema wurde bei Tagungen auch ausführlich debattiert.

Der Kommentar des BMI-Sprechers am Ende hinterlässt einen kleinlichen und unprofessionellen Eindruck.

re flexion
30.06.2009 17:38
???

"Zudem existiert laut Nilsen ein Protokoll über den Ausschluss der Österreicher."

"Auf der Website von NRK hatte später plakativ der Satz gestanden: "Identifikationsteam wegen Leichenschändung ausgeschlossen" "

---
Sind sie sicher bei ihrer Aussage:
"Es ist nicht behauptet worden, dass die österreichischen Ärzte ausgeschlossen wurden"

PS: Mir ist es darum gegangen, dass dieser Artikel einfach nicht alles beleuchtet. Es ist z.B. auch darum gegangen, ob Deutsche ebenso gehandhabt haben. Für manche Poster hier ist bewiesen, dass das nicht so ist, weil Hr. Nilsen erklärt, dass es keine diesbezügliche Berichte gäbe. Der Artikel der SN gibt da schon einen anderen Eindruck.

Onwentsia
01.07.2009 08:39
Müßige Diskussion über "Abzug" oder "Ausschluß". Ich kenne die norwegische "Seele" sehr gut und schenke Herrn Nilsen Glauben! Wesentlich sind a) die Methoden und b) die BMI-"Nachrichtensperre"

@ "re flexion" (= "friedrich wilhelm voigt"?)

Für mich übergeordnet waren die Aussagen in der Unterrubrik und im ersten Artikelabsatz. Die Wortwahl scheint nur den BMI-Sprechern (die Ärzte selbst schweigen ja!) von gesichtswahrender Bedeutung zu sein. Fakt ist, dass diese österreichischen Ärzte nicht mehr die Arbeit an Leichen tun durften, wozu sie ausgeschickt worden waren. Ob sie blieben, und andere Arbeit verrichteten, oder sofort nach Hause geflogen sind, ist nicht so wichtig.

Betr. die unreifen BMI-Aussagen über deutsche Kollegen halte ich sie für in der Beurteilung nicht sehr relevant. Die Angelegenheit müsste bei dringendem Bedarf zu klären sein.

Gebe Ihnen recht bezügl. Unklarheit der Berichterstattung in Randfragen.

Chocoholic
30.06.2009 12:35
Also wenn ich tot bin, ists mir wurscht, ob ich Haende habe oder keine,

ob mir Kiefer abgetrennt wurden oder keine.

Wenn ich Angehoerige bin, dann will ich moeglichst schnell wissen, ob meine Angehoerigen tot sind oder nicht.

Die Frage ist allerdings: war die Art und Weise der Identifizierung durch Deutsch/Oesterreichisches Team tatsaechlich schneller als das der anderen? Und bitte, wer nicht dort war, soll gefaelligst hier keine kritischen Posts fallen lassen. Die einzigen, die anklagen koennen ,sind diejenigen, die dort waren, aber dass das so viele Jahre spaeter passiert?

Sylvania
30.06.2009 12:48

Nix "Deutsch/Oesterreichisches Team", NUR österreichisch, wie deutlich im Artikel hervorgeht!

re flexion
30.06.2009 13:43
Desaster
30.06.2009 10:17

Warum kommt Herr Nilsen mit diesen Vorwürfen erst jetzt nach 5 Jahren? Warum war dieser Vorfall den thailändischen Medien keine Erwähnung wert?

"Nilsen widerspricht den Aussagen Fischers: Es gibt keine Berichte, dass andere Teams auch so gearbeitet haben."
Falls es stimmt, dass Deutsche und Österreicher ein Team gebildet haben (so schildert es Fischer), dann ist das kein Widerspruch.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01.07.2009 08:28
vielleicht schwächelt der Verkauf des "Datum"??

Sylvania
30.06.2009 12:55

1. Buchstabieren Sie sich gaaanz langsam durch den letzten Artikelabschnitt. Herr Nilsen hat jetzt niemanden aufgesucht, eher umgekehrt.

2. Fischer macht nirgends geltend, dass deutsche und österreichische Ärzte, etc. ein Team gebildet hätten.

3. Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?

Nudlaug3
30.06.2009 07:02

...vielleicht hätte man das "spezielle Verfahren" vorher auch einfach mal kurz mit der Einsatzleitung ab-bzw. besprechen können...hoffe unsere Leute konnten anschliessend zumindest einwandfrei alle abgetrennten Hände und Kiefer den richtigen Ertrunkenen zuordnen...weils ja schnell gehen musste

raff1
30.06.2009 05:12
Wer keine Hand und Kiefer vom Onkel der

Versicherung und Behörden vorweisen kann, der kriegt die Lebensversicherung auch nicht ausbezahlt.
Eine ordentliche Beamtenpolitik brauchen wir. Ethikgeschwaffel einstellen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01.07.2009 08:30
Warst Du damals dort?

Nein?

Dann streich bitte das "r" aus Deinem nick, ja?

Oriente Mania
01.07.2009 11:00

http://derstandard.at/?url=/pli... 7/13386764

und du änderst deinen nick in 'Brigadier Fischer and Oberst Hundertpfund', ja?

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