Seehofer fordert Machtwort von Merkel

29. Juni 2009, 09:36
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Bayerns Ministerpräsident: Bundesregierung soll sich an Notkredit für die Versandhandels-Tochter der insolventen Arcandor beteiligen

Fürth/Berlin - Im Kampf um die Rettung von Quelle entscheidet sich voraussichtlich heute, Montag, ob der insolvente Versandhändler noch eine Chance hat. Mit der Grundsatzentscheidung aus Berlin über den sogenannten Massekredit für die Arcandor-Tochter mit rund 8000 Mitarbeitern wird nach einer Sitzung am Montagabend gerechnet.

Notlage

Wie am Wochenende bekanntwurde, ist die Notlage des Konzerns noch schlimmer als befürchtet. Seit fast drei Wochen muss das Unternehmen ohne eigene finanzielle Mittel auskommen, weil es sein letztes Geld Stunden vor dem Insolvenzantrag Anfang Juni an den Mutterkonzern Arcandor überwiesen hatte. Dies habe mit der Krise nichts zu tun gehabt, sondern sei ein übliches Verfahren, sagte ein Arcandor-Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Quelle ist seitdem auf die Großzügigkeit der Lieferanten angewiesen, die mit ihren Waren und Dienstleistungen in Vorleistung gingen. "Aber irgendwann ist die Geduld zu Ende", sagte Hilbers. Auch die Druckerei des Quelle-Katalogs hatte sich am Freitagabend trotz der Risiken entschlossen, vorläufig mit der Auslieferung des neuen Katalogs zu beginnen.

"Intensive Prüfungen"

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die deutsche Bundesregierung eindringlich aufgefordert, sich an dem zum Überleben notwendigen Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro zu beteiligen. "Man muss sich die Frage stellen: Wie sehr gefährdet die Politik durch ihr Verhalten Arbeitsplätze?", sagte der bayerische Ministerpräsident in Berlin mit Blick auf die zögerliche Haltung des Bundes. Seehofer forderte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel begründete die tagelange Prüfung eines Kredits für Quelle mit den strengen Vorgaben der Europäischen Union für staatliche Hilfen. "Wir müssen mit dem ganzen Vorgang zur EU", sagte sie am Sonntagabend in Berlin nach der Tagung der Unionsspitzen über das gemeinsame Wahlprogramm. Es wäre Quelle nicht geholfen, wenn das Wirtschafts- und das Finanzministerium am Donnerstag oder Freitag vorschnell dem Massekredit über 50 Millionen Euro zugestimmt hätten und dann am Montag die EU-Kommission in Brüssel das Vorhaben abgelehnt hätte, sagte Merkel. Sie betonte, es liefen intensive Prüfungen, der Antrag müsse aber mit der notwendigen Sorgfalt behandelt werden.

Warnungen

Quelle-Chef Konrad Hilbers warnte unterdessen vor Spekulationen über eine drohende Abwicklung des Unternehmens. "Dafür gibt es keinen Anlass", sagte Hilbers der dpa. Durch derartige Aussagen spitze sich die Lage nur noch weiter zu. "Das ist für uns überhaupt nicht hilfreich."

An dem Kredit für den Konzern mit Sitz in Fürth bei Nürnberg soll der Bund mit 25 Millionen Euro die Hälfte übernehmen. Bayern will 21 Millionen Euro beisteuern, das Land Sachsen, das ebenfalls um Quelle-Arbeitsplätze in seiner Region bangt, will 4 Millionen Euro geben. Ein Massekredit ist eine Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Betrieb aufrechterhalten können. (APA/dpa)

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