Zumtobel bricht Gewinn weg

29. Juni 2009, 14:29
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Der Jahresgewinn sank um 86 Prozent auf 13,3 Millionen Euro - Die Dividende wird gestrichen, das Sparprogramm verschärft

Wien - Der börsenotierte Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel hat im Geschäftsjahr 2008/09 rückläufige Umsätze und einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Die Verkaufserlöse sanken um 8,4 Prozent auf 1,174 Mrd. Euro; der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (EBIT) brach um mehr als ein Drittel von 123 auf 78,9 Mio. Euro ein. Der Konzern spitzt erneut den Rotstift und verdoppelt heuer das angepeilte Sparvolumen von 50 auf 100 Mio. Euro. Die Dividende für 2008/09 entfällt, hieß es heute, Montag, auf der Bilanzpressekonferenz.

Die Nachfrage habe vor allem im zweiten Halbjahr, also seit dem Einsetzen der Finanzkrise im Herbst, spürbar nachgelassen. "Unsere Kunden verschieben Projekte und treten kürzer, hinzu kommt der zunehmende Preisdruck in einem schrumpfenden Markt", erklärte CEO Andreas Ludwig. Die Sondereffekte bezifferte er mit 21,9 Mio. Euro; sie stünden vor allem in Zusammenhang mit dem bereits eingeleiteten Sparpaket. Die strukturellen Kosten wurden bereits um 16 Mio. Euro gesenkt.

Effizienzsteigerung

Im Rahmen dieses "Effizienzsteigerungsprogramms" strich Zumtobel 2008/09 zum Bilanzstichtag (Ende April) 750 Stellen, mittlerweile hat sich Zahl der verlorenen Jobs auf aktuell 1.000 ausgeweitet. Einen weiteren Personalabbau kann der Konzern angesichts der "größten weltweiten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren" den Angaben zufolge nicht ausschließen. Das hängt von der weiteren Entwicklung der Umsätze ab.

2008/09 sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um 9,4 Prozent auf weltweit 7.165, das Leuchtenwerk in Rumänien wurde geschlossen - die Fertigung wurde zum Teil nach Österreich und England zurückverlagert. In Österreich gingen 110 Stellen verloren. Der Leuchtenkonzern beschäftigt hier nun 2.113 Mitarbeiter.

In Österreich betreibt der Konzern zwei große Werke in Dornbirn sowie jeweils ein kleineres in Innsbruck, Fürstenfeld (Steiermark) und Jennersdorf (Burgenland). Kurzarbeit sei hier kein Thema - für Ludwig ist sie "unflexibel und relativ teuer". In der Schweiz und in Deutschland haben die Vorarlberger aber sehr wohl Kurzarbeitsmodelle im Einsatz.

Zumtobel rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Baukonjunktur, habe aber nicht vor, noch zusätzliche Fertigungsstandorte zu schließen, da eine gewisse Nähe zu den Kunden notwendig sei. Derzeit liege die Auslastung im Durchschnitt bei 60 bis 65 Prozent - in guten Zeiten erreiche sie rund 80 Prozent.

Tiefpunkt erst für 2010 erwartet

Bei Innovationen will Zumtobel aber das Tempo trotz Krise nicht herausnehmen: Im Bereich Forschung & Entwicklung hat der Konzern die Mannschaft sogar um fast 10 Prozent auf 449 Arbeitnehmer verstärkt, um seine technologischen Entwicklungen - vor allem im LED-Bereich - voranzutreiben.

Der konjunkturelle Tiefpunkt in der Bau- und Lichtindustrie wird den Angaben zufolge voraussichtlich erst 2010 erreicht. Heuer sei im gewerblichen Hochbau - dem für Zumtobel relevanten Bausektor - ein Rückgang von 6,3 Prozent zu erwarten.

"Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, die Kostenstrukturen anzupassen", kündigte Ludwig an. Das erklärte Ziel: ein positiver Cash-Flow. Zweistellige EBIT-Margen werden erst "nach der Krise" wieder angepeilt. Im Vorjahr verschlechterte sich die EBIT-Marge von 9,6 auf 6,7 Prozent.

Auch an seine Dividendenpolitik will der börsenotierte Konzern dann wieder anknüpfen. "Sobald sich die Wirtschaft wieder erholt" seien wieder Ausschüttungsquoten von 30 bis 50 Prozent des Nettogewinns geplant, stellte Finanzvorstand Thomas Spitzenpfeil in Aussicht. Die Kernaktionäre des Konzerns sind die Stiftungen der Familien Zumtobel, die 34 Prozent der Unternehmensanteile halten. (APA)

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