Rotes Kreuz fordert Erleichterungen für Gazastreifen

29. Juni 2009, 06:50
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Küstengebiet nach zweijähriger israelischer Blockade am Boden

Genf - Angesichts der humanitären Krise im Gazastreifen hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) eine Lockerung der Blockade des Küstenstreifens durch Israel und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen gefordert. Die seit zwei Jahren andauernde Abriegelung des Palästinensergebiets sei einer der Hauptgründe dafür, dass die rund 1,5 Millionen Menschen im Gazastreifen am Ende ihrer Kräfte seien, hieß es in einem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht des IKRK.

Die internationale Gemeinschaft, die Regierungen und die beteiligten bewaffneten Konfliktparteien müssten alles Erforderliche tun, um "den Gazastreifen wieder zu öffnen und für die Bevölkerung ein würdiges Leben zu gewährleisten", hieß es in dem Bericht. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung zu schützen", wird darin der Leiter der IKRK-Delegation vor Ort, Antoine Grand, zitiert. "Aber bedeutet das für 1,5 Millionen Menschen in Gaza, dass sie nicht das Recht auf ein normales Leben haben?"

Blockade behindert Wiederaufbau

Vor allem verhindere die Blockade den Wiederaufbau des Gazastreifens nach dem Gazakrieg von Ende Dezember bis Januar. Während der rund dreiwöchigen israelischen Offensive waren mehr als 1400 Palästinenser getötet worden. Ziel des Einsatzes war ein Stopp des Beschusses aus dem Gazastreifen. Ein halbes Jahr nach der Offensive seien "die Bewohner des Gazastreifens nicht imstande, ihr Leben wieder aufzubauen und versinken immer tiefen in der Verzweiflung".

Die ärmsten Bewohner des Küstengebiets könnten das tägliche Leben kaum noch meistern und seinen häufig dazu gezwungen, ihre Hab und Gut zu verkaufen, um genug zu essen zu haben, zitiert der Bericht Grand weiter. Viele Kranke könnten nicht behandelt werde, weil die Krankenhäuser kein Material hätten. Weil kein Baumaterial in den Gazastreifen importiert werden könne, lebten viele Menschen in Behelfsunterkünften oder Kriegsruinen. Insgesamt liege die Wirtschaft in dem Territorium am Boden, die Arbeitslosigkeit sei auf Rekordniveau und die Bevölkerung leide unter einem extrem niedrigen Lebensstandard.

IKRK fordert Einfuhr-Erleichterung für Baustoffe

Die 4,5 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro), die von den Geberländern zum Wiederaufbau des Gazastreifens zugesagt worden seien, könnten zudem mangels Baustoffen und anderer wichtiger Materialien kaum eingesetzt werden.

Als Konsequenz forderte das IKRK Erleichterung für die Einfuhr von Medikamenten und Baustoffen, vor allem von Zement und Stahl, in den Gazastreifen, die Aufhebung von Exportbeschränkungen aus dem Küstengebiet, die Öffnung der Grenzübergänge für Menschen und Güter, Zugang für Bauern zu ihren Feldern in der Pufferzone zu Israel und eine Ausweitung der Fischfangzone vor der Küste. (APA/AFP)

 

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