Höchste Alarmbereitschaft der Polizei vor US-Abzug aus Städten

28. Juni 2009, 20:56
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Umfangreiche Kontrollen

Bagdad - Unmittelbar vor Abzug der US-Kampftruppen aus den irakischen Städten ist der Polizei der Urlaub gestrichen worden. "Sie sind im ganzen Land im voller Stärke präsent, zu hundert Prozent", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Bagdad. Vor dem Hintergrund der zwei schwersten Bombenanschläge seit über einem Jahr in den vergangenen Tagen wurden die Polizisten in die höchste Alarmstufe versetzt. In der Hauptstadt riegelten Polizei und Militär am Sonntag Straßen ab und kontrollierten Fahrzeuge.

Sechs Jahre nach dem Einmarsch der US-Armee gilt der Rückzug der amerikanischen Kampftruppen aus den Städten und Dörfern Ende Juni als ein Meilenstein auf dem Weg des Irak zurück zur Eigenständigkeit. Die zwei Anschläge in den jüngsten Tagen mit über 150 Toten nährten jedoch Zweifel, ob die einheimischen Sicherheitskräfte der Lage ohne Unterstützung Herr werden können. Vertreter der USA und des Irak haben vor einer Zunahme der Gewalt im Vorfeld des 30. Juni sowie der Parlamentswahl im Jänner gewarnt.

Einige wenige US-Einheiten werden auch über den Juni hinaus in städtischen Zentren bleiben, um die irakischen Truppen auszubilden und zu beraten. Darunter befinden sich Spezialkräfte und Einheiten zur Steuerung von Aufklärungsflugzeugen. Außerhalb der Städte können die amerikanischen Kampftruppen weiter agieren. Die Einsätze sollen aber mit den irakischen Behörden abgesprochen werden.

US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag seine Kritik an der irakischen Regierung bekräftigt, dass der politische Fortschritt im Land zu wünschen übriglasse. Die größte Herausforderung im Irak sei, die Kluft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu überwinden. Beobachter befürchten, dass die schiitisch geprägten Sicherheitskräfte ihre Macht missbrauchen und mit übertriebener Härte gegen die Sunniten vorgehen könnten.

Die sunnitische Minderheit hatte viele Jahre die Macht im Irak inne. Seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein haben die Schiiten die Oberhand. Auch der Regierungschef Nuri al-Maliki ist ein Schiit. In einigen unruhigen Städten mit gemischter Bevölkerung wie Kirkuk und Mossul wurden die US-Truppen bisher als einzige neutrale Gruppe gesehen.

Die USA haben derzeit rund 130.000 Soldaten im Irak stationiert. Bis August 2010 sollen die Kampftruppen aus dem Golf-Staat in die Heimat zurückkehren, bis 2012 die übrigen Soldaten folgen. (APA/Reuters)

 

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