Schusswechsel zwischen verfeindeten Parteien

28. Juni 2009, 21:08
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Feuergefecht in Beirut zwischen prowestlichen Sunniten und Schiiten - Ein Toter und zwei Verwundete

Beirut - Drei Wochen nach der Parlamentswahl ist die politische Gewalt im Libanon eskaliert und erstmals wieder Blut vergossen worden. Auf den Straßen der Hauptstadt Beirut lieferten sich prowestliche Sunniten und Schiiten, die der Hisbollah nahestehen, ein Feuergefecht, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Eine Zivilperson wurde den Angaben zufolge getötet und zwei weitere verwundet.

Den Sicherheitskreisen zufolge standen sich bei den Straßenkämpfen Anhänger des designierten prowestlichen Regierungschefs Saad al-Hariri und Gefolgsleute von Parlamentspräsident Nabih Berri gegenüber, der mit der Hisbollah verbündet ist. Es waren drei Explosionen und Schüsse aus automatischen Waffen zu hören. Die Armee habe Truppen in das Kampfgebiet geschickt, um für Ruhe zu sorgen, hieß es weiter.

Regierungsauftrag

Im Mai 2008 war es in Beirut zu schweren Zusammenstößen zwischen den gleichen verfeindeten Gruppen gekommen. Damals gelang es der Hisbollah zusammen mit Berris Amal-Organisation vorübergehend, sunnitische Stadtviertel unter ihre Herrschaft zu bringen.

Einen Tag vor Ausbruch der Kämpfe hatte Präsident Michel Sleimane den 39-Jährigen Hariri mit der Regierungsbildung beauftragt. Als Ministerpräsident tritt Hariri die Nachfolge von Fouad Siniora an. Er versprach, auch mit politischen Kontrahenten zusammenzuarbeiten, um eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.

Er strebe eine Regierung an, "die etwas erreichen kann, frei von Hemmnissen und Lähmung", sagte Hariri. Dies wurde als Hinweis gewertet, dass der künftige Ministerpräsident nicht bereit ist, der Hisbollah und ihren Verbündeten im neuen Kabinett ein Veto-Recht einzuräumen - anders als sein Vorgänger, der im Juli vergangenen Jahres nach einer monatelangen Staatskrise eine Regierung der nationalen Einheit gebildet hatte. Das faktische Vetorecht der Hisbollah hat die Arbeit der Regierung gelähmt, dem zerrissenen Land aber ein Jahr der relativen Ruhe beschert.

Saad al-Hariri, der Sohn des 2005 ermordeten Exregierungschefs Rafik al-Hariri, muss sich nun im Parlament nach Bündnispartnern umsehen. Schon nach seinem Wahlsieg hatte er erklärt, er reiche der Opposition die Hand zur Zusammenarbeit.

Das prowestliche Bündnis unter Führung der Sunniten hatte die Parlamentswahl Anfang Juni gewonnen. Es errang 68 der 128 Mandate, die antiisraelische und militante Hisbollah und ihre Verbündeten kamen auf 57 Sitze. Drei Mandate gingen an unabhängige Politiker. Hariris Nominierung zum Ministerpräsidenten gingen Konsultationen des Präsidenten mit den Abgeordneten voraus. Dabei sprachen sich eine deutliche Mehrheit von 86 Parlamentariern für Hariri als Regierungschef aus. (APA/AP)

 

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