Neues Gesetz

Aus für russische Kasinos

28. Juni 2009, 20:07

Neues Gesetz ab 1. Juli verbietet Glücksspiel - Verbliebene Glücksspiel-Reservate werden erst in vier Jahren bezugsfertig

Ein funkelnder Sternenhimmel spannt sich über das Oberdeck. Im Admiralitätssalon wird gerade das Dinner serviert. Ein Deck weiter unten rollt die Roulettekugel, werden Karten gemischt und die Einsätze erhöht. Dieses Schiff kreuzt nicht in der Karibik, sondern hat an Moskaus Vergnügungsmeile am Neuen Arbat angelegt. Das Kultur- und Unterhaltungszentrum Arbat, das Restaurants, eine Disco und eines der größten Kasinos der russischen Hauptstadt beherbergt, ist bis ins kleinste Detail einem Kreuzfahrtschiff nachempfunden.

Der Eintritt in die Spielewelt kostet 100 US-Dollar. Der Mindesteinsatz beim Roulette beträgt 50 US-Dollar. Ein einträgliches Geschäft. Laut Schätzungen von PricewaterhouseCoopers wurden 2008 in der russischen Glücksspielbranche 3,6 Milliarden US-Dollar (2,5 Mrd. Euro) umgesetzt. Andere Schätzungen gehen sogar von 5,5 Milliarden US-Dollar aus.

Neues Gesetz

Doch damit soll ab 1. Juli Schluss sein. Dann tritt ein Gesetz in Kraft, das das Glücksspiel in Russland verbietet soll. "Glücksspiel ist wie die Alkoholisierung der Bevölkerung", sagte Putin, der das Gesetz initiierte. Rund fünf Prozent der russischen Bevölkerung gelten als spielsüchtig. Die Spielhallen werden zudem oft mit organisierter Kriminalität und Geldwäsche ins Verbindung gebracht.

Croupier Dima ist ratlos: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht". Er hofft noch immer, dass das Gesetz in letzter Minute noch verschoben wird. Alleine in Moskau sollen durch das Verbot rund 30.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Die Stadtverwaltung hofft, dass aus den Kasinos Supermärkte, Restaurants und Konzertsäle werden. Einige Kasinos machen als Poker-Sportclubs weiter. 2007 wurde Poker in Russland als Sportart offiziell anerkannt.

Vier Ausnahme-Zonen

Ausgenommen vom Glücksspielverbot sind vier Zonen: In Kaliningrad, in Wladiwostok, im Altai-Gebirge und am Asowschen Meer darf weiter gezockt werden. Doch diese Reservate sind alles andere als bezugsfertig. Es fehlt an der einfachsten Infrastruktur: Strom, Wasser, Straßen. Der Chef der Agentur zur Verwaltung der Sonderwirtschaftszonen, Andrej Alpatow, hat eingeräumt, dass die Kasinos dort erst in vier bis fünf Jahren in Betrieb gehen werden.

Die drei größten Kasinobetreiber Russlands, Ritzio Entertainment, Storm International und Jackpot, haben daher bereits abgewinkt. Sie bauen lieber neue Kasinos in Osteuropa. Auch die Casinos Austria, die in der Vergangenheit ihr Interesse an der Glücksspielzone Asow City bekundeten, stehen auf der Bremse. Man wolle das "Sahnehäubchen" auf einer bereits fertigen Kasino-Stadt sein, sagte ein Sprecher.  (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2009)

Kommentar posten
24 Postings
Jan Sommer
00
Wie gewünscht hat sich die russische Mafia durchgesetzt !


Endlich kann wieder so richtig abkassiert werden !

Nur wenn das Glücksspiel illegal betrieben wird
- in Russland überhaupt kein Problem so lange man die "richtigen" Leute organisieren und abkassieren lässt -
braucht man keine Steuern zu bezahlen und kann die Leute so richtig schön ausbeuten.

Der Putin wird schon wissen, warum diesen seltsamen Schritt gemacht hat und welche tatsächlichen Auswirkung das hat !

Nur besondere Naiverln glauben er hätte das zum "Wohl" des Volkes getan.
js

123papagei
10
29.6.2009, 14:28
schwarz - rot

glücksspiel: während andere aufgrund ungerechter, verlotterter rechtssysteme so wenig haben oder erwerben können, setzen manche unsummen auf s spiel... ekelerregend, primitiv, dumpf, fällt sonst noch wem was ein?....

in diesem falle: bravo putin zum versuch d restaurierung der pol und mor kultur in russland

Zwie Ferl
 
09
29.6.2009, 09:14
Schod!

Dabei ist gerade russisches Roulette besonders spannend und senkt langfristig die Arbeitslosenrate und auch den Anteil der Spielsüchtigen an der Gesamtbevölkerung, Herr Putin!

sergeant colon
04
29.6.2009, 14:46
skurrilerweise heisst das "russische Roulett"

in Russland "Amerikanisches Roulett"

Andrew Jones
00
29.6.2009, 10:12
Sarkasmus, Sarkasmus, Sie immer

unbefriedigter Mensch..

Threonin
12
29.6.2009, 09:04

Auch in Österreich sollte man darüber nachdenken. Das Geld das in den Wettbüros verpulvert wird könnte sinnvoller in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden. Darüber hinaus verursacht Spielsucht viel Familienleid.

martin mayer2
 
01
29.6.2009, 09:17
????

"Wettbüros verpulvert wird könnte sinnvoller in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden"

Was schwebt ihnen denn statt dessen vor? Bzw was ist daran sinnvoller wenn es für Bier oder Zigaretten draufgeht?

Threonin
17
29.6.2009, 09:25

Bier und Zigaretten müssen jedesmal aufs Neue produziert werden. Ein Spielautomat steht einfach nur da und frisst Geld.

Auf Einkaufsstraßen sind Wettbüros die mit Abstand am besten gehenden Geschäfte. Die Umsätze sind enorm. Die Zahl der damit geschaffenen Arbeitsplätze ist im Vergleich gering.

Abgesehen davon ist das Leid einfach riesig. Ich hab am Beginn meiner Studienzeit in einem Wettbüro als Einschreiber gearbeitet. Die Erfahrungen die ich gemacht habe sagen mir, dass Glücksspiel verboten gehört.

Der Leser für die Zeitung
14
29.6.2009, 11:14

Sie haben zwar mit Ihrer Kritik recht, aber nicht mit Ihrer Schlussfolgerung.

Ein Verbot des Glückspiels führt nicht zu dessen Ende, sondern nur zum Abdriften in die Illegalität. Das geringste Übel daran ist noch der Steuerausfall, das viel schlimmere das Anwachsen der Organisierten Kriminalität - auch der gewalttätigen, wenn es zu "Verteilungskämpfen" kommt.

Das Verbot von Glücksspiel und Alkohol hat die amerikanische Mafia von kleinen Gruppen halbverhungerter Straßengangster zu millionenschweren (nach heutigem Geldwert: milliardenschweren) illegalen Unternehmen befördert. Da ist mir - bei aller Kritik - sogar Novomatic noch lieber.

Mucosaprolaps
11
29.6.2009, 12:19

Gerade Novomatic stand im Verdacht, Maschinen von der Zentrale aus zu manipulieren; mir bekannte Mitarbeiter solcher Unternehmer versichern, kein dort Beschäftigter wäre "so deppert, auch nur einen Cent" in die Geldspieler zu stecken.

Wirte hingegen lieben die Maschinen und hofieren die Spielsüchtigen solange mit Schmeichelei und Freigetränken, bis diese ihr restliches Geld eingeworfen haben; der Wirt kriegt ein paar Prozent.

Im Casino gibts den Ausweis-Check, da werden Problemfälle theoretisch nicht bis zu den Geräten gelassen. Ein Verbot von Geldspielautomaten außerhalb von Casinos wäre doch sicher wünschenswert, oder?

George Costanza
14
29.6.2009, 11:56

Vor 10-15 Jahren gab es diesen Wildwuchs an Automaten und Wettbüros noch nicht. Und diejenigen, die heute dort spielen, haben für fünzehn Jahren sicher nicht im illegalen Milleu gespielt.

Das ist eine Regulierungsfrage.

Keyser
00
29.6.2009, 05:32
"Glücksspiel ist wie die Alkoholisierung der Bevölkerung"

Zu herrlich! Budjem sdorowy Herr Putin. :-D Solange Alkohol noch nicht verboten ist -´°`

Michel Berger
32
29.6.2009, 02:59
Putin hin oder her!


Der Ansatz bleibt ein guter.
Spielen um Geld macht süchtig und verursacht teils unglaubliches Leid.

Wer von uns wünscht sich z.B. einen Vater der seinen Monatslohn verzockt, danach heim kommt und seinen Frust an Frau und Kindern abreagiert.

martin mayer2
 
22
29.6.2009, 09:16
gute Idee

Dann verbieten war am besten auch gleich Sex weil es gibt ja auch Leute die Sexsüchtig sind!

Ceeit
10
29.6.2009, 13:22
Beim Sex müssens zumindest nicht alle 10 Sekunden

einen Euro einwerfen (meist zumindest nicht). Zudem stehen Sie das auch nicht 14 Stunden in einem Stück durch.

Schauen Sie einmal den Automatenspielern bewusst zu (egal ob Prater, Baden oder kleines Wettbüro) - die sind getrieben und nicht zum Vergnügen bei der Sache.

Oscar W
11
29.6.2009, 07:55
Genau

den Alkohol verbieten wir auch gleich! sterben ja mehr menschen bzw. sind mehr menschen daran süchtig als am glückspiel! und fussball auch weil wenn arme proleten ihr ganzes geld für saison karten ausgeben (england) ist das auch nicht gut!

ja ja verbieten verbieten!

Andrew Jones
01
29.6.2009, 10:14
Alles kennt seine Grenzen.

harald83
00
29.6.2009, 01:38

dagegen ist österreich ja richtig rückschrittlich. auf 5 von hundert kommen wir in wien auch, wenn automaten mitgerechnet werden.

Michael B
04
29.6.2009, 00:04
Sobald die derezeitigen Casino-Betreiber dann pleite sind, werden sicher Konzessionen an "zuverlässige" Personen ausgegeben.

Die zufällig gute Freunde von Putin sind.
Wetten?

Wynette-Stolz
01
29.6.2009, 02:08

Casinobesitzer in Russland sind die Mafia. Pleite werden sie nicht werden, aber es wird andere Wege geben von den Leuten abzuzocken.

mike sierra
01
28.6.2009, 22:17

In Kaliningrad / Königsberg gibts keine Straßen und keinen Strom? Wasser bezweifelt hoffentlich niemand.

D.S.1
00
28.6.2009, 23:08

Und in Wladiwostok gibts auch keine Strassen, kein Wasser und keinen Strom, oder wie, Frau Diethelm?

Ceeit
00
29.6.2009, 13:23
Nicht für die Flächen, welche für die neuen Glückspielstädte

vorgesehen sind. Da ist bisher wirklich nur Grünland.

Meino Freiheit
06
28.6.2009, 20:31

"russian roulette is not the same without a gun"

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