Der fehlende Kartenmut der Firmen

28. Juni 2009, 19:11
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Die Präsidentin der Salzburger Festspiele, hofft trotz Krise und Antikorruptionsgesetz auf das Erreichen der Budgetziele

Auch zeigt sie sich von Alexander Pereiras Planungstempo beeindruckt. Ein Gespräch.

In wenigen Wochen, am 25. Juli, beginnt eine schwierige Salzburger Festspielsaison: Die Kurzarbeit in vielen Betrieben legt Managern nahe, nicht unbedingt in dicken Audis vorzufahren und vor Kameras Champagner zu schlürfen. Hinzu kommt, dass die Regierung zwar gewillt ist, das Antikorruptionsgesetz abzumildern. Aber in Kraft ist die Novelle noch nicht, weshalb manchem der Mut fehlt, Einladungen zu einer Festspielvorstellung auszusprechen oder anzunehmen. Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Festspiele, muss daher einen "großer Einbruch von 15 Prozent" bei den Kartenbestellungen von Firmen konstatieren.

Sie bleibt gelassen. Denn: "Die Zahl der Individualbesteller ist gegenüber dem Rekordjahr 2008 um sieben Prozent gestiegen. Obwohl wir heuer eher Raritäten als ,Hits' anbieten. Wir sind sehr optimistisch, unser Budgetziel, Karten im Wert von 22,5 Millionen Euro zu verkaufen, erreichen zu können. Derzeit sieht es jedenfalls danach aus."

Beruhigt ist die Präsidentin auch bezüglich der nächsten Jahre, was die Organisation angeht. Intendant Jürgen Flimm, der die Berliner Staatsoper übernimmt, wird nun doch vorzeitig, Ende September 2010, aus dem Vertrag entlassen. Seiner Argumentation, die Saison 2011 praktisch durchgeplant zu haben, wurde Glauben geschenkt: Flimm bekommt für das letzte Jahr nur eine Pauschale. Und die mache, so Rabl-Stadler, nur einen Bruchteil des Intendantengehalts aus. Sein Nachfolger, Alexander Pereira, fühlt sich jedoch verpflichtet, seinen Vertrag in Zürich zu erfüllen. Er wechselt nach Salzburg daher erst im Juli 2012 – unmittelbar vor seinem ersten Sommer. Mit der Programmierung sei er aber schon jetzt fast fertig, sagt Rabl. "Ich bin beeindruckt. Auch 2013 ist praktisch fixiert."

Mit dem ursprünglichen Vertragsende von Flimm, eben Ende September 2011, laufen auch die Verträge aller Hauptverantwortlichen aus. Thomas Oberender wird wohl nicht bleiben: "Pereira will sich einen Schauspieldirektor seines Vertrauens suchen. Mit Konzertchef Markus Hinterhäuser kann er sich hingegen eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen"

Sie selbst würde für eine weitere Periode (mit verkürzter Amtszeit) zur Verfügung stehen: "Ich bin weder amtsgeil noch amtsmüde. Wenn ich bleibe, dann kürzer als der Intendant. Es ist nicht sinnvoll, wenn zur gleichen Zeit das gesamte Team ausgetauscht wird." Denn: Unter dem Jahr ist das Festival ein mittelgroßer Betrieb (190 Arbeitnehmer). Mit 1. Juli wächst es für zwei Monate jedoch zum größten Arbeitgeber des Landes Salzburg an (3600 Mitarbeiter).

Dass ihr der künftige Intendant beim Akquirieren von Sponsorgeldern in die Quere kommen werde, befürchtet Rabl-Stadler nicht: "Alexander Pereira bietet mit seinem Bauchladen diverse Produktionen an – ich hingegen suche Generalsponsoren, deren Gelder in alle Produktionen fließen. Das sind zwei völlig verschiedene Modelle, die sich ergänzen." (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 29.06.2009)

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