"Meine Träume werden nicht billig"

28. Juni 2009, 19:08
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Der designierte Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, plant große, teurere Pro­jekte - Im STANDARD-Interview

Ljubisa Tosic sprach mit ihm über seine Bestellung, die Kunst der Finanzierung und Konzertchef Markus Hinterhäuser.

Standard: Was glauben Sie, warum hat sich das Kuratorium für Sie entschieden?

Pereira: Keine Ahnung. Beim Gespräch mit der Findungskommission hat man mich gefragt, was ich über die Strukturen denke, was sich inhaltlich ändern sollte. Dann haben wir uns in die Themen hineingegraben – das Gespräch, das eineinhalb Stunden hätte dauern sollen, war dann nach drei Stunden vorbei. Ich dachte, ich werde es sowieso nicht, aber dieses Gespräch hat immerhin Spaß gemacht.

Standard: Wollte man nach Mortier, Ruzicka und Flimm nun eine sogenannte "österreichische" Lösung?

Pereira: Meine Herkunft hat mir sicher nicht geschadet, das stimmt.

Standard: Dies war nun quasi Ihr drittes Antreten für Salzburg. Einmal wurde Ihnen Mortier vorgezogen, dann stellten Sie Forderungen nach Strukturveränderungen, was Ihnen auch eher geschadet hat. Diesmal schienen Sie konzilianter zu sein.

Pereira: Damals, beim zweiten Mal, bin ich mir quasi selbst im Wege gestanden. Diesmal hatte ich komischerweise nicht diesen Drang, im Vorhinein alle ändern zu wollen. Man kann das ja auch während des Jobs tun. Es gibt nun einmal das Festspielgesetz. Und es gibt die Angst, etwas zu ändern. Akzeptieren wir also die Struktur. Im Laufe der Jahre kann man dann manches diskutieren.

Standard: Immerhin heißt es, es könnten nun die Wiener Philharmoniker ins Direktorium einziehen.

Pereira: Ich bin vonseiten einiger Salzburger Akteure darauf angesprochen worden, es war nicht mein Idee. Ich hätte kein Problem damit, wenn die Philharmoniker – wohlgemerkt: in beratender Funktion – dabei wären. Ich muss mich ja sowieso mit ihnen beraten, also habe ich sie lieber mit allen Informationen dabei, damit sie einen Teil der Verantwortung mittragen können. Die Gespräche mit ihnen laufen gut. Sie sind ein positiver Einfluss auf Salzburg, und das wird noch deutlicher werden.

Standard: Aus der Entscheidung für Sie könnte man auf ein übersteigertes Sicherheitbedürfnis der Verantwortlichen schließen, auf eine Angst vor Erneuerung.

Pereira: Sicherheitsbedürfnis würde ich das nicht nennen. Eher war es vielleicht die Suche nach jemandem, der sich den höchsten Qualitätskriterien verpflichtet fühlt und gleichzeitig auch die Fähigkeit hat, das Ganze auszufinanzieren. Die Träume, die ich für Salzburg hege, werden nicht billig. Und manche davon wird man nur mit neuem Geld verwirklichen können.

Standard: Sie haben also der Findungskommission versprochen, Sponsoren mitzubringen?

Pereira: Nein, ich habe nie gesagt, dass ich Geld mitbringe. Aber wer mich kennt, weiß, dass bei mir immer die Frage mitläuft, wer helfen könnte. In Zürich wurden alle zehn Uraufführungen von Sponsoren unterstützt. Aber seien Sie sicher, dass ich auch die öffentliche Hand an ihre Verpflichtungen erinnern werde. Meine Erfahrung ist jedoch: Je mehr Geld ich in der Tasche habe, desto stärker ist meine Position vor Politikern. Wenn man mit leeren Händen kommt, wird man abgeschmettert.

Standard: Etwas zu Ihrem Programmkonzept?

Pereira: Da muss ich vorerst unkonkret bleiben, aber klar ist: Was in Salzburg passiert, muss Ausstrahlung haben auf unheimlich viele Leute. Es braucht Exklusivität der Projekte, die Festspiele sind kein Zweitverwerter. Mir schwebt zudem eine Gruppe von Künstlern vor, die mich während meiner Salzburger Jahre begleitet; ich möchte tendenziell mit wenigen Leuten viel machen. Ich hoffe auch, dass Nikolaus Harnoncourt Oper macht. Ich will auch jährlich moderne Opern bringen, möglichst Uraufführungen. Auch wünsche ich mir regelmäßige Kooperationen mit Staatsoper und Burgtheater. Klar ist die Zeit knapp, 2012 ist ja gestern, nicht morgen! Ich telefoniere wie ein Wahnsinniger!

Standard: Was sagen Sie zum alten Vorwurf, Society-Events würde in Salzburg allzu sehr dominieren?

Pereira: Es können die Leute schwatzen, wie sie wollen. Solange es die Aufführungen nicht tangiert, ist es in Ordnung. Die Premiere findet auf der Bühne statt, sonst nirgends.

Standard: Wird Markus Hinterhäuser Konzertchef bleiben?

Pereira: Er hat sehr fantasievoll gestaltet, ich würde mir wünschen, dass er weitermacht, mich als Partner akzeptiert. Aber er muss sagen, ob er das will.

Standard: Werden Sie wie einst Peter Ruzicka 2012 bei Ihrem Antritt eine Eröffnungsrede halten?

Pereira: Nein, ich bin Spontanredner, ich bin unfähig, mich schriftlich vorzubereiten.

Standard: Waren Sie früher im Sommer immer in Salzburg?

Pereira: Ein paar Tage immerhin. Das Problem ist eben: Wenn Sie zehneinhalb Monate Saison haben, brauchen Sie eine Phase, nur um Ihre Ohren zu löschen.

(DER STANDARD/Printausgabe, 29.06.2009)

Zur Person:
Alexander Pereira (1947) war Chef des Wiener Konzerthauses und Intendant der Züricher Oper.

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    Der Wiener Alexander Pereira ist bereits mitten in der Planung für sein erstes Salzburger Jahr, also für 2012. Ihm schwebt eine Art Künstlerfamilie vor, die den Festspielen ein Gesicht gibt. Pereira möchte "mit wenigen Musikern viel machen" und hat sicher auch schon Gespräche mit Sponsoren für einzelne Projekte geführt ...

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