Airbus erhöht den Druck auf FACC

28. Juni 2009, 19:03
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Das oberösterreichische Unternehmen brauche mehr Finanzstärke und Nähe zu Airbus-Werken

Tianjin/Toulouse/Ried i. Innkreis - Der Konsolidierungsdruck auf die Flugzeugzulieferer steigt. Das spürt zusehends die oberösterreichische FACC, die bei Airbus als Toplieferant ("Tier 1") selbstständig Bauteile entwickelt, vorfinanziert und somit am Risiko eines Flugzeugprogramms beteiligt ist.

Mit neuen Modellen wie dem Airbus A350 soll sich die Zahl der Zulieferer von weltweit mehr als 2000 weiter reduzieren. Beim A350 sogar auf nur mehr 15. "Es steht außer Frage: Der Trend geht dahin, dass Zulieferer größere Komponenten-Pakete pro Flugzeugtyp herstellen. Zulieferer benötigen daher eine starke Finanzierung", erläutert Tom Williams, Airbus-Executive-Vizepräsident für Programme, in Tianjin anlässlich der Auslieferung des ersten in China gebauten Airbus A320.

Ob FACC auch weiterhin mit Aufträgen als Toplieferant bei Airbus beteiligt bleiben wird, will Williams im STANDARD-Gespräch nicht bestätigen: "Ich glaube, FACC hat dazu Potenzial, und hoffe, dass sie die finanziell kritische Masse aufbauen können." Er deutete an, FACC verfügte noch nicht über die nötige Kapitalstärke, um sich als Toplieferant langfristig abzusichern - trotz des Engagements in Abu Dhabi mit Mubadala Development Company, wo ein Flugzeugkomponentenwerk in Karbonfaser-Bauweise errichtet wird. "FACC war immer ein guter Partner. Und zwar einer, der Risiko aufnimmt, Bauteile selbst zu entwickeln. Doch dieser Umstand der Risikoinvestition wird für FACC künftig zu einer großen Herausforderung", sagt Williams, der den Umstand, "dass Österreich kein traditionelles Niedriglohnland ist", als Problem sieht. Erschwerend komme hinzu, dass die Flugzeugindustrie in Dollar fakturiert.

"Nichts ist für ewig"

Airbus empfiehlt seinen Zulieferern, sich nächst der Airbus-Werke, etwa im chinesischen Tianjin, anzusiedeln. Das minimiere Transport- wie auch Personalkosten.

FACC-Chef Walter Stephan ist sich der Problematik bewusst: "Wir sind über ein Jointventure bereits seit 2003 in Schanghai und Tianjin für Boeing vertreten. Nun überlegen wir bezüglich Airbus Alternativen in Tianjin." Er betont, dass für FACC beim Airbus A350 die Verträge als Topzulieferer "absolut passen. Aber der Druck in unserer Branche wird erhöht. Und wir wissen: Nichts ist für ewig", resümiert Stephan. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2009)

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