Wahlbeschwerden

Rafsanjani fordert "faire" Prüfung

28. Juni 2009 18:32

Ex-Präsident bricht sein Schweigen nach dem umstrittenen Urnengang - Spekulationen über Machtkampf in Teherans Führung

Teheran - Der frühere iranische Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani, ein Gegner von Präsident Mahmoud Ahmadinejad, hat am Samstag eine "faire und sorgfältige" Prüfung der in Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl von 12. Juni eingegangenen Beschwerden gefordert. Der als Pragmatiker geltende Politiker beendete damit sein Schweigen seit dem Ende des umstrittenen Urnengangs.

"Verschwörung"

Rafsanjani bezeichnete die Entwicklungen nach der Wahl als Ergebnis einer "Verschwörung" verdächtiger Elemente, die das Volk und das islamische System spalten und das Vertrauen der Menschen erschüttern wollten. "Überall wo Menschen mit ganzer Wachsamkeit aufgetreten seien, seien diese Pläne gescheitert", sagte er nach Angaben der Nachrichtenangenturen ISNA und IRNA ohne nähere Angaben.

Der 75-jährige Rafsanjani gilt seit der Gründung der islamischen Republik als einer der einflussreichsten Persönlichkeiten im Iran. Er hatte im Wahlkampf Ex-Premier Mir-Hossein Moussavi unterstützt. Beobachter erwarten, dass Rafsanjani einen wichtigen Beitrag zur Lösung der gegenwärtigen Krise im Iran leisten könnte.

Der iranische Geheimdienstminister Gholamhossein Mohseni-Ejei hat am Sonntag versichert, dass es bei den Präsidentschaftswahlen am 12 Juni keinen organisierten Wahlbetrug gegeben habe, der das Ergebnis hätte beeinflussen können. Im staatlichen Fernsehen erklärte der Minister weiters, die USA und Israel wollten mit ihren Wahlbetrugsvorwürfen die Islamische Republik destabilisieren.

"Amerikaner und Zionisten", so Mohseni-Ejei, hätten schon Monate vor der Wahl über die Möglichkeit eines Betrugs gesprochen. Diese Linie hätten sie auch nach der Abstimmung beibehalten.

Spekulationen über Machtkampf

Der Machtkampf im Iran scheint sich an diesem Wochenende von der Straße in das "Herz des Regimes" verlagert zu haben. Zu diesem Schluss kommt der Teheran-Korrespondent der britischen Zeitung "Guardian" unter Berufung auf Berichte, wonach der als Pragmatiker geltende Ex-Präsident Ayatollah Hashemi Rafsanjani derzeit versuche, die Machtbasis des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei zu unterminieren.

Die gegen Khamenei gerichteten "Manöver" Rafsanjanis erfolgten parallel zu immer offensichtlicher werdenden Spannungen zwischen Parlamentspräsident Ali Larijani und Präsident Mahmoud Ahmadinejad, so das Blatt. Während es den Sicherheitskräften und Milizen gelungen sei, die Straßenproteste der Anhänger des offiziell unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Moussavi wirksam niederzuschlagen, vertiefe sich die Kluft innerhalb der Führung der islamischen Republik.

Parlamentsausschuss

In den vergangenen Tagen hatte Larijani - der von Ahmadinejad als Atomunterhändler gefeuert worden war - seine Absicht erklärt, einen Parlamentsausschuss einzurichten, der die Gewaltausbrüche nach den Präsidentschaftswahlen in objektiver Weise untersuchen soll. Daraufhin erörterten Ahamdinejad-Anhänger unter den Parlamentariern, wie der Präsident des Majlis abgesetzt werden könnte.

Gleichzeitig soll Rafsanjani versuchen, Mitglieder der 86-köpfigen mächtigen Expertenversammlung, der er vorsitzt, für den Plan zu gewinnen, Khamenei durch ein kleines Gremium hochrangiger Ayatollahs zu ersetzen, dem auch der jetzige Oberste Führer angehören solle. Sollte Rafsanjani mit diesem Vorhaben Erfolg haben, könnte dies eine grundlegende Machtverschiebung innerhalb des theokratischen Systems zur Folge haben.

"Obwohl Hashemi Rafsanjani im Iran kein populärer Politiker mehr ist, so ist er doch die einzige Hoffnung die die Iraner haben...um eine Annullierung der Wahlen zu erreichen", zitierte der "Guardian" einen namentlich nicht genannten politischen Analysten. "Er ist der einzige, der nach Meinung der Iraner dem Obersten Führer die Stirn bieten kann".

Die Expertenversammlung, der die Wahl des Obersten Führers obliegt, ist in Anhänger Rafsanjanis und eine Gruppe um den einflussreichen Hardliner-Mullah Mohammad-Taqi Mesbah Yazdi gepalten. Letzterer gilt als Unterstützer Ahmadinejads und dessen Mentor Khamenei. Yazdi werden aber auch eigene Ambitionen nachgesagt, Khamenei in dessen jetziger Funktion abzulösen. Er soll zudem viele Anhänger unter den Revolutionsgardisten und Basij-Milizionären haben. (APA)

Kommentar posten
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Ahmed Ibrahim
29.06.2009 14:34
Rafsangani war die Letzte Hofnung, um eine Unruhe in Iran zu bringen

Er hat aber auf seinen Differenzen mit Nagadi verzichtet, weil er gesehen hat, dass die Unruhe von den Westen und Feinden von Iran angestiftet ist.

MarioV
30.06.2009 12:44

[...<]die Unruhe von den Westen und Feinden von Iran angestiftet ist.[>...]
Noch viel schlimmer. Von bösen außerirdischen Mächten, verbündet mit dem Teufel.
Die haben die Gehirne der Demonstranten manipuliert.
;-)

Der Alte vom Berge
30.06.2009 08:30
Hojjatieh...

...ist der Feind des Iran,denn Ihre Anhänger gefärden das Gleichgewicht, ja selbst die Umma, durch Ihre Ungeduld. Iran ist kein Apfel den man einfach wie ein Dieb in die Taschen steckt. ^^

Der Alte vom Berge
30.06.2009 08:02
Regierungen...

...geistlicher Prägung zu untergraben ist ein altes Ziel diverser constructiver Kräfte.Die islamische Expansion,Wiege des Chomeinismus,welche Persien einer Umgestaltung zuführen sollte ist ebenso gescheitert wie der zeitgleich eingeleitete Versuch der Wahabiten über verdeckte Finanzierung asymetrische Konzepte in die rasenden Speichen jenés Rades zu werfen das sich auf Zentralasien zubewegt.Begehrlichkeiten strategisch agierender Blöcke artikulieren sich im betroffenen arabischen Raum über gesellschaftspolitische Prozesse deren Einleitung die Dimension der angedachten Umgestaltung auf globaler Ebene sichtbar gemacht hat.Erste Zielsetzung ist Ressourcensicherung,es geht um globale Reserven. Wer Besseres begehrt, soll Einfacheres erfahren.^^

Haushälterin Steffi Oberholzenberger
30.06.2009 07:43
Beweise!

Girgl Galgenstein
29.06.2009 15:45
Na, dann ist ja alles in Butter

Die Menschen leben glücklich und zufrieden mit Pressezensur, Versammlungsverboten, der Missachtung fundamentaler Menschenrechte unter einem Schleier. Was will man mehr. Glückliche Menschen dort? Aber Ihrer Meinung nach spielt dies alles keine Rolle. Bürgerliche Freiheiten braucht eh niemand. Sind nur übles Gift, das der Westen versprüht.

Ahmed Ibrahim
29.06.2009 16:01
widmen Sie Ihre Bestrebung an den menschenrechtlichen Grundsätze für deine Umgebung

Die Menschen können dort, ihre Rechte selbt zu verteidigen
Verschibung bringt nichts für den sog. Menschenrechte

Der Alte vom Berge
29.06.2009 12:59
Mahmud Ahmadinedschad ist...

...eine austauschbare Figur,selbst für jene Kräfte die ihn Dahin gehoben haben wo er Heute steht,auch Ali Chamenei wird sich vonihm Distanzieren,sollte sein bisher enger Schulterschluss im zum Nachteil werden.Der religiöse Führer Irans ist innerhalb des
geistlichen Lagers mittlerweile isoliert,ist er ein Bündnis eingegangen mit den Revolutionswächtern,den Milizen,und auch der vom
Präsidenten unterstützten Hojjatieh,aber wie jeder Mächtige ist auch er bereit Alles und Jeden zu Opfern um seine Macht zu behalten. Die von Akbar Hashemi Rafsandschani gegründete "Komission" könnte Mohammad Mesbah Yazdi`s Netz zerreissen,gelänge es ihr Nachzuweisen,Ali Chamenei habe nicht ausgewogen und unparteiisch gehandelt wie es die Verfassung gebietet. ^^

Der Alte vom Berge
29.06.2009 13:51
Mir scheint,...

...so möcht ma meinen, es wird auch Ali Chamenei ein Platz angeboten,Alternative zu Mesbah Yazdi geschaffen. ^^

Ludovico Settembrini
29.06.2009 08:11

als kind hab ich mich immer gefreut, wenn der name dieses herrn in radio oder fernsehen erwaehnt wurde.

ich dachte er hiess: raffzahn schani

Mo Ra
 
29.06.2009 17:48

naja, mit dem "Raffzahn" hatten Sie ja nicht ganz unrecht :)

Eddi der Große
29.06.2009 02:22

Wenn Rafsandjani angeblich so mächtig ist wie im Artikel dargestellt, warum konnte er dann die Wahlfälschungen zugunsten Achmadinedschads nicht verhindern? Rafsandjani unterstützte nachdrücklich Moussavi und spuckte vor der Wahl große Töne, die Reformer würden Wahlfälschungen verhindern können. Außerdem wird im Artikel verschwiegen, daß Rafsanjani die Bildung der Sonderkommission des Wächterrates unterstützt und die unterlegenen Kandidaten aufforderte, mit dieser zu kooperieren, was von Moussavi und Karroubi aber abgelehnt wurde. Rafsandjani sagte auch, daß die Streitigkeiten über den Wahlausgang durch die vorhandenen zuständigen staatlichen Organe gelöst werden müssten, sprach sich somit gegen eine unabhängige Prüfung aus.

Gugi62
 
29.06.2009 09:29
Was für eine Geseelschaft

Die beiden Herren sind zwar geteilter Meinung, sind jedoch Diebe und Scharlatane, die darauf aus sind das Volk, jeder auf seiner einege Weise, zu unterdrücken und zu kechten.
In einer Gesellschaft, in der die meisten führende Kräfte korrupt sind, wäre ein korrekter Wahlgang ein Wunder.
Das ist wie beim Pokern, wo jeder Spieler falsch spielt. Keiner wird den andaren auffliegen lassen, denn er könnte ja selbst auffliegen

kretin
29.06.2009 01:15
Gott lob'!

Im Iran wimmelt es anscheinend ja nur so von Führern, Obersten Führern, Ex-Führern... Da lobe ich mir doch das christliche Abendland: Wir können und dürfen immerhin auf unsere Führer schei....

Der Cygeuner
29.06.2009 11:59
Mein Lieber ...

... sein's bloss vorsichtig mit dem Wort "Führer"! Wenn's Abendland erst wieder in fest in Christenhand sein wird, dann sitzen's wegen Führerbeleidigung schneller im Kriminal als Sie heut' glauben! :-D

waterlily
29.06.2009 11:34

Mit dem christlichen Abendland hat das aber recht wenig zu tun (sehen Sie sich doch mal ein Geschichtsbuch an!!)!

Kowosch
 
29.06.2009 10:48

"Da lobe ich mir doch das christliche Abendland: Wir können und dürfen immerhin auf unsere Führer schei...."

Das können Sie z.B. im nicht-christlichen Japan aber auch.

Und konnten es im christlichen Abendland vor 70 Jahren auch nicht überall.

geronimos cadillac
29.06.2009 00:45

ohne demos, tote und verletzte, kaum noch postings zu den vorgängen im iran. ob da nicht die mullahs ihre finger im spiel haben...

Der Alte vom Berge
29.06.2009 00:29
Step...

...by Step. ^^

Miss Understanding
28.06.2009 23:40

Jetzt kommt er daher mit ein paar sinnlosen, kryptischen Aussagen...


Mo Ra
 
29.06.2009 07:55

ich habe den gesamten Brief gelesen und glaube an mehreren Stellen Drohungen gegen Khamenei herauszulesen.
Was meint ihr?

der Brief in voller Länge (allerdings nur auf persisch): http://www.fardanews.com/fa/pages/?cid=84686

Miss Understanding
29.06.2009 13:23

gibt's den auch auf englisch?

Mo Ra
 
29.06.2009 13:52

nicht, dass ich wüßte.
Aber er schreibt unter anderem mit Blick auf Ahmadinejad:
"...zu einem günstigen Zeitpunkt werden aber die Verfehlungen, die unausgesprochenen Unrechtmäßigkeiten der Wahlen und die Taten der 9ten Regierung sicherlich dem Volke und der Geschichte zugänglich sein"

Insgesamt wirklich sehr kryptisch. Hauptsächlich geht es darum, dass er keinen Kandidaten unterstützt hätte, und Ahmadinejad (den er mehrmals beim Namen nennt und angreift) ihm und seiner familie Unrecht getan hätte und zwar öffentlich etc.

Aber es gibt Passagen, die ich etwas anders deute.

sturmerr
28.06.2009 23:54

Nachdem mein Posting nicht erscheind, - sind Sie es die es vielleicht besser und kurz richtig sagt!

Ahmed Ibrahim
28.06.2009 22:56
stammt die Aussage von Rafgansani aus Twitter ?

ich versuchte die Aussage zu bestätigen, bekam aber Keine Bestättigung
daher empfiele ich die Poster mehr über die Twitter zu lesen
http://openanthropology.wordpress.com/2009/06/1... evolution/
by Maximilian Forte,der als ein canadischer Sozialwissenschaftler tätig ist

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