US-Klimaschutz: Trippelschritte

28. Juni 2009, 17:59
15 Postings

Gemessen an den Winkelzügen des George W. Bush ist der von Obama initiierte Klimawandel nachgerade revolutionär

Dass sich ausgerechnet die chinesische Regierung, weltweit zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, darüber alteriert, dass US-Präsident Barack Obamas Klimaschutzgesetz unzureichend sei, ist pikant. Gemessen an den Winkelzügen des George W. Bush, der Europa in das Kioto-Protokoll geradezu hineingejagt hat, um es hinterher zu torpedieren, ist der von Obama initiierte Klimawandel nämlich nachgerade revolutionär.

Gut stünde der Regierung in Peking hingegen eine Intensivierung ihrer Umweltschutzinitiativen an. Dreckschleudernde Stahlwerke und energievergeudende Fabriken wird es im Reich der Mitte auch nach der Wirtschaftskrise zuhauf geben. Und was ehrgeizigere Klimaziele bewirken, hüpft Europa der Welt gerade eindrücklich vor: Ohne Wirtschaftskrise gäbe es in der EU so gut wie gar keine Besserung, der Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes ist fast ausschließlich dem massiven Einbruch bei den Produktionskapazitäten geschuldet. Österreich konterkariert seine (unerreichbaren) Luftziele sogar, die Emissionen sind 2008 stärker gestiegen als in Rest-Europa. Von Senkung keine Spur.

Stimmt, revolutionär klingt nur das Ziel der Amerikaner, die Emissionen bis zum Jahr 2050 um 83 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Bis 2020 sollen Industrie, E-Wirtschaft und Verkehr "nur" 17 Prozent Treibhausgase einsparen. Das als Jobkiller-Programm zu geißeln, wie es die Republikaner tun, zeugt vom selben Unverständnis, das die US-Autoindustrie eindrucksvoll an den Abgrund geführt hat. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2009)

 

Share if you care.