Nur noch acht Gewerkschaften

28. Juni 2009, 17:56
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Nächste Fusion: Künstler und Freiberufler werden künftig von den Gemeindebediensteten vertreten

Wien - Heute, Montag, steht die nächste Fusion im ÖGB an: Am Nachmittag werden sich die 9255 Mitglieder der kleinsten Gewerkschaft, Kunst, Medien, Sport, Freie Berufe (KMSfB), den 146.191 Mitgliedern der Gemeindebediensteten (GdG) anschließen. Zum Bundeskongress am Dienstag gibt es dann nur noch acht Teilgewerkschaften. Die sehr heterogene KMSfB hatte in 20 Jahren massiv Schulden aufgebaut. Damals versuchte sie, eine eigene Künstlervermittlungsagentur zu betreiben, bekam dafür aber keine Subvention vom Sozialministerium.

Zuletzt ging es um einen Fehlbetrag von etwa sechs Millionen Euro, dessentwegen die Künstlergewerkschaft ihre eigene Tätigkeit massiv zurücknehmen musste. Seit dem vorigen Herbst waren alle ihre Beschlüsse an eine Gegenzeichnung des geschäftsführenden Leitenden Sekretärs für Finanzen, Clemens Schneider, gebunden - de facto stand sie unter Kuratel des ÖGB. Gleichzeitig musste sie das Service in den Bundesländern ehrenamtlichen Funktionären übertragen, eigene Sekretariate konnten nicht mehr finanziert werden.

Der Fusion mit der GdG gingen lange Verhandlungen mit der Beamtengewerkschaft GÖD voraus: Zum öffentlichen Dienst hätten vor allem die rund 2000 Bühnenarbeiter gepasst, die rund 1000 organisierten Profifußballer hätten sich lieber in der Privatangestelltengewerkschaft GPA wiedergefunden.

Den "Rolls-Royce unter den Gewerkschaften" stellt die kleine Musikersektion dar, in der etwa Mitglieder der Philharmoniker organisiert sind. Sie werden künftig ebenfalls zu den Gemeindebediensteten wandern. Denn der KMSfB-Vorstand hat beschlossen, die Gewerkschaft nicht zu filetieren, damit zumindest eine gewisse Identität erhalten bleibt - knapp fiel die Entscheidung für die GdG aus.

Formal muss das vom Partner noch beschlossen werden, die Gemeindebediensteten stimmen darüber am Nachmittag ab. Die Altlasten müssen sie nicht übernehmen, die trägt der ÖGB. (Conrad Seidl, DER STANDARD-Printausgabe, 29.6.2009)

  • Die provisorische Zentrale des ÖGB am Wiener Schwedenplatz: Nebenan wird diagnostiziert, in der Gewerkschaft fusioniert.
    foto: matthias cremer, der standard
    Foto: Matthias Cremer, Der Standard

    Die provisorische Zentrale des ÖGB am Wiener Schwedenplatz: Nebenan wird diagnostiziert, in der Gewerkschaft fusioniert.

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