STANDARD-Interview

"Schnallen Sie sich jetzt an, Frau Fekter"

28. Juni 2009 17:34
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    Foto: robert jäger, apa

    Hans Niessl erhebt sich und will seine SPÖ auf sozialdemokratischen Vordermann bringen.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl über die allgemeine und die sozialdemokratische Krise - Und was sein steirischer Kollege und die Innenministerin damit zu tun haben

STANDARD: Nach der EU-Wahl haben Sie die Linie der SPÖ kritisiert. Was passt Ihnen daran nicht?

Niessl: Die europäische Sozialdemokratie hat den Fehler gemacht, dass sie den Neoliberalen zu wenig entgegengetreten ist, dass ein Kurs mitgetragen wurde, der nicht sozialdemokratisch war. Wir brauchen einen kritischen Pro-EU-Kurs. Wirtschafts- und Finanzpolitik müssen ja von Brüssel aus verändert werden.

STANDARD: Das kann aber die kleine SPÖ nur schwer. Sind da nicht alle sozialdemokratischen Parteien gefordert?

Niessl: Natürlich. In ganz Europa konnten wir die Wähler nur schwer motivieren, überhaupt zur Wahl zu gehen. Das ist ein Zeichen, dass die Wähler diesen Kurs nicht billigen. Dass man Kompromisse schließen muss, ist klar. Aber die Wähler sind offensichtlich der Meinung, dass die Sozialdemokraten zu viele Zugeständnisse gemacht haben.

STANDARD: Es gab eine Zeit, da dominierten die Sozialdemokraten Brüssel. Genau damals aber hat der Neoliberalismus den Turbo gezündet. Aus Ihrer heutigen Sicht: Waren Blair und Schröder gar keine Sozialdemokraten?

Niessl: Das würde ich zumindest bei Gerhard Schröder nicht so sagen. Und Toni Blair: Er hatte einen Kurs, der aus meiner Sicht nicht zu gehen ist. Das war, ja, ein Fehler.

STANDARD: Und jetzt also "back to the roots"?

Niessl: Nein, aber die Sozialdemokratie darf nicht so pragmatisch agieren, dass sie von den Sorgen der Menschen weg ist. Wir müssen schauen, dass nicht, wie in der Vergangenheit, die Gewinne bei den Unternehmen sind und die Einkommen der Arbeitnehmer stagnieren, ja schrumpfen. Es geht um Fairness und soziale Gerechtigkeit.

STANDARD: Ich höre aus diesen Worten ein bisschen auch den steirischen Landeshauptmann heraus. Dem aber ist in der SPÖ ordentlich der Kopf gewaschen worden.

Niessl: Das hat überhaupt nichts mit Franz Voves zu tun. Ich bin generell dagegen, dass sich die SPÖ jetzt in der Krise darüber Gedanken macht, wie man dieses dramatische Defizit - das ja der Finanzminister zu verantworten hat - in Ordnung bringt. Jetzt geht es darum, die Krise zu bewältigen. Eine Mehrwertsteuererhöhung ist absoluter Unsinn. Über so was brauchen wir nicht einmal drei Minuten zu diskutieren.

STANDARD: Voves hat aber was ganz anderes gesagt.

Niessl: Aber die Diskussion, die er angestoßen hat, kommt zum falschen Zeitpunkt. Ich bin da beim Bundeskanzler: Experten sollen ein Konzept erarbeiten, das darlegt, was wir unter Steuergerechtigkeit verstehen.

STANDARD: Hat denn Voves nicht die Belastungsschere zwischen Arbeit und Kapital thematisiert?

Niessl: Der Faktor Arbeit muss entlastet werden, ja. Aber an der Diskussion um Vermögens-, Erbschafts-, Schenkungs- oder gar Mehrwertsteuer beteilige ich mich sicher nicht. Die Frage, wie ich den Mittelstand entlasten kann, ist die primäre Diskussion. Die Belastung für den Mittelstand hat ja ein Ausmaß erreicht, das unerträglich ist. Die Spekulanten, die uns diese Misere eingebrockt haben, sollen zur Kassa gebeten werden. Da bin ich bei der Finanztransaktionssteuer. Die soll einmal eingeführt werden, dann schauen wir weiter.

STANDARD: Eine Finanztransaktionssteuer ist aber sinnvollerweise nur europaweit möglich.

Niessl: Das genau fordere ich von den neuen EU-Abgeordneten, dass sie den Konservativen sagen: Okay, wir wählen Barroso. Aber die Finanztransaktionssteuer ist uns so wichtig, die muss es europaweit geben. Die Handschrift der Sozialdemokraten muss spürbar sein. Übrigens auch beim Thema Sicherheit.

STANDARD: Ihr Thema. Soll die SPÖ quasi rechte Themen besetzen?

Niessl: Die SPÖ hat dies zu spät besetzt. Ich bin auch von Sozialdemokraten belächelt worden, als ich gesagt habe: Wir brauchen den Assistenzeinsatz, die Grenzgendarmerie, die Übergangsbestimmungen. Das alles richtet sich ja nicht gegen die Nachbarn, es geht um die internationale Kriminalität. Auch die Menschen in Bratislava, in Sopron wollen ja Sicherheit.

STANDARD: Jetzt kommt ja eh die Soko Ost.

Niessl: Die Soko Ost ist dazu da, aus der Ostregion Polizisten abzuziehen und in Wien einzusetzen. Die Innenministerin sitzt auch in Brüssel, im Rat. Wer, wenn nicht sie, müsste dort deponieren: Bei uns sind die Einbrüche um 20 Prozent angestiegen? Was macht da die EU?

STANDARD: Was macht die SPÖ? Immerhin sitzt man in einer gemeinsamen, um nicht zu sagen: SP-geführten Regierung.

Niessl: Zum Beispiel, dass wir 2000 zusätzliche Polizisten bekommen. Egal, was im Regierungsübereinkommen steht. Da steht nämlich auch nicht drinnen, dass die Einbrüche zugenommen haben. Da müssen wir Druck machen.

STANDARD: Hans Niessl sagt: Halten Sie sich ab nun an, Frau Fekter?

Niessl: Das wäre mir zu wenig. Ich würde sagen: Schnallen Sie sich an, Frau Fekter! (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD-Printausgabe, 29.6.2009)

Zur Person

Hans Niessl (58) ist seit 2000 Landeshauptmann des Burgenlandes und seit 2002 stellvertretender Parteivorsitzender der SPÖ.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 169
1 2 3 4
amPunkt
07.07.2009 06:45
Bei uns sind die Einbrüche um 20 Prozent angestiegen

Und das trotz des angeblich so effizienten Assistenzeinsatzes des Bundesheeres!

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Oder sind die Einbrüche nicht doch vielleicht WEGEN des AssE gestiegen? Sollte man einmal überlegen.

Ein Nieszl ist halt genauso ein Populist wie alle anderen auch.

Captain Smoker
06.07.2009 17:08
Populisten-Weltrangliste der SPÖ:

1. Haider
2. Voves
3. Cap
4. Niessl

30.06.2009 17:56
Landesniessl Hauns


Der pannonische Hugo Chavez!

Tierra para Todos

Esterhazy enteignen?

30.06.2009 17:52

Der Niessl wär nicht der Niessl wenn er nicht der Niessl wäre.

Noch Fragen?

paulvonnebenan
30.06.2009 16:15
Schnallt Sie an..


Die Dame (Video) http://bit.ly/fekterrr

lg, paul

135
 
30.06.2009 09:15
Die Schafe im Wolfspelz, die da so die Meinungsäußerung von Niessl und die Burgenländer blökend posten, sollten ihr Geschichtswissen erweitern.Es waren die Burgenländer, die an der Brücke von Andau, die damals

die ungarischen Flüchtlinge aufgenommen und als erste versorgt haben.
Ihren Burgenländerwitzeschmäh und Ihre Mißachtung von Menschen, die im Burgenland leben, sollten Sie besser sein lasser.

mief quirl
06.07.2009 16:53

Und anno 56 war des Bgld politisch sogar noch tiefschwarz!

badblackguy.blogspot.com
 
30.06.2009 12:16
Was haben die Flüchtlinge von anno dazumal mit LH Niessl zu tun?

Was erzählen sie hier für Geschichten? Was die
Burgenländer einmal getan haben hat nichts mit dem
zu tun was LH Niessl tun will!

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen!

Herr Niessl redet von einem "dramatische Defizit",
aber er vergisst die Forderungen der SPÖ!

Gusi 100er, Mehrwertsteuer senken, Lohnsteuer und
Sozialabgaben senken, Konjunkturpakt, Gesamtschule,
mehr Arbeitslosengeld, mehr Lehrer, mehr Polizei u.s.w. .....

Das wäre kein "dramatisches Defizit" sondern
ein "katastrophales Defizit"!

MFG

135
 
30.06.2009 17:37
Es wurden üble Burgenländerwitze zum Besten

gegeben um den Landeshauptmann zu treffen.
Wenn Ihnen das nicht aufgefallen ist, dann hält sich Ihre Aufmerksamkeit in Grenzen.
Was Ihre Beanstandung des Hinweises auf ein beträchrliches Defizit anlangt und Ihre "Haltet den Dieb"-Mentalität, dann haben Sie die ohne Bedingungen , von Pröll Bankenschutzschirme nicht als unglaubliche Belastung wahrgenommen.
Die alleinigen Schuld der USA-und einen Freispruch von sekundierende europäischen Banken- kann nur ein Populist wie Pröll und seine Seilschaft behaupten. Daß die unkontrollierbare Bankenförderung im Interesse der Sparer gemacht wurde, ist der Gipfelpunkt der Pflanzerei.

B. R. 12
30.06.2009 18:19

Herr Niessl - sind Sie das?

schwadronowski
30.06.2009 09:02
jemand der so toll seine landesbank verkauft hat,

ist sicher der passende ratgeber,
wie wir wieder aus der krise herausfinden können.

Manfred Kopp
30.06.2009 07:16
Bei Niessl denk ich immer an die Grippe.

Gesundheit!

Nobody does it better
29.06.2009 21:39
"wir brauchen", "Wir müssen schauen" etc.

Niessl soll sich nicht so aufpudeln: er ist schließlich in der mittelbaren Bundesverwaltung einem Minister weisungsbefugt! Hätten die Österreicher mehr Ahnung von verfassungsrechtlich bestimmter Verwaltung hätte dieser Politiker aus dem flachen Heideboden - immerhin guter Wein kommt von dort - nichts zu melden.

Außerdem zeugen seine ständigen Wiederholungen á la "wir müssen" und "wir brauchen" nicht unbedingt vom Intellekt mal was Neues auszusagen.

Die SPÖ hat es sowieso nichts bis wenig in der Hand (und im Kopf und noch weniger im Rückgrat). Traurig!

135
 
30.06.2009 09:18
Ja, ja, die Sozialdemokraten sollten den Pröllspuk

endlich verjagen, realpolitisch ist das aber nicht möglich. und so blöken die Schafe im Wolfspelz...

wellenrauschen
30.06.2009 10:37
Und es wird und wird kein Wolf nicht draus...

Surprise, surprise.

135
 
29.06.2009 23:47
Es ist ja wahr, warum teilt Niessl auch die

Meinung des Josef Pröll?
Diesen Finanzminister müßte man täglich aus dem Dämmeeschlaf erwecken, damit er nicht von dem träumt, was er an Inkompetenz an Kaufkraftvernichtung durchführen will.
Steuererhöhungen, vor allem Massensteuern, denn was er jetzt ablehnt wird später prompt gemacht.

Den Banken hat er ohne Bedingungen und ohne demokratische Transparenz einen Schutzschirm aufgespannt, alles in seiner angemaßten Machtvollkommenheit. na ja, so ein Finanzminister ist ein Unglück für die Staatsfinanzen.
Wenn die ihm ergebene "Lämmer" , zur Schlachtbank getriebdn werden, dann ist es es zu spät.

badblackguy.blogspot.com
 
30.06.2009 12:21
Die Banken haben Mist gebaut, aber jetzt die Banken nicht zu unterstützen wäre ein Fehler!

Okay, lassen wir doch die Banken pleite gehen, wenn
sie 30% Arbeitslose und hungernde Meschen haben wollen!

MFG

also dann ...
30.06.2009 11:13
stimmt zu .... n u r bedarf es immer eines 2. (eigentlich stimmenmässig der 1.)

der sich
- permanent über tisch ziehen lässt
- einen dreck für die wichtigsten ministerien interessierte.
die övp...
kann NUR so stark sein, wie es die spö zulässt !

und genau d a s = spö ist das problem...

135
 
30.06.2009 17:40
Und der Säckelwart ist der"beatus possidenz"

also dann ...
30.06.2009 17:57
yep

wrkskrfz
29.06.2009 18:32
Niessl, der EU-basher

Der Herr Fachlehrer (vermutlich Warenkunde und Maschinschreiben) weiß, was der Wähler will.
mehr Polizisten
mehr Soziallseistungen
mehr Mindestsicherung
mehr - äh - von allem

und er weiß auch, wer das bezahlen wird:

Der Finanzminister - weil der ist Schuld am Defizit.

Wer ist doch gleich Bundeskanzler, welcher Partei gehört der an. Könnten die das mitbeschlossen haben?

Hat er wohl vergessen. Aber wenn er weiter so laut neuen Stacheldraht an die Ostblockgrenzen zurücksehnt wird ihn der Onkel Hans vielleicht noch adoptieren. Nicht für lange Zeit - aber immerhin.

fabian
30.06.2009 15:20
adoptiert sind ...

... jetzt die prölls, mein lieber wkrskrfz! tuns nicht flunkern!

wrkskrfz
01.07.2009 07:56
ok, ok, Sie haben recht

die Prölls sind auch adoptiert. Ob sie wollten oder nicht. Zumindest werden die beiden überrascht gewesen sein - wer hätte denn damit gerechnet dass der Onkel Hans so einen Haken schläft.

Mein Eindruck ist nur, dass etliche Politker gerne in die Onkel Hans Familie aufgenommen werden möchten. Und um das zu schaffen, ist EU bashing und Grenzen wieder zu Rufe ein probates Mittel.

Also ich unterstelle dem Mr Niessl, er möchte gerne gerne auch Wahlneffe werden.

135
 
30.06.2009 00:02
Wer das bezahlen soll?

Auch meine Famile mit ihren Steuern. Und was Sie prahlend an staatsbürgerliches Wissen von sich geben geht an der negativer Einstellung des Josef Pröll zu faire Politik vorbei.
Er fühlt sich für den Banken allein zuständig und berühmt sich seines schnellen Handelns. Darum hat er auch "vergessen", den Banken zugunsten der Realwirtschaft Bedingungen aufzuerlegen.

Und zur Auffrischung Ihrer dürftigen Geschichtskenntnissse: es waren gerade die Burgenländer, die mit ihrer tatkräftigen Hilfe den über die Brücke von Andau im den Westen geflohenen Menschen ein Fußfassen ermöglichten.

wrkskrfz
01.07.2009 09:07
liebe(r) 135 - Thema verfehlt

Ist Ihr Posting wirklich eine Antwort auf meines oder haben Sie Sich nur bei der Zuordnung vertan.

Nochmal und ganz langsam - zum mitlesen:

Der Hr Niessl wünscht/verlangt Dinge, die kaum leistbar sind, für das Defizit ist dann aber jemand anderes verantwortlich.
Das ist billigste linkspopulistische Damagogie.

Verantwortlich handelt jemand, der sich auch überlegt, wie Dinge finanziert werden können. Aber falls Hr. Niessl Ihr Freund ist kann ich Sie beruhigen, der Hr. Voves und der Hr. Haider (OÖ) sind aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Die Aussonderungen der Rechtspopulisten sind genauso verabscheuungswürdig wie die Ihrer Genossen.
Zu Andau: Der Onkel Hans möchte die Grenzen wieder schließen - nicht ich....

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