Leben im Schutz eines Roten Zwergs ist sicherer

29. Juni 2009, 14:11
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Die Schutzblase der Heliosphäre ist von der Dichte des Interstellaren Mediums abhängig - ein- bis zehnmal pro Milliarde Jahre ist die Erde ungeschützt

Tucson/Austin - Was im Sonnensystem an Kosmischer Strahlung vorhanden ist, stammt von der Sonne selbst: Der beständige Druck des Sonnenwindes hält alles, was an Strahlung und geladenen Partikeln aus dem interstellaren Raum eindringen könnte, von den Planeten fern. Diese Heliosphäre genannte Zone umgibt die Planeten somit wie eine Schutzblase, indem sie verhindert, dass beispielsweise erhöhte Einstrahlung die irdische Ozonschicht zerstört - oder auch, dass interstellarer Staub die Sonne verdunkelt und im Extremfall eine Eiszeit auslösen könnte. 

Allerdings ist die Heliosphäre kein stabiles oder auch nur gleichförmiges Gebilde. Das illustrieren beispielsweise die beiden "Voyager"-Sonden: "Voyager 1" erreichte den sogenannten Termination Shock, die innerste Grenzlinie der Heliosphäre, Ende 2004 in einer Entfernung von 94 Astronomischen Einheiten von der Sonne. Die Schwestersonde "Voyager 2" hingegen schlug einen anderen Kurs ein und stieß bereits in einer Entfernung von 76 Astronomischen Einheiten auf den Termination Shock.

Strahlenangriff

Wichtiger - und in ihren möglichen Auswirkungen drastischer - sind jedoch andere Schwankungen im Umfang der Heliosphäre. Sie hängen davon ab, welche Region unser Sonnensystem auf seiner Bahn um das Milchstraßenzentrum gerade durchfliegt. Wo das Interstellare Medium dichter ist, wird die Heliosphäre komprimiert. Und das kann sehr weit ins Innere sein - bis in die Zone der inneren Planeten hinein. David Smith von der University of Arizona in Tucson und John Scalo von der University of Texas in Austin errechneten, das die Erde im Verlauf von einer Milliarde Jahren ein- bis zehnmal einer solchen interstellaren "Attacke" ausgesetzt ist (zum Vergleich: das Leben auf der Erde ist beinahe vier Milliarden Jahre alt, war also schon mehrfach von einer solchen Heliosphären-Kontraktion betroffen).

Smith und Scalo berechneten weiters die Zusammenhänge zwischen Sternenmasse und Stabilität der Helio- bzw. "Astrosphäre" eines Sterns und fanden dabei ein wesentlich stabileres System: Rote Zwerge - die immerhin fast drei Viertel der Sterne in der Milchstraße ausmachen - bieten zuverlässigeren Schutz. Sie sind kleiner und kühler als unsere Sonne - die Zone, in der flüssiges Wasser und damit Leben in uns bekannter Form möglich ist, liegt daher deutlich enger um den Mutterstern als der Abstand zwischen Erde und Sonne; enger auch, als das Vordringen interstellarer Strahlen und Partikel selbst bei einer Astrosphärenkontraktion möglich wäre.

Verbunden mit der enormen Lebensdauer von Roten Zwergen - sie können theoretisch Billionen Jahre lang stabil bleiben, während sich unsere Sonne schon in geschätzten fünf Milliarden Jahren zum Roten Riesen aufblähen wird - könnte ein Roter Zwerg ideale Bedingungen für eine lange und ruhige Evolution von Lebensformen schaffen. Vorausgesetzt zumindest, er belastet die Planeten seiner Ökosphäre nicht selbst mit allzu unregelmäßiger Strahlungsleistung. (red)

  • Die Sonde "Voyager 2" befindet sich mitllerweile im Grenzbereich der Heliosphäre
    foto: nasa/jpl

    Die Sonde "Voyager 2" befindet sich mitllerweile im Grenzbereich der Heliosphäre

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