Mein Hut, der hat 30 Löcher

28. Juni 2009, 13:49
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Die Mailänder Männermodeschauen setzen auf die sichere Karte - und zeigen dabei demonstrative Gelassenheit

Mailand - Grau in Grau: Die Kollektion, die Miuccia Prada im Rahmen der Mailänder Männermodeschauen vorstellte, ist ein trüber Ausblick auf den Frühling des kommenden Jahres. Nicht ein einziger Farbtupfen hellte die Männermode der wohl wichtigsten Mailänder Modemacherin auf. Ein edles und in seiner Vielschichtigkeit äußerst faszinierendes Trauerspiel mit löchrigen Hüten und perforierten, ärmellosen Shirts. Mit ihrer eingeschränkten Farbpalette befand sich Prada allerdings allein auf weiter Flur.

Nach den von Nervosität und Show-Absagen geprägten Modeschauen im Jänner versuchte die Branche in Mailand so etwas wie Normalität zu suggerieren. Sprich: In Pressekonferenzen unterstrich man die große Anzahl an Modeschauen (39) und verkündete die neuesten, zumindest ein wenig positiv stimmenden Zahlen (die italienische Textilproduktion ist im April um 1,7 Prozent gestiegen). Demonstrativ gut gelaunt gaben sich die meisten anderen Designer. Sie setzten durchgehend auf farblich heitere und betont lockere Kollektionen - und versuchten damit ihre Vorsicht, was neue Designs anbelangt, zu überspielen. Was derzeit wichtig ist, ist die Rückbesinnung auf die eigenen Stärken.

Jil-Sander-Designer Raf Simons macht das auf vorbildliche Weise: Er zeigte eine fast zur Gänze auf Weiß-Töne setzende Kollektion, in der die schmale, streng geschnittene Linie des Hauses plötzlich ganz weich und flattrig wirkt. Sommermäntel haben kleine Polo-Krägen, die Revers der Ein-Knopf-Sakkos sind sehr kurz gehalten. Durchbrochen werden die monochromen Outfits von zarten Drucken des franko-japanischen Künstlers Tsugoharu Foujita. Seine Kollektion sei eine Botschaft der Liebe, sagte der Designer nach der Schau.

Zumindest ist sie keine des reinen Kommerzes. Als einer der wenigen Designer verzichtet Simons auf die in Mailand überall zur Schau gestellten Männer-Handtaschen. Nachdem das Phänomen der It-Bags in der Damenwelt etwas abgeklungen ist, sind jetzt offenbar die Männer dran. Ganze 16 unterschiedliche Taschen zeigte allein Christopher Bailey, der Kreativchef von Burberry, ziemlich viele sind es auch bei Gucci.

Mut ist Mangelware

Beim Florentiner Traditionsbetrieb ging es Designerin Frida Giannini etwas weniger forciert an als in der Vergangenheit. Sie setzte auf die Klarheit des Brasilia-Architekten Oscar Niemeyer. Selbst luxuriöse Lederjacken waren in geometrischen Mustern gehalten. Grobe, farbenfrohe Strickpullis kombinierte sie zu knöchelkurzen Sommerhosen und Loafers.

Die hohen Karottenhosen sind ein Trend, der sich durch viele Kollektionen zieht. Von Bottega Veneta bis zu Salvatore Ferragamo setzen auch Marken, die nicht unbedingt eine ganz junge Klientel ansprechen, darauf. Anders bei Z Zegna, der jüngeren Zegna-Marke, die von New York auf den Mailänder Laufsteg zurückgekehrt ist: Designer Alessandro Sartori brach aus dem edlen Mailänder Einheitslook aus und zeigte seine moderne Version eines edwardianischen Jünglings. Ein Look, mit dem er sich etwas traute. Damit stand er in Mailand ziemlich alleine da. (hil, DER STANDRD, Printausgabe 27./28.06.09)

 

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    Grau ist die einzige Farbe, die Miuccia Prada im kommenden Frühjahr gelten lässt

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    Jil Sander

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    Gucci

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