Essen in Hamburg

28. Juni 2009, 16:58
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    foto: waltraud kugler/pixelio.de

    Auf Märkten und in Gastrobetrieben entdeckt man in Hamburg noch heute traditionsreiche Köstlichkeiten.

Die Stadt lässt sich wunderbar kulinarisch entdecken. Neben zahlreichen Restaurants gibt es auch Veranstaltungen für Feinschmecker

Vor kurzem wurde die Geschäftsidee "eat-the-world" von einer Jury, die sich aus Vertretern der Online-Reisebranche zusammensetzte, beim Innovations-Wettbewerb "Sprungbrett 2009" mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Die Idee von "eat-the-world" ist, anhand kulinarischer Stadtführungen einen Einblick in die Kultur und das Leben europäischer Metropolen zu vermitteln. Außerdem sollen dadurch vor allem kleine Betriebe, Restaurants und Feinkostläden gefördert werden. Gemeinsam mit einheimischen Guides begeben sich die Tour-Teilnehmer dabei auf eine Entdeckungsreise hinter die Kulissen der Großstadt und begegnen dem echten und typischen Leben.

Im Tour-Programm von "eat-the-world" stehen derzeit die Städte Berlin und Hamburg. Die angebotenen Routen, abseits der altbekannten Touristenpfade, führen mitten hinein in das Leben, die Küche und die Kultur der Städte und zeigen die köstliche Wahrheit hinter touristisch aufbereiteten Abspeisungen, die viel mehr macht als nur satt.

Während in Berlin Besuche in Kreuzberg, Friedrichshain und eine Deluxe-Tour zu den Plätzen der Schönen, Reichen und Mächtigen anstehen, geht die kulinarische Entdeckung Hamburgs im ehemals als Mottenburg bekannten Arbeiterviertel Ottensen über die Bühne. Ottensen ist das Trendviertel der Hansestadt und bietet dem entsprechend eine ganze Reihe an Restaurants, Kneipen sowie ein großes kulturelles Angebot. Dabei erinnert das Viertel strukturell eher an ein Dorf, als an eine Großstadt.

Fisch und Fleisch

Mit einem ortskundigen Guide, der die Menschen und ihre Eigenheiten kennt, geht es zu den Lieblingsorten der Einheimischen und zu alteingesessenen Gastrobetrieben. Die Guides verraten auch kulinarische Geheimtipps. "Die Gegend ist geprägt vom einfachen, authentischen Leben der Hamburger Bürger", erzählt "eat-the-world"-Gründerin Elke Freimuth. Abseits der Reeperbahn und anderer touristischer Zentren zeigen sich die Hamburger erstaunlich herzlich und aufgeschlossen. "Hier stellt man schnell fest, dass die Nordlichter nicht so kühl sind, wie gerne behauptet wird", sagt Freimuth über die Hanseaten.

Auf dem Ottensen-Programm steht unter anderem der Besuch einer traditionsreichen Schlachterei, die seit 1836 zur Frischfleischversorgung des Viertels beiträgt. Auch einem der letzten Fischfeinkostläden und einer familiengeführten Bäckerei wird ein Besuch abgestattet, in einer alten Kate gibt es eine Kostprobe der norddeutschen Spezialität schlechthin: Labskaus (mehr zu diesem Hamburger Traditionsgericht weiter unten).

Und so kostet man sich, Schritt für Schritt, durch die Hamburger Küche und lernt dabei die Menschen kennen. Nach ca. drei Stunden sind dann sowohl Wissensdurst als auch Hunger gestillt. Für den weiteren Aufenthalt in der Stadt gibt es noch Lokaltipps, so dass Hamburg im Anschluss auf eigenen Faust kulinarisch erkundet werden kann. Die Ottensen-Tour mit sämtlichen Kostproben und einem Ottensen-Guide kostet 30 Euro. Gebucht werden kann die Tour auf der Homepage der Veranstalter.

Ein Sommer für Schlemmer

Schon Heinrich Heine stellte der Hamburger Küche 1834 ein gutes Zeugnis aus und urteilte: "Die Hamburger sind gute Leute und essen gut". Die Hansestadt im Norden Deutschlands nennt sich selbst Gourmethauptstadt und wendet viel Energie auf, um diesem Image auch gerecht zu werden.

Bereits zum elften Mal findet daher der "Hamburger Schlemmer Sommer" statt. Von 15. Juni bis 15. August haben Besucher der Hansestadt in 87 Restaurants die Möglichkeit, sich durch die lokale und internationale Küche zu kosten. Die Menüs für zwei Personen werden zu einem Fixpreis von 59 Euro pro Tisch angeboten.

Die teilnehmenden Restaurants kommen aus allen Bereichen der Gastronomie, angefangen von den großen Häusern rund um die Alster, wie dem Hotel Vier Jahreszeiten oder dem Kempinski Hotel Atlantic, über die Sterneköche in Restaurants wie dem Landhaus Scherrer bis hin zu französischer, italienischer oder fernöstlicher Küche. Ebenfalls mit dabei sind Trendrestaurants, etwa das Brook, das east oder die Turnhalle St. Georg. Zahlreiche Teilnehmer sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei und präsentieren sich dem Feinschmeckerpublikum. 2008 hat der Event immerhin 20.000 Gäste angelockt. Das Programm sowie eine Liste der teilnehmenden Restaurants kann unter hamburg-kulinarisch.de herunter geladen werden. Tische müssen übrigens im Voraus entweder telefonisch oder online reserviert werden.

Der Inbegriff Hamburger Traditionsküche ist der Hamburger Labskaus, der ohne Matjes zubereitet wird. Wo Labskaus seinen Ursprung hat ist unbekannt oder mit allerlei Spekulationen verbunden. Gegessen wird er, in unterschiedlichen Varianten, in Norddeutschland, Schweden, Dänemark und rund um Liverpool. Im Wesentlichen wird Hamburger Labskaus folgendermaßen zubereitet:

Hamburger Labskaus

Zutaten:
1 kg gepökeltes Rindfleisch (Brust)
750 g geschälte Kartoffeln
3 Gewürzgurken
2 Zwiebeln
500 g Rote Rüben
Salz und Pfeffer

Beilagen: Matjes, Gewürzgurken, Spiegelei, Bismarckhering oder Rollmöpse

Die Kartoffeln werden in Salzwasser weich gekocht. Das Fleisch wird mit kaltem Wasser aufgesetzt, aufgekocht, abgeschäumt und eine Stunde langsam gegart. Dann wird das Gemüse dazugegeben. Wenn das Fleisch weich ist, wird es im Fond zur Seite gestellt.
Die Kartoffeln werden mit den gehackten Zwiebeln in Fett hellgelb gedünstet.
Die roten Rüben gemeinsam mit den Gewürzgurken, dem Fleisch und den Kartoffeln durch den Fleischwolf drehen. Das fertige Labskaus sollte in etwa die Konsistenz von Kartoffelpüree haben.

Bei dem Rezept handelt es sich natürlich nur um eine der zahlreichen Varianten. Vorschläge für weitere Zubereitungsarten können gerne gepostet werden. (ham/derStandard.at/28.6.2009)

Hintergrund:
Der Wettbewerb "Sprungbrett" wird jedes Jahr vom Verband Internet Reisen (VIR) veranstaltet und prämiert alljährlich besonders innovative Konzepte im e-Tourismus. 2009 haben sich 25 Unternehmen und Einzelpersonen beworben. Der VIR repräsentiert sieben der führenden deutschen Online-Reiseportale, darunter expedia.de, ebookers.de, lastminute.de und opodo.de und setzt sich vor allem mit den Kernthemen Sicherheit im Internet, Vertrauen, Transparenz und Qualitätsstandards auseinander.

Ergates faber
01
29.6.2009, 15:44
Hamburg - the devil's favourite marketplace.

Luci: Sind die Seelen frisch? Dann hätte ich gerne 10 davon!

Steverino
01
29.6.2009, 11:42
Mmmmhhh Labskaus.....

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
31.8.2009, 13:44
und auch noch im Pflegeheim

(ohne Zähnt) zu genießen!

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
00
29.6.2009, 06:35
...die köstliche Wahrheit hinter touristisch aufbereiteten Abspeisungen...

mit der reisegruppe abseits der touristenpfade die welt entdecken. dorthin gehn, wo die stadt noch echt und ursprünglich ist und der einheimische freundlich und zugänglich.
mit tips ausgestattet dann die lokale selbst auskundschaften. individualtourismus halt.

a grünes stricherl
 
02
29.6.2009, 01:39
die tatsächliche hamburger traditionsküche stirbt übrigens aus

dies ist keineswegs nur die schuld der gastronomie sondern einfach ein kind der zeit und natürlich auch schuld der konsumenten.

niemand .. (kaum jemand) .. will noch "rundstück warm" essen .. oder "labskaus" oder "birnen bohnen und speck".

traditionelle gasthäuser sind praktisch nichtexistent. eines der letzten in der innenstadt hat vor kurzem geschlossen und ist nun aussenstelle eines "fastfood italieners" nebstbei. (das schiffertreff).

es finden sich zwar tausend griechen italiener portugiesen chinesen .. und etwa halbsoviele "wir machen moderne küche-läden" .. aber das wars dann leider auch ... die gastronomie hamburgs ist damit weitestgehend austauschbar geworden mit jeder anderen denkbaren grösseren stadt.

Mucosaprolaps
01
29.6.2009, 16:20

Ist wohl überall so. Wieviele Bauern essen noch dreimal täglich Getreidebrei? Das war jahrhundertelang Standard.
("Nach 30 Mal Sterz ist die Woche aus" oder so hieß es früher? 5 Mal täglich Sterz, dann ist endlich Sonntag.)

... und die Bereicherung der Gastronomie ist in Österreich echt wohltuend;ich zumindest würd ziemlich eingehen, wenns keine Inder, Thais, Türken und serbische Holzkohlengrills mehr gäb.

Was meiner Überzeugung nach übrigens der wirkliche Tod der Traditionsküche ist: Tiefkühlfraß und Fertigfutter, Knorr, Maggi, Gewürzpulverln: Glutamat statt Kochkunst; chemische Keule statt Können. Das Wissen um die Kochkunst geht verloren; ich kenne zahlreiche junge Menschen, die überhaupt nichts kochen können außer Packerln :-(

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