16-Jähriger stirbt bei Aufräumarbeiten

28. Juni 2009, 16:17
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Erstes Todesopfer im Bezirk Amstetten - Wollte Treibholz sammeln und wurde von Fluten mitgerissen - Neue Hochwasser in Salzburg, Lage im Südburgenland entspannt sich leicht

Amstetten - Das Hochwasser hat im Bezirk Amstetten ein Todesopfer gefordert: Wie die niederösterreichische Sicherheitsdirektion mitteilte, wurde gestern, Samstag, gegen Mitternacht in Allhartsberg während heftiger Regenfälle ein 16-Jähriger leblos im reißenden Wasser treibend gefunden. Reanimierungsversuche durch ein Notarztteam blieben erfolglos.

Aufgrund der bereits einige Tage zuvor gefallenen Regenmenge führte der starke Niederschlag sofort zu Überflutungen - die LH92 durch den Ort stand an mehreren Stellen unter Wasser und drohte auch in ein Gasthaus einzudringen, weshalb dort Sandsäcke zum Schutz deponiert wurden. Der 39-jährige Besitzer vermutete, dass ein Abwasserrohr verstopft sein könnte und griff deshalb in das vor dem Rohr vorbeirauschende Wasser, um etwaige Wurzelstöcke zu entfernen.

Dabei fiel ihm trotz des tosenden Regens und schlechter Sicht auf, dass eine Person ins Wasser gestürzt war und in das Rohr hineingerissen wurde. Er lief sofort ans andere Ende des unter der Straße verlaufenden Rohrs und stellte fest, dass das Wasser mit großer Gewalt durchfloss. Im Zuge einer sofort eingeleiteten Suche fanden Feuerwehrleute den im Wasser treibenden Jugendlichen auf dem etwa einen Meter hoch überfluteten Festgelände.

Feuerwehreinsätze in Salzburg

Heftige Regenfälle haben am Sonntag auch im Bundesland Salzburg und hier in erster Linie in der Landeshauptstadt wieder zu kleinen Überschwemmungen geführt. Die Helfer der Berufsfeuerwehr mussten seit dem späteren Vormittag bereits zu rund 25 Einsätzen ausrücken. Hauptsächlich hatten sie überflutete Unterführungen, Keller und Garagen auszupumpen, wie ein Sprecher der Berufsfeuerwehr zur APA sagte.

Außerhalb der Stadt kam es im Bereich zwischen Eugendorf und Thalgau (Flachgau) zu Überschwemmungen. Bei Thalgau stand Wasser auf der Westautobahn, so dass diese in Richtung Salzburg zwischen dem Parkplatz Vetterbach und der Abfahrt Thalgau nur mit Behinderung befahren werden konnte. In Thalgau mussten auch zwei Keller ausgepumpt werden, in der Umgebung sind auch einige Bäche über die Ufer getreten, hieß es im Landesfeuerwehrkommando.

Besserung im Burgenland

Die Hochwasserlage im Burgenland hat sich unterdessen am Sonntag etwas entspannt. In der südburgenländischen Gemeinde Strem hat die Feuerwehr die ganze Nacht hindurch gearbeitet um alle überfluteten Keller auszupumpen. Auch im Nordburgenland könne "vorläufige Entwarnung" gegeben werden, so Hofrat Helmut Rojacz vom Amt der Burgenländischen Landesregierung.

In Strem (Bezirk Güssing) habe sich die Lage deutlich verbessert, so Bürgermeister Bernhard Deutsch (V). Rund 150 Feuerwehrleute von 19 Feuerwehren hätten es in der Nacht geschafft, alle überfluteten Keller im Ort auszupumpen. Ein Teil der betroffenen Bewohner sei bereits in ihre Häuser zurückgekehrt. "Man sieht kaum mehr, dass gestern Hochwasser war", meinte der Ortschef.

Derzeit seien rund 80 Bundesheersoldaten und 30 Helfer vom "Team Österreich" mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Endgültig überstanden wäre die Sache aber noch nicht. Erst müsse das Wetter halten, so Deutsch. Am Sonntagvormittag habe es in Strem bereits wieder leicht zu nieseln begonnen.

Auch im Nordburgenland könne am Sonntagvormittag von einer vorläufigen Verbesserung der Situation gesprochen werden, so Helmut Rojacz vom Amt der Burgenländischen Landesregierung. Die Durchflussgeschwindigkeit der Leitha sei seit gestern von 110 Kubikmetern pro Sekunde auf 105 bis 106 Kubikmeter gefallen. Endgültige Entwarnung könne aber erst gegeben werden, wenn es in den kommenden Tag keine stärkeren Niederschläge mehr gebe.

Der Damm bei Gattendorf (Bezirk Neusiedl am See), der gestern von Feuerwehr, Bundesheersoldaten und freiwilligen Helfern aus dem Ort verstärkt wurde, habe bisher gehalten, so Rojacz. Er werde derzeit noch kontrolliert, denn bei der großen Menge an Wasser, die derzeit in der Leitha fließt, sei es möglich, dass sich aufgeweichte Stellen gebildet hätten.

Hangrutschungen in der Oststeiermark

Im oststeirischen Bezirk Feldbach drohten laut dem Krisenstab Hangrutschungen in großer Zahl. Bereits jetzt seien Hunderte kleinere Rutschungen erfolgt, die anhaltenden Niederschläge würden die Lage nicht verbessern, so ein Feuerwehrsprecher am Sonntag zur APA. In der Nacht auf Sonntag musste eine Familie in Sankt Stefan im Rosental aus ihrem Haus evakuiert werden, da Gefahr im Verzug war: Vom Hang oberhalb des Objekts drohte eine Mure abzugehen.

In der gesamten Steiermark waren seit Mittwoch früh rund 4.500 Einsatzkräfte der Feuerwehr und rund 150 Soldaten im Einsatz. Die teilweise über einen Meter hohen Überflutungen - vor allem im Südosten der Steiermark - in Hatzendorf, Gnas und Gosdorf - seien weitgehend zurückgegangen, aber der Katastrophenalarm für den gesamten Bezirk bleibe aufrecht. Hunderte Rutschungen von Hängen, Wiesen, landwirtschaftlichen Flächen sowie Gemeinde-, Landes- und Bundesstraßen stellten die Landesgeologen sowie die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundesheer und Straßenerhaltungsdienst vor große Herausforderungen, hieß es. Es sei mit Millionen-Euro-Schäden zu rechnen. Feuerwehren und Soldaten versuchen weitere Rutschungen zu vermeiden, indem sie die gefährdeten Stellen mit großen Planen abdecken.

Dauereinsatz

Anhaltender Niederschlag führe immer wieder zu neuen Rutschungen. Der Leiter des Katastrophenstabes, der Feldbacher Bezirkshauptmann Wilhelm Plauder hat aufgrund der prognostizierten anhaltenden Niederschläge sowie der aktuellen Schadenslage für den Abend eine Bürgermeisterkonferenz mit Vertretern der Feuerwehren mit Beginn um 18.00 Uhr in der Komm-Halle in Leitersdorf einberufen.

Nach dem Bezirksalarm vom Mittwoch sind in Feldbach rund 1.800 Feuerwehrmänner ständig im Einsatz. Sie werden unterstützt vom Bundesheer aus den Garnisonen Fehring, Feldbach, Strass und St. Michael. Die Aufgabe der Soldaten: Aufräumungsarbeiten, Bergungsmaßnahmen, Hangsicherung sowie Transporte. Zu Mittag werde die Pionierkompanie 1 aus Villach mit 80 Mann und schwerem Gerät in Feldbach erwartet. (red, APA)

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