Kroatische Kampfflugzeuge in slowenischem Luftraum

28. Juni 2009, 09:05
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Vorfall ereignete sich bereits am 19. Juni - Wegen Grenzstreit erst jetzt öffentlich gemacht - Ljubljana legte Protest ein

Ljubljana/Zagreb - Zwei kroatische Kampfflugzeuge, die angeblich eine ausländische Delegation begleitet hatten, sind am 19. Juni in den slowenischen Luftraum eingedrungen. Die kroatischen MiG-21 drangen laut Medieninformationen acht Kilometer in den slowenischen Luftraum ein und kehrten dann nach Kroatien zurück. Slowenien hat deswegen der kroatischen Botschaft in Ljubljana (Laibach) eine "scharfe Protestnote" gesandt, berichtete die Tageszeitung "Dnevnik" am Samstag.

Das Laibacher Außenamt protestierte wegen Verletzung des Luftraumes und verlangte von Kroatien eine Erklärung des Vorfalls, wie ein Außenamtssprecher gegenüber der Zeitung erklärte. Auf eine Antwort aus Kroatien werde noch gewartet. Laut "Dnevnik" hatten die MiGs die Aufgabe, den chinesischen Präsidenten Hu Jintao zu begleiten, der aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava nach Zagreb reiste.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des slowenischen Verteidigungsministeriums am 19. Juni um 15.14 Uhr. Die Kampfflugzeuge wurden von der slowenischen Flugsicherung erfasst. Nach einer Warnung identifizierten sie sich und verließen nach ungefähr einer Minute den slowenischen Luftraum wieder. Über den Zwischenfall wurde auch der zuständige NATO-Gefechtsstand des Combined Air Operations Center Five (CAOC 5) in norditalienischen Poggio Renatico benachrichtigt.

Vorfall und keine Drohung

Weil sich die Flugzeuge gegenüber der slowenischen Flugsicherung identifizierten und unmittelbar danach den slowenischen Luftraum verließen, werde die Sache als ein Vorfall und nicht als Drohung oder Provokation des Nachbarlandes betrachtet, berichtete die Zeitung. Die slowenische Öffentlichkeit sei über den Vorfall nicht benachrichtigt worden, um die angespannte Atmosphäre angesichts der gescheiterten EU-Vermittlungsbemühungen im slowenisch-kroatischen Grenzstreit nicht zusätzlich zu belasten. Slowenien blockiert wegen des Streits die EU-Beitrittsverhandlungen mit Kroatien.

Das kroatische Außenministerium bestätigte den Empfang der slowenischen Protestnote über die Verletzung des slowenischen Luftraums, berichtete die kroatische Nachrichtenagentur Hina am Samstag. Außenamt und Verteidigungsministerium bereiteten eine Antwort vor, hieß es. Wie die kroatische Tageszeitung "Jutarnji list" (Internetausgabe) berichtete, soll die Antwort Anfang der kommenden Woche nach Ljubljana gesandt werden. Ein Außenamtssprecher bestätigte, dass die Kampfflugzeuge das chinesische Präsidentenflugzeug begleitet hatten.

Der Flug im Grenzgebiet sei "Jutarnji list" zufolge der slowenischen Seite im Voraus angekündigt worden, wie es üblich ist. Außerdem verzeichneten die kroatischen Flugbehörden pro Monat mindestens drei bis vier Verletzungen des kroatischen Luftraums seitens kleiner Sportflugzeuge aus Slowenien, doch Kroatien habe deswegen nach keine Protestnoten an Slowenien gesandt, so die Zeitung. (APA)

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