Albertina entging nur knapp einer Katastrophe

27. Juni 2009, 16:14
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Nicht vorgesehene bauliche Besonderheiten bedeuteten "Glück im Unglück" - Räumung des Depots dauert noch eine Woche, sein Betrieb muss neu geplant werden

Wien - Erst langsam wird das wahre Ausmaß dessen bekannt, was als "Wasserschaden im Kunstdepot der Albertina" mittlerweile höchst ungenügend zu beschreiben ist: Insgesamt 2.100 Liter Wasser waren am Dienstag in das erst 2005 fertiggestellte Hochsicherheits-Depot eingedrungen. Nur durch ausgesprochenes "Glück im Unglück" und bauliche Besonderheiten, die an sich gar nicht vorgesehen gewesen waren, entgingen die unschätzbaren Bestände einer gravierenden Beschädigung durch das eingetretene Wasser, bestätigte am Samstag eine Sprecherin des Museums entsprechende Meldungen. Bis Mittwoch will man weitere Klarheit über das Geschehen und seine Ursachen haben und die Medien in einer Pressekonferenz informieren.

Kompletträumung nötig

Bereits jetzt sind jedoch mehrere Dinge klar: Das um 5,1 Millionen Euro errichtete Depot muss komplett geräumt werden. Daran wird weiterhin Tag und Nacht gearbeitet, die Arbeiten werden jedoch voraussichtlich noch bis zum nächsten Wochenende dauern. Die 950.000 Kunstwerke werden vorläufig im Haus gelagert, aber ab Mitte August wird aufgrund der Vorbereitungen zu den nächsten Ausstellungen ein externes Depot mit Sicherheit benötigt werden.

Und: Selbst nach Finden und Beheben jener Mängel, die den enormen Wassereintritt ermöglicht haben, wird das Depot sicher nicht mehr in der bisherigen Weise in Betrieb genommen werden. Denn die Anfälligkeit der vollautomatisierten Technik, die durch das Wasser für Stunden außer Gefecht gesetzt war, sowie das Fehlen jeder baulichen Voraussetzung, durch intensiven Personaleinsatz die Räumung beschleunigen zu können, haben sich als gravierende Mängel herausgestellt.

Außerdem hatte man aufgrund der Zusicherung, im neuen Depot über einen höchstmöglichen Schutz zu verfügen, sogar bei den wertvollsten Stücken des Hauses auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen wie Metallkassetten verzichtet. Selbst die Spitzenwerke der bedeutendsten Grafiksammlung der Welt waren in jenen Kartons untergebracht, die Direktor Klaus Albrecht Schröder am Donnerstag in aufgeweichtem Zustand präsentiert hatte.

Die Suche nach den genauen Ursachen - neben Konstruktionsfehlern sind auch Bau- oder Materialmängel denkbar - dürfte eine höchst heikle Angelegenheit werden. Jenen, die für die "baulichen Besonderheiten" verantwortlich sind, die sich nun als rettend herausgestellt haben, dürfte dagegen der ewige Dank nicht nur des Albertina-Direktors sicher sein. (APA)

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