"Schluss mit Polemik, wir lieben Formel 1!"

28. Juni 2009, 16:06
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Ferrari-Chef Montezemolo geht nicht auf Mosley-Forderung nach Entschuldigung ein und versteht die genervten Zuschauer - Todt neuer FIA-Chef?

Maranello - Ferrari-Chef Luca di Montezemolo warnt vor einem Wiederaufflackern des gerade beigelegten Formel-1-Konflikts zwischen dem Automobil-Weltverband FIA und der Teamvereinigung FOTA. "Es muss Schluss sein mit der Polemik, weil wir die Formel 1 lieben!", forderte der Italiener auf der Ferrari-Internetseite. "Wir wollen nicht dazu beitragen, dass der große Charme und die einmaligen Elemente aus der Formel 1 verschwinden."

Nur einen Tag nach dem verkündeten Friedensschluss im Streit um die Regeln für 2010 zwischen FIA und FOTA hatte Weltverbands-Präsident Max Mosley den am Mittwoch in Paris getroffenen Kompromiss wieder infrage gestellt. "Wenn Sie wünschen, dass unsere Vereinbarung eine Überlebenschance hat, dann müssen Sie und die FOTA ihre Handlungen sofort richtigstellen", hatte der Brite an seinen Gegenspieler di Montezemolo geschrieben.

Mosley war verärgert, weil die acht Rebellen-Rennställe seine Meinung nach den Medien erklärt hätten, dass er von sofort an keinen Einfluss mehr auf die Formel 1 nehmen werde und an seine Stelle FIA-Senatschef Michel Boeri als Hauptansprechpartner treten würde. Zudem hatte er beklagt, er sei angeblich als "Diktator" bezeichnet worden. Deshalb kündigte er an, seinen Beschluss zu überdenken, im Oktober nach Ende der Amtsperiode abzutreten.

Montezemolo ging im Fan-Forum auf der Homepage nicht auf die Forderung von Mosley ein. Er lobte noch einmal den Beschluss vom Mittwoch. "Ich bin sehr zufrieden mit der Vereinbarung", sagte der FOTA-Chef. Er könne die Zuschauer verstehen, "die von all den Polemiken genervt sind - den Pressemitteilungen, unklaren Regeln, Regeln, die alle sechs Monate geändert werden". Er denke, "dass wir mit dem mit der FIA getroffenen guten Agreement nun nach vorn schauen können".

Todt statt Mosley?

Der von den Rennställen zum Amtsverzicht gedrängte Mosley will sich jedoch offenbar nicht einfach beiseiteschieben lassen und kämpft mit allen Mitteln um seinen Einfluss auf die Formel 1. Verärgert über die FOTA stellte der 69-Jährige die Vereinbarung wieder infrage. "Sie haben den Fehler gemacht, auf meinem Grab zu tanzen, bevor ich unter der Erde war", zitierten britische Medien Mosley am Sonntag.

Neuester Schachzug: Der ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt, ein Vertrauter des Briten, soll laut "Sunday Times" das Amt als Präsident der FIA übernehmen. Die Teams, die einen "unabhängigen Kandidaten" fordern, wären erneut brüskiert. Der 63-jährige Todt, unter dessen Regie Michael Schumacher bei Ferrari fünf seiner sieben Weltmeister-Titel einfuhr, hatte die Scuderia im März nach 16 Jahren im Unfrieden verlassen und gilt als Gegner von Di Montezemolo.

Die Hoffnung der FOTA auf ein schnelles und geräuschloses Ende der Mosley-Ära ist jedenfalls dahin. Eigentlich wollten die Rennställe schon beim nächsten Rennen auf dem Nürburgring in zwei Wochen ihren Kontakt zu FIA-Senatschef Michel Boeri vertiefen, den sie anstelle von Mosley zum neuen Hauptansprecher erkoren hatten. Sogar von neuen Plänen, auch Mitvermarkter Bernie Ecclestone im Ringen um eine Neuverteilung der Einnahmen aus dem Geschäft zu drängen, war in der Szene wieder die Rede. (APA/dpa/Reuters)

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