100. Triumph für Rossi

28. Juni 2009, 11:24
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"Il dottore" gewinnt im niederländischen Motorrad-Mekka Assen souverän vor seinem Teamkollegen Lorenzo und Stoner - Dramatik bei den 250ern

Assen - Valentino Rossi hat am Samstag als zweiter Motorrad-Pilot nach Giacomo Agostino 100 Siege gefeiert. Der Italiener gewann auf seiner Yamaha den klassischen WM-Lauf um den GP der Niederlande in der "Königsklasse" MotoGP in Assen souverän vor seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo und Ex-Weltmeister Casey Stoner auf Ducati. Rossi, aus der Pole Position gestartet, übernahm in der zweiten Runde die Führung und baute seine Vorsprung kontinuierlich aus. Der Weltmeister feierte einen ungefährdeten Jubiläumssieg und übernahm auch die alleinige Führung in der WM-Wertung.

Den besten Start auf der 4,555 km langen Strecke in den Niederlanden erwischte der Qualifying-Zweite Dani Pedrosa, der vor Casey Stoner und Valentino Rossi in die erste Kurve einbog. Rossis Teamkollege Jorge Lorenzo verpatzte den Start und musste sich als Sechster ins Feld einreihen. Bereits in der zweiten Runde musste Pedrosa jedoch die Spitzenposition abgeben. Zuest ging Stoner an dem Spanier vorbei, dann Rossi, der sich nach einem kleinen Verbremser des Australiers auch gleich danach die Führung schnappte. Jorge Lorenzo verbesserte sich mit der bis dahin schnellsten Runde auf Rang vier.

Während Rossi an der Spitze Druck machte, holte sich der kleine Spanier eine Runde später Landsmann Pedrosa, der kurz darauf in der ersten Kurve nach Start-und-Ziel seine Honda mit eingeknickter Lenkung niederlegte. Teamkollege Dovizioso passierte nur wenige Runden später an der selben Stelle das gleiche Malheure. Also Totalausfall bei Repsol Honda.  Auch Ex-Weltmeister Stoner hielt die zweite Yamaha nur kurz und musste Lorenzo ebenfalls ziehen lassen.

Kallio im Kiesbett

Während sich an der Spitze damit die Reihenfolge eingespielt hatte, gab es in der Verfolgergruppe hinter dem Viertplazierten Edwards und dem Fünften Chris Vermeulen einen spannnenden Kampf um Platz sechs. James Toseland, Rookie Mika Kallio, Ex-Weltmeister Nicky Hayden, Randy De Puniet, Toni Elias, sowie Loris Capirossi und Alex De Angelis lieferten sich einen beherzten Kampf bis zum Ende. Kallio überschätze sich in der letzten Runde in der Hitze des Gefechts und verabschiedete sich in der schnellen Doppellinks vor der Schikane ins Kiesbett und zog sich dabei eine Handverletzung zu. Zuvor hatte Nicky Hayden nach einem ordentlichen Hinterrad-Slide mehr Glück, konnte sein Gerät gerade noch abfangen.

Knapp zehn Runden vor Schluss schien die Entscheidung um den Sieg gefallen zu sein. Lorenzo hatte zuvor alles versucht um den Anschluss an Rossi zu schaffen, aber "Il dottore" wusste immer eine Antwort auf die Attacken des Teamkollegen und drehte wie ein Präzisionsuhrwerk seine Runden auf höchstem Niveau.

Nach 26 Runden war es dann so weit. Das italienische Ausnahmetalent feierte mit einem Wheelie seine 100. Grand Prix-Erfolg vor Jungstar Lorenzo und Stoner auf der Ducati, der bei der anschließenden Pressekonferenz wegen gesundheitlicher Beschwerden passen musste. Rossi hatte in alter Tradition auf der Auslaufrunde  wieder etwas Besonderes mit seinem Fanklub vorbereitet. Vor der großen Tribüne wurde ein Transparent entrollt, auf dem jeder einzelne seiner Siege per Bild verewigt ist. In einer ersten Reaktion dankte der achtfache WM-Titelträger seinem Team und seiner Familie, die diese Erfolge ermöglicht haben. Lorenzo, ganz Gentlemen nach dem Rennen, streute dem Italiener nach seiner Vorstellung Rosen: "Der Held von heute ist Valentino. Er hat 100 Rennen gewonnen, diese Zahl ist unglaublich." Sein Rennen sei schwer gewesen, vorallem habe er im vierten Sektor viel Zeit verloren. "Dort konnte ich Valentino nicht folgen. Ich musste versuchen, das irgendwie wettzumachen. Als mein Vorderreifen dann aber nachließ, gestand ich mir ein, dass heute Platz zwei genügen muss." Rossi führt nun  in der WM-Wertung mit 131 Punkten alleine vor Lorenzo (126) und Casey Stoner mit 122 Zählern. Vor dem Rennen waren alle drei Akteure mit der selben Punktanzahl an der Spitze gelegen.

Dramatik in der Viertelliterklasse

In einem dramatischen Rennen der 250er-Klasse setzte sich Hiroshi Aoyama durch, der mit dem Erfolg auch die WM-Führung von Alvaro Bautista übernahm. Der Spanier war nach einem spannenden Duell um den Sieg dem Japaner in der berüchtigenten Schikane von Assen hinten ins Motorrad gefahren und dabei spektakulär von seiner Maschine geflogen. Der Spanier überstand den Vorfall unverletzt.

Zu Beginn des Rennens hatte das Tempo Weltmeister Marco Simoncelli bestimmt, der sich mit einem weichen Vorderreifen aber verpokerte, und zu Mitte des Rennens Bautista, Ayoama und nach einem harten Manöver vor der Schikane auch Hector Barbera passieren lassen musste. Die letzten 10 Runden waren dann von einem Duell um die Spitze zwischen Aoyama und Bautista geprägt, bis der spektakuläre Zwischenfall in der vorletzten Runde es zu Gunsten des Japaners entschied. Barbera staubte damit Rang zwei vor Weltmeister Simoncelli ab, der den dritten Rang mit seinem stark nachlassenden Reifen noch vor Aleix Espargaro verteidigen konnte.

Bautista meinte nach dem Rennen zu seinem Missgeschick: " Ich bin ganz normal in die Schikane reingefahren, Ayoama ist am Ausgang langsamer geworden, hat sich vielleicht verschalten, und ich habe auf Grund des großen Geschwindigkeitsunterschied den Unfall nicht mehr vermeiden können."

Bei den 125ern setzte sich Sergio Gadea durch, nachdem Julian Simon und Nico Terol in der letzten Runde Probleme miteinander hatten. Die Beiden berührten sich in der Schikane und verhalfen so Gadea zu seinem ersten Saisonsieg. Terol wurde zwar Zweiter, aber nach einer Untersuchung des Vorfalls mit einer 20 Sekunden Strafe belegt. Simon erbte seinen Platz und Bradley kam so noch aufs Stockerl. (Alex Aigner, derStandard.at)

Klasse MotoGP (26 Runden a 4,555 km/118,43 km): 1. Valentino Rossi (ITA) Yamaha 42:14,611 Min. (Schnitt: 168,210 km/h) - 2. Jorge Lorenzo (ESP) Yamaha 5,368 - 3. Casey Stoner (AUS) Ducati 23,113 - 4. Colin Edwards (USA) Yamaha 29,114 - 5. Chris Vermeulen (AUS) Suzuki 33,605 - 6. James Toseland (GBR) Yamaha 39,347

WM-Stand (nach 7 von 17 Rennen): 1. Rossi 131 Pkt. - 2. Lorenzo 126 - 3. Stoner 122 - 4. Andrea Dovizioso (ITA) Honda 69 - 5. Dani Pedrosa (ESP) Honda 67 - 6. Edwards 67

Klasse bis 250 ccm (24 Runden à 4,555 km/109,32 km): 1. Hiroshi Aoyama (JPN) Honda 40:44,008 Min. (Schnitt: 161,027 km/h) - 2. Hector Barbera (ESP) Aprilia 4,424 Sek. zurück - 3. Marco Simoncelli (ITA) Gilera 10,339 - 4. Aleix Espargaro (ESP) Aprilia 11,383 - 5. Roberto Locatelli (ITA) Gilera 11,596 - 6. Alex Debon (ESP) Aprilia 14,265

WM-Stand nach 7 von 16 Rennen: 1. Aoyama 121 Pkt. - 2. Alvaro Bautista (ESP) Aprilia 108 - 3. Barbera 95 - 4. Simoncelli 77 - 5. Mattia Pasini (ITA) Aprilia 64 - 6. Thomas Lüthi (SUI) Aprilia 52

Klasse bis 125 ccm: 1. Sergio Gadea (ESP) Aprilia 39:07,577 Min. (Schnitt: 153,671 km/h) - 2. Julian Simon (ESP) Aprilia 0,901 Sek. - 3. Bradley Smith (GBR) Aprilia 12,356 - 4. Andrea Iannone (ITA) Aprilia 12,400 - 5. Nicolas Terol (ESP) Aprilia 20,078 - 6. Stefan Bradl (GER) Aprilia 20,468

WM-Stand: 1. Simon (ESP) Aprilia 100 Pkt. - 2. Smith 98,5 - 3. Iannone 84,5 - 4. Gadea 84 - 5. Terol 68,5 - 6. Marc Marquez (ESP) KTM 55

  • Valentino Rossi feierte seinen 100er.
    epa/vincent jannink

    Valentino Rossi feierte seinen 100er.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein sichtlich entspannter Valentino bei der Jubiläumsfeier.

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