Neue Leitlinien zur Kunstrestitution

27. Juni 2009, 13:12
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Mehrere hundert Experten und Regierungsvertreter aus 49 Ländern

Prag - In Prag begann am Samstag eine mehrtägige Holocaust- Konferenzhundert; mehrere hundert Experten und Regierungsvertreter aus 49 Ländern kamen zu diesem Anlass zusammen. Bis Dienstag diskutieren sie vor allem über die Rückgabe sogenannter Raubkunst und den Umgang mit dem Holocaust in Schulen und Universitäten. Am Montag wollen die Teilnehmer eine "Erklärung von Terezin (Theresienstadt)" verabschieden, um Leitlinien zur Kunstrestitution aufzustellen und ein europäisches Holocaust-Institut in Terezin zu gründen.

Aus Österreich sind u.a. Kulturministerin Claudia Schmied, Hannah Lessing, die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Botschafterin Margot Klestil-Löffler und Erika Jakubovits, die Exekutivdirektorin der Israelitischen Kultusgemeinde, bei der Konferenz vertreten.

"Eines der wichtigsten Ereignisse unserer EU-Ratspräsidentschaft"

Der tschechische Europaminister Stefan Füle sagte, "die Konferenz ist eines der wichtigsten Ereignisse unserer EU-Ratspräsidentschaft". Man wolle an die "Washingtoner Erklärung" von 1998 anknüpfen, bei der sich 44 Staaten auf Grundlagen zur Rückgabe von unrechtmäßig erbeuteten Kunstwerken einigten. Friedensnobelpreisträger und Holocaust-Überlebender Elie Wiesel sagte, "die einfachste Antwort wäre nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, die Häuser, das Geld, den Besitz an die Opfer zurückzugeben".

"Man müsste sehr viel konkreter, detaillierter, spezifischer zu den Problemen im Zusammenhang mit der Raubkunst Stellung nehmen", forderte Georg Heuberger, Vertreter der Jewish Claims Conference in Deutschland, in einem dpa-Gespräch. "Wir können gar nicht seriös schätzen, um wie viele Fälle es sich noch handelt." Heuberger richtet sich gegen Vorschläge, einen Schlussstrich unter die Diskussion zu ziehen. "Es kann keine Verjährungsfrist geben, solange nicht die Museen ihrer Verantwortung gerecht geworden sind und umfassend und systematisch in ihre Bestände geschaut haben, Provenienzforschung betrieben haben (...) und Menschen ihre Sachen zurückerhalten."

"Allerhöchste Zeit"

Derzeit hätte nach einer Untersuchung der Jewish Claims Conference nur etwa ein Drittel der betroffenen Länder "nennenswerte Aktivitäten im Bereich Kunstrestitution entwickelt. Zwei Drittel haben fast nichts oder nur sehr wenig getan. Das ist niederschmetternd und nicht akzeptabel. Da können sich die Diplomaten, falls sie es nicht hören wollen, Oropax in die Ohren stecken." Heuberger erinnerte daran, dass es sich bei den Forderungsberechtigten oft schon um die dritte Generation nach dem Kriegsende handelt, "es ist allerhöchste Zeit, auf dem Gebiet etwas zum Abschluss zu bringen".

Am Rande der Konferenz enthüllte das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eine Gedenktafel an die genau vor einem Jahr gestorbene deutsch-jüdische Schriftstellerin Lenka Reinerova. Reinerova hatte sich als älteste deutschsprachige Schriftstellerin in Prag für die Aussöhnung zwischen Tschechien und Deutschland eingesetzt. Noch kurz vor ihrem Tod war im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag eine vielbeachtete Rede von Reinerova verlesen worden, als die Autorin aus Gesundheitsgründen schon nicht mehr selbst anreisen konnte. (red/APA/dpa)

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