USA ändern Anti-Drogen-Strategie

28. Juni 2009, 18:54
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Holbrooke: Alternativangebote für Bauern statt des Vernichtungsfeldzuges gegen Schlafmohn-Plantagen

Kabul/Triest - Die USA wollen ihre Drogenpolitik in Afghanistan radikal ändern: Statt des bisherigen Vernichtungsfeldzugs gegen den Opiumanbau soll der Schwerpunkt künftig auf der Bekämpfung des Rauschgiftschmuggels und Anreizen für Bauern liegen, andere Pflanzen anzubauen. Das kündigte der US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, am Wochenende beim Außenministertreffen der Gruppe der acht wichtigsten Industriestaaten und Russlands (G-8) in Triest an.

Holbrooke bezeichnete das bisherige Vernichtungsprogramm der USA als eine Geldverschwendung, die zudem nur afghanische Bauern in die Hände der Taliban treibe. Der Aufwand habe die Einnahmen der Taliban aus dem Rauschgifthandel nicht "um einen Dollar" geschmälert. "Die Bauern sind nicht unsere Feinde. Sie bauen nur etwas an, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen" , sagte er. Afghanistan ist der größte Opiumlieferant der Welt, 90 Prozent des weltweit erzeugten Heroins werden aus afghanischem Opium hergestellt.

Das Scheitern der Anti-Drogen-Politik wird auch durch Zahlen der Vereinten Nationen untermauert. Trotz millionenschwerer Gegenprogramme sei die Produktion bis 2008 stetig gestiegen. Sie habe sich seit Beginn der US-Invasion 2001 vervierzigfacht. Der oberste UN-Drogenbekämpfer Antonio Mario Costa bezeichnete die US-Drogenpolitik am Hindukusch als traurigen Witz. "Traurig deshalb, weil viele afghanische Polizisten und Soldaten getötet und nur etwa 5000 Hektar zerstört wurden." Das entspreche etwa drei Prozent der Mohnanbaufläche.

Einstimmig dafür

Die G-8-Außenminister begrüßten bei ihrem Treffen in der norditalienischen Stadt Triest den Politikwechsel der USA. Dies scheine die Strategie zu sein, die zum Sieg führe, sagte der gastgebende italienische Außenminister Franco Frattini. Alle Minister hätten diesen Ansatz unterstützt. Auch der afghanische Außenminister Rangeen Dadfar Spanta nahm an den Beratungen teil.

In ihrer Abschlusserklärung sprachen sich die Minister dafür aus, schnell nach Alternativen für afghanische Bauern zu suchen. Zudem müssten die geheimdienstlichen Bemühungen intensiviert werden, um die Drogenschmuggler daran zu hindern, das Opium außer Landes zu schaffen.

Auch der Iran, der an den G-8-Beratungen über Afghanistan nicht teilnahm, ist laut UN-Drogenbekämpfern entschlossen, regionale Aktionen gegen den Rauschgifthandel mitzutragen. "Das ist neu, das hat es in der Vergangenheit nicht gegeben" , sagte Costa im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2009)

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    Afghanen im Opiumgeschäft: Laut Uno hat der Schlafmohnanbau in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 um das 40-fache zugenommen.

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