Porsche lässt sich nicht von VW retten

29. Juni 2009, 21:22
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Porsche lehnte ein Rettungsmodell aus Wolfsburg ab, das zum Ver­lust der Eigenständigkeit des Sportwagenbauers geführt hätte

Der mit neun Milliarden Euro hochverschuldete Sportwagenbauer Porsche hat immer noch keine Lösung für seine Finanzprobleme. Einen Teil- und Notverkauf an Volkswagen lehnt man in Stuttgart weiterhin ab. Aber: Das Emirat von Katar hat ein Einstiegsangebot gelegt.

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Stuttgart/Wolfsburg/Berlin - "Erpressen lassen wir uns nicht." Diese Marschrichtung hatten Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und Betriebsratschef Uwe Hück ja schon am Wochenende vorgegeben. Am Montag wies der Stuttgarter Sportwagenbauer dann ganz offiziell das "unmoralische Angebot" aus Wolfsburg zurück. "Das ist kein gangbarer Weg für uns" , sagte Porsche-Sprecher Albrecht Bamler.

VW hatte zuvor erklärt, für drei bis vier Milliarden Euro 49 Prozent von Porsche kaufen zu wollen. Allerdings sahen (und sehen) die Stuttgarter das Offert nicht als generöses Rettungsangebot an, sondern als pure Erpressung. VW habe Porsche einfach die Pistole an die Brust gesetzt, klagt man in Baden-Württemberg - ganz nach dem Motto: Porsche müsse sich bis zum 30. Juni entscheiden, ob man sich von VW retten lassen wolle, sonst sei das VW-Angebot Makulatur.

Als treibende Kraft im Hintergrund machte man bei Porsche den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) aus, der für das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat von VW sitzt. Ihm wirft der Betriebsrat vor, "wie ein Revolverheld aus der Hüfte zu schießen" und Porsche zu schädigen - was Wulff dementiert: "Es gibt kein Ultimatum, sondern intensives gutes Zusammenarbeiten an der Zukunft von Porsche und VW."

Doch den Porscheanern missfällt nicht nur die angebliche, ultimative Aufforderung, sondern auch, dass man in Wolfsburg, wo VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch das Sagen hat, offenbar schon ohne Porsche-Chef Wendelin Wiedeking disponiert. Das VW-Angebot ging nämlich nur an den Porsche-Aufsichtsrat, also an die Familie Porsche. Der Vorstandschef wurde übergangen. Also stellte Porsche am Montag klar: "Ohne den Vorstand läuft hier nichts."

Der Deal ist aus Sicht von Porsche auch deshalb nicht möglich, weil bei einem Teilverkauf sofort jene Kredite in Höhe von 10,75 Milliarden Euro bei dem Bankenkonsortium fällig würden, die Porsche noch im März mühsam ergattert hat.

Die Befürchtung, der von Porsche favorisierte Investor, das Emirat von Katar, könnte die Geduld verlieren, hat sich amMontagabend entschärft. Das Emirat verhandelt mit Porsche über eine Beteiligung zwischen 25 und 29 Prozent. Doch der staatliche arabische Investor wolle freundlich auftreten und sich nicht gegen den Willen von Volkswagen und des VW-Großaktionärs Niedersachsen "mit der Brechstange beteiligen" , zitierte das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen.

Schriftliches Anbot von Katar

Am Montag kam diesbezüglich seitens eines Unternehmenssprechers des in Bedrängnis geratenen Sportwagenbauers dann die Entwarnung. Das Unternehmen habe vom Emirat Katar ein schriftliches Angebot erhalten, hieß es. Es gehe um einen Einstieg des Investmentfonds Qatar Investment Authority (QIA) bei der Porsche Holding und um den Kauf von Optionen auf VW-Aktien. Ein Zeitrahmen zu den Plänen wurde aber nicht bekannt gegeben. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung hakt es am Preis für die VW-Optionen, mit denen die Araber zum dritten VW-Großaktionär hinter Porsche (51 Prozent) und Land Niedersachsen (20 Prozent) würden. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2009)

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    Wendelin Wiedeking (li.) und Wolfgang Porsche wollen sich nicht von Volkswagen abschleppen lassen.

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