Karzai fordert Taliban zur Teilnahme an Präsidentenwahl auf

27. Juni 2009, 09:53
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Amtsinhaber gilt als Favorit bei dem Urnengang - Extremisten kündigen Störung des Urnengangs an - Zahlreiche Tote bei Angriffen und Gefechten

Kabul/Berlin - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat Taliban und andere Aufständische aufgefordert, an der Präsidentenwahl am 20. August teilzunehmen. So könnten sie "für den Präsidenten stimmen, den sie wollen" und auch die Zusammensetzung der Provinzräte bestimmen, sagte Karzai am Samstag. Ein Taliban-Sprecher warnte dagegen die Afghanen davor, ihre Stimme abzugeben, und kündigte Aktionen gegen die Wahl an.

Die Taliban haben keinen Kandidaten für die Präsidentenwahl aufgestellt. Ihre Angriffe bei der Wahl würden sich nicht gegen die Zivilbevölkerung richten, kündigte ihr Sprecher Zabiullah Mujahid an. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Die Taliban lehnten die Wahl ab, weil sie den USA nützten. "Was immer gut für die Amerikaner ist, wir sind dagegen", sagte er.

Bei der Präsidentenwahl treten 41 Kandidaten an. Der Amtsinhaber Karzai gilt als klarer Favorit.

Bei einem Taliban-Angriff auf einen Kontrollposten in der Provinz Helmand wurden unterdessen am Sonntag nach amtlichen Angaben acht Menschen getötet. In der der Provinz Laghman wurden am Samstag bei einem Sprengstoffanschlag der stellvertretende Polizeichef der Provinz Kunar und eine Zivilperson getötet, hieß es weiter.

Bei Gefechten in der westafghanischen Provinz Farah kamen mindestens 21 Menschen ums Leben. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, starben fünf Polizisten, als Kämpfer der radikal-islamischen Taliban ein Regierungsgebäude mit Raketen beschossen. Der Gegenangriff der Sicherheitskräfte habe acht Aufständische das Leben gekostet.

Zwei weitere Polizisten und sechs Extremisten wurden den Angaben zufolge am Vorabend bei einem Angriff der Taliban auf eine Patrouille und einer anschließenden Schießerei getötet. In Farah hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten massiv zugespitzt.

Die deutsche Bundeswehr hat unterdessen die Leichen von drei in Afghanistan ums Leben gekommenen Soldaten nach Leipzig überführt. Am Donnerstag findet in Thüringen eine zentrale Trauerfeier statt, an der auch der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, teilnehmen sollten. Die Soldaten waren am 23. Juni in der Nähe ihres Stützpunktes in Kunduz ums Leben gekommen.

Trotz der Ereignisse wies Jung am Wochenende erneut die Darstellung zurück, die Bundeswehr befinde sich in Afghanistan im Krieg. Der Zeitschrift "Super Illu" sagte er: "Die Diskussion um diesen Begriff führt uns in die Irre. Sie verstellt den Blick auf das Wesentliche." Es gehe darum, zivilen Aufbau und militärische Sicherheit parallel zu betreiben. "Das große Ziel unseres Stabilisierungseinsatzes ist, die Afghanen in die Lage zu versetzen, selbst für ihre Sicherheit sorgen zu können." Bei den 840 Projekten im Norden Afghanistans in der Verantwortung der Bundeswehr sähen die Menschen, dass es aufwärtsgehe. Für das ganze Land bestehe jetzt die Chance auf Wohlstand in Frieden.

Jungs Vorgänger im Ministeramt, der jetzige SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck, vertrat die Ansicht, militärisch sei der Konflikt mit den Taliban in Afghanistan und Pakistan nicht zu gewinnen. Im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" riet er zu Gesprächen auch mit gemäßigten Taliban. Zudem müsse Pakistan in die Bemühungen zur Lösung des Konflikts mit den Fundamentalisten eingebunden werden. "Es muss uns gelingen, die pakistanische Regierung dazu zu bringen, gemeinsam mit den Afghanen die Taliban zu bekämpfen", sagte Struck. (APA/AP/dpa)

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    Anhänger von Hamid Karzai in einem Sportstadion in Kabul. Der amtierende Präsident hat auch die Taliban zur Teilnahme an der Wahl aufgefordert.

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