Faymann mit Ei

26. Juni 2009, 20:02
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Über unglückliche und glückliche Namensträger

Bei Google findet man alles, auch Faymann mit Ei. Das klingt jetzt wie Knödel mit Ei, aber gemeint ist keine Speise, sondern ein Nachname, eben Faymann, nur mit Ei geschrieben, also eigentlich Feimann. Es gibt zum Beispiel einen Heinz Feimann, der mit seiner Frau Gisela 1968 die Sanitärfirma Feimann in 48720 Rosendahl-Osterwick, Deutschland, gegründet hat. Falls Herr Feimann zufällig diese Kolumne lesen sollte: Willkommen.

Warum ich dies erzähle? Um des Beispiels willen und um auf eine große, kaum je erwähnte Ungerechtigkeit hinzuweisen. Es gibt glückliche Menschen, die haben Namen wie Karl Müller, Peter Pilz, Armin Wolf. Glasklare Namen, Namen, die man sagt und die verstanden werden. Andere, unglückliche Menschen heißen wie Zbigniew Brzezinski. Sie verbringen ihr halbes Lebens damit, ihren Namen zu buchstabieren, zu beschreiben, zu erklären.

Auch Faymänner stehen unter stetem Namenserläuterungszwang. Wer Faymann heißt, hat ein Problem, das auch als das Mayerproblem bekannt ist. So wie jeder Mayer ständig erklären muss, dass er nicht Meier, Meyer oder Maier heißt, sondern Mayer mit A-Üpsilon, muss jeder Faymann ständig erklären, dass er nicht Feimann, Feymann oder Faimann heißt, sondern Faymann mit A-Üpsilon. Wahrscheinlich geht dem Kanzler diese ewige A-Üpsilon-Sagerei unfassbar auf die Nerven. Kann es Zufall sein, dass sein engster Mitarbeiter just Josef Ostermayer (!) heißt? Nie und nimmer. Hier haben sich zwei Buchstabiergeschädigte zu einer Notgemeinschaft zusammengeschlossen, zur Regierungsselbsthilfegruppe A-Üpsilon.

Josef Pröll hätte, wenn sein Name missverstanden wird, theoretisch kein Problem, die Schreibung klarzustellen: "Wie Proll mit Ö." Technisch elegant, aber inhaltlich unmöglich, weil sich Finanzminister ungern in Proll-Nähe begeben, nicht einmal beim Buchstabieren.

Geschlagen ist auch der Sozialminister. Hieße Rudolf Hundstorfer Hundsdorfer, wäre die Namensbeschreibung einfach ("wie ein Einwohner von Hundsdorf"). Weil er aber Hundstorfer heißt, wird jede nähere Erläuterung zu einem Exerzitium in Umstandskrämerei ("Ich heiße wie der Hund, das Tier, im Genitiv, dann Torf, wie die in Mooren entstandene pflanzliche Substanz, mit einem E-Err hinten dran.") Kompliziert, lästig, lebenszeitraubend. Ein kleiner Trost für ihn: Wenigstens Ei hat Hundstorfer keines. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.06.2009) 

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