Der traurige Auftritt des großen Bruders

    26. Juni 2009, 18:42
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    Jermaine Jackson (54) musste Michaels Tod verkünden

    Wir werden immer bei dir sein, Michael. Wir lieben dich." Jermaine übernahm die Tortur, für die Familie Jackson vor die Presse zu treten und über den Tod seines Bruders zu informieren. Knapp 90 Sekunden sprach der 54-Jährige in die Mikrofone, immer wieder musste er absetzen und stark schlucken. Mit Tränen in den Augen eilte er nach den letzten Worten vom Podium. Und das, obwohl Jermaine zeitlebens einen heftigen Krach mit "Jacko" hatte.

    Eigentlich heißt der als vierter von zehn Kindern von Joseph und Katherine Jackson geborene Jermaine gar nicht mehr so. Muhammad Abdul-Aziz Jackson nennt er sich, seit er während einer Tour in Bahrain zum Islam konvertiert ist. Unbekannten gegenüber stellt er sich dennoch als "Jermaine Jackson of the Jackson Five" vor. Etwa, wenn er als Kunde in einem kleinen Schneiderladen in Bahrains Hauptstadt Manama zufällig auf den Autor dieser Zeilen trifft und von diesem nicht erkannt wird.

    Die Band, deren Leadsinger er vor Michael war, ist natürlich der Grundstein seiner Karriere. Und nur Michael und er blieben nach dem Ende des Quintetts öffentlich erfolgreich. In Europa hatte Jermaine beispielsweise mit When the rain begins to fall in mehreren Ländern einen Nummer-eins-Hit.

    Der Familiensegen hing aber schief. Im November 1991 veröffentlichte Jermaine Word to the Badd!!!, einen Frontalangriff auf seinen Bruder. Er warf ihm darin sinngemäß vor, durch Hautbleichungen und plastische Chirurgie vollkommen den Boden der Realität verlassen zu haben. Ein Versöhnungsgespräch der beiden unter den Augen der Mutter blieb ergebnislos - das Lied samt zugehörendem Album floppte, Jermaine verlor seinen Plattenvertrag.

    Die Risse wurden schließlich aber gekittet: Während im Jahr 2005 Michael Jackson wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs vor Gericht stand, war Jermaine, selbst siebenfacher Vater, einer seiner wortreichsten öffentlichen Verteidiger und erschien auch mehrmals im Gerichtssaal.

    Aus musikalischen Gründen trat er dagegen eher nicht mehr so oft ins Scheinwerferlicht. Dafür als großer Bruder. Nicht als der von Michael, sondern in einer britischen Big Brother-Promi-Staffel, bei der er im Jahr 2007 auf den zweiten Platz gewählt worden ist. Er engagiert sich in diversen Charity-Projekten und tritt in Großbritannien auch häufig im TV-Kanal Islam Channel auf. Seinen Fernsehauftritt am Freitag hätte er sich aber ohne jeden Zweifel lieber erspart. (Michael Möseneder, DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.06.2009)

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      Jermaine Jackson

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