Heldentaten, stark verblasst

26. Juni 2009, 18:21
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In unseren für manche schon "postdemokratischen" Zeiten kann gar nicht deutlich genug daran erinnert werden

War der Fall des Eisernen Vorhangs ein Vorteil? Schockierende 22 Prozent der darauf angesprochenen Österreicherinnen und Österreicher verneinten diese Frage, die ihnen von Market-Meinungsforschern kürzlich gestellt wurde. (63 Prozent sahen die Grenzöffnung positiv.)

Das muss man sich vor Augen halten, wenn nun in Feiern wie dem Staatsakt an der ungarischen Grenze der umwälzenden Ereignisse des Jahres 1989 gedacht wird. Angst vor Einbrechern und Nostalgie für das auch bequeme Inseldasein Österreichs vor der Ostöffnung wiegt bei vielen schwerer als die Begeisterung für die Errungenschaft eines friedlichen, freien und in den Werthaltungen weitgehend einigen Europas. Die Bedeutung der zumeist gewaltfreien Revolutionen vor zwanzig Jahren ist noch viel zu wenig ins Bewusstsein der Bevölkerung gedrungen, weiß man auch im Außenministerium, das heuer mit zahlreichen Veranstaltungen dieses Defizit zu verringern versucht. Eine weitere Umfrage, vom GfK-Institut unter 2500 Jugendlichen hierzulande und im einstigen Ostblock durchgeführt, hat ergeben, dass mehr als 60 Prozent der Befragten in Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei "keine Auswirkungen" der Ereignisse von 1989 auf ihr persönliches Leben sehen.

Da ist in der Vermittlung der Folgen von 1989 offenbar einiges schiefgelaufen. Damals haben hunderttausende Bürger gegen Diktaturen ihre Stimme erhoben. Sie zeigten damit, wie sehr es auf den Einzelnen ankommt. In unseren politikverdrossenen, für manche schon "postdemokratischen" Zeiten kann gar nicht deutlich genug daran erinnert werden. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.6.2009)

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